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27.09.1991 - 

Gebührenerhebung für Services erfolgt über Telefonrechnung

Intelligente Netzwerke sollen der Telekom neue Märkte erschließen

Unter dem Terminus "Intelligente Netze" strebt die Telekom eine Erweiterung ihres Diensteangebots auf Basis des Telefon- und ISDN-Netzes an. 1992 sollen die ersten Kunden Services wie "Gebührenfreier Anruf, Bundeseinheitliche Rufnummer sowie Tele-Info-Dienste" in Anspruch nehmen können. Wolfgang Hick* skizziert das Projekt und gibt einen Ausblick auf die geplanten Dienste.

Bis in die jüngste Vergangenheit nutzte die Post die gigantische Infrastruktur des Telefonnetzes ausschließlich zum Telefonieren. In den letzten Jahren kam die Nutzung durch das Telefax dazu. Die Datenübertragung über das Telefonnetz kann bei dieser Betrachtung dagegen vernachlässigt werden, da den eigens dafür eingerichteten Datennetzen diesbezüglich die größere Bedeutung zukommt. Unter dem Fachterminus "Intelligente Netze" werden nun die bestehenden Telefon- und ISDN-Netze um modernste Computertechnik erweitert, um neue Telekommunikationsdienste anbieten zu können.

In den 80er Jahren machten sich vor allem Techniker in den Vereinigten Staaten Gedanken darüber, wie es möglich ist, das riesige Infrastrukturpotential des Telefonnetzes für weitere Telekommunikationsdienste zu erschließen. Das Ergebnis, die dabei entwickelte Architektur wurde als "Intelligentes Netz" bekannt und bezeichnet letztlich den Einsatz hochleistungsfähiger Computersysteme zur Flexibilisierung des Dienstleistungsangebots auf bestehenden Netzen. In diesem Zusammenhang ist es sicher nicht übertrieben, von einer "neuen Qualität von Telekommunikationsdiensten" zu sprechen und von der Möglichkeit, für ganz neue Dienstleistungsmärkte die Türe aufzustoßen.

Aus diesem Grund hat die Deutsche Bundespost Telekom im Mai diesen Jahres an drei Firmenkonsortien den Auftrag vergeben, die erforderliche Technik zu liefern. Ab Herbst 1992 sollen die Systeme den Kunden zur Verfügung stehen. Die Telekom will dann bis März 1995 einen Betriebsversuch fahren, um sowohl technische als auch kommerzielle Erfahrung auf dem Gebiet der "Intelligenten Netze" zu gewinnen. Nach bestandener Bewährungsprobe soll die erforderliche Infrastruktur bundesweit aufgebaut werden. Im Rahmen dieses Betriebsversuchs der Telekom werden zunächst vier Dienste realisiert: Gebührenfreier Anruf, bundeseinheitliche Rufnummer, Televotum und Tele-Info-Service.

Bei dem Service "Gebührenfreier Anruf" handelt es sich eigentlich um einen alten, nämlich den als Service 130 schon seit Jahren bekannten Dienst. Neu daran ist, daß er jetzt im Gegensatz zu früher auf die diensteflexible Infrastrukturebene gehoben wird. Das hat den Vorteil, daß der Dienstteilnehmer bestimmte Parameter selbst beeinflussen und ändern kann. Der Dienst wird auf diese Weise erweiterte Leistungsmerkmale erhalten, insbesondere flexibler und schneller anpassungsfähig sein. Ziele können dann beispielsweise strukturiert verteilt oder der Anruf im Besetztfall umgeleitet werden. An der Grundcharakteristik des Dienstes, daß der Angerufene die Gebühren übernimmt und der Anrufende keine Gebühren zu tragen hat, ändert sich nichts.

Der Dienst "Bundeseinheitliche Rufnummer" ist insbesondere für Firmen und Privatpersonen interessant, die mehrere Standorte haben und landesweit unter derselben Rufnummer erreichbar sein wollen. Die jeweilige Standortvorwahl und entsprechende Rufnummer sind künftig hinfällig; es wird reichen, sich eine Rufnummer für ein Unternehmen zu merken. Es muß dann nur die ebenfalls einheitliche Kennummer des Dienstes vorgewählt werden. Ob in Hamburg, Frankfurt oder München: der Gesprächsteilnehmer ist immer unter derselben Nummer erreichbar. Vom Prinzip her ist dieser Dienst gleichartig mit dem "Gebührenfreien Anruf", unterscheidet sich aber von diesem dadurch, daß bei der "Bundeseinheitlichen Rufnummer" der Anrufer die Gebühren für das Gespräch selbst zahlen muß.

Der Dienst "Televotum", also ein Abstimmvorgang per Telefonanruf ist ebenfalls nicht grundsätzlich neu. Rundfunk- und Fernsehsendungen haben diesen Dienst unter der Bezeichnung TED schon bekannt gemacht. Die bisherige Realisierung hatte aber zwei entscheidende Nachteile: Erstens war das Einrichten entsprechender Möglichkeiten kompliziert, aufwendig und langwierig, und zweitens - und das war für viele Dienstnutzer weitaus ärgerlicher - hatte nur ein Teil der Anrufer eine Chance auch tatsächlich registriert zu werden. Mit der Einrichtung "Intelligenter Netze" können Telefonabstimmungen jetzt einfacher und kurzfristig eingerichtet werden. Die Systemerreichbarkeit wird künftig höher sein. Das mittels Anruf abgegebene Votum wird gezählt und durch eine Standardansage bestätigt.

Beim "Tele-Info-Service" liegt die eigentliche Chance hinsichtlich des Aufbrechens neuer Märkte durch "Intelligente Netze". Die Möglichkeiten attraktive Informationsdienste über das Telefonnetz anzubieten, werden letztlich nur durch die Vorstellungskraft der Anbieter begrenzt. Je nachdem, ob es sich um Masseninformationsdienste (zum Beispiel allgemeine Börseninformationen oder Reisewettervorhersage) handelt oder eher um individuelle Informationen (etwa im Sinne von Beratungsleistung) kann der Anruf zu einer automatischen Ansage oder zu einem Gesprächspartner durchgestaltet werden.

In Zukunft ist weniger Aufwand nötig

Die Tatsache, daß sich derartige Dienstleistungen nicht schon in der Vergangenheit stärker durchgesetzt haben, beruht unter anderem darauf, daß ein potentieller Dienstnutzer zunächst mit einem Informationsanbieter einen Vertrag abschließen muß. Dies hat bislang auf dem üblichen Postweg zu geschehen, damit rechtskräftige Unterschriften vorliegen und ist deshalb entsprechend zeitaufwendig. Ein weiterer Grund: Der Dienstanbieter muß eventuell noch Auskunft über die Zahlungsmoral seines Kunden einholen und dergleichen Erschwernisse mehr.

Alles das wird in Zukunft wesentlich einfacher: Der in Anspruch genommene Dienst wird über die Telefonrechnung bezahlt. Diese Rechnung enthält dann also zwei Komponenten, nämlich die übliche Telefongebühr und die zusätzliche Dienstgebühr. Der Netzbetreiber kann dann alle Gebührenbestandteile dem Kunden in Rechnung stellen und übernimmt somit das Inkasso für Dritte.

Ausblick auf weitere Dienste: Im aktuellen Betriebsversuch will die Telekom die vier genannten Dienste testen und Erfahrungen mit der dienstübergreifenden Architektur sammeln. Ziel ist, mit möglichst wenig Aufwand künftig in relativ kurzer Zeit neue Dienste einzurichten. Dabei soll die Steuerung des Dienstes so weit wie möglich vom Dienstteilnehmer (das ist nicht der Dienstnutzer, sondern der eigentliche Dienstleistungserbringer) vorgenommen werden können.

Weitere Services, die mit einer Intelligenten Netz-Architektur realisiert werden sollten, sind zum Beispiel:

- Kreditkartenanrufe: Anrufe vom fremden Telefon können dem eigenen Telefonkonto zugewiesen werden.

- Persönliche Telefonnummer: Die Telefonnummer adressiert nicht mehr ein bestimmtes Endgerät, sondern einen bestimmten Teilnehmer. Er gibt ein, zu welchem Endgerät seine Anrufe geschaltet werden sollen und ist so überall unter derselben Nummer erreichbar.

- Private Netze: Auf Basis des öffentlichen Netzes kann ein virtuelles Privatnetz definiert werden, das nur einer geschlossenen Benutzergruppe zur Verfügung stellt.

- Centrex-Dienst: Im öffentlichen Netz werden die Funktionen und Leistungsmerkmale einer privaten Nebenstellenanlage erbracht.

Die Kunden der Telekom können an, der neuen Dienstleistungspalette in doppelter Hinsicht partizipieren: Erstens nehmen sie als Nutzer dieser Dienste in Zukunft eine größere Vielfalt von Dienstleistungen in Anspruch. Die Nutzung der Dienste wird unkompliziert, vor allem aber schnell verfügbar sein und die Qualität (zum Beispiel bezüglich Erreichbarkeit) nimmt zu.

Zweitens werden die Telekom-Kunden als Dienst-Teilnehmer, also als Erbringer von Telekom-Dienstleistungen einen Nutzen ziehen können. Es wird allgemein erwartet, daß sich die Angebotspalette auf der Diensteseite in den nächsten Jahren rasch erhöht. Die Flexibilität dürfte wesentlich höher sein, weil der Dienst-Teilnehmer selbst die Parameter ändern kann, zum Beispiel Steuerung in Abhängigkeit vom Ursprung oder vom Zeitfenster oder von der Verfügbarkeit unterschiedlicher Zielnummern.