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08.06.2001 - 

Erste Systeme ab Ende Juni

Intels Itanium - und er bewegt sich doch

MÜNCHEN (CW) - Nach siebenjähriger Brutzeit und mit über zwei Jahren Verspätung hat Intel vergangene Woche den ersten Prozessor seiner IA-64-Architektur aus dem Nest geschubst. Im starken Kontrast zum üblichen Marketing-Getöse anlässlich früherer Neuvorstellungen schleicht sich der "Itanium" allerdings eher auf Samtpfoten in den Markt.

Mit dem überfälligen Itanium feierte Chipriese Intel - in aller Stille - sein IA-64-Debüt. Über die jüngste Chipkreation will der kalifornische Halbleiterhersteller, dessen Schwerpunkt bislang im Desktop- und Lowend-Bereich des Server-Geschäfts lag, in die Domäne der Hochleistungs-Workstations und -Server vordringen und dort heimischen Schwergewichten wie Sun Microsystems, IBM und Hewlett-Packard (HP) das Leben ein wenig schwerer machen.

Itanium-Systeme sollen nicht nur preisgünstiger sein als die traditionellen, Risc-basierten Unix-Server der Konkurrenz. Dank seiner Epic-Architektur (Epic = Explicitly Parallel Instruction Computing) soll der Itanium bis zu 20 Rechenbefehle gleichzeitig ausführen können und damit dem Gros der Risc-Pendants in der Verarbeitung von Daten überlegen sein. Zu den für den neuen Chip prädestinierten Anwendungsbereichen zählt Intel umfangreiche Datenbanken, die Datenrecherche, das Mechanical Computer-Aided Engineering (MCAE) sowie wissenschaftliche Rechenaufgaben.

Versuchskaninchen ItaniumInwieweit schon das erste IA-64-Silizium, in dessen Entwicklung Intel Analysten zufolge rund eine Milliarde Dollar investiert haben soll, die gepriesenen Leistungsvorzüge bieten kann, ist allerdings fraglich. So soll das erste Resultat des widerspenstigen Entwicklungsprojekts in manchen Bereichen noch nicht einmal mit der Performance aktueller Pentium-CPUs mithalten können. Intel selbst hatte bereits im Vorfeld der Markteinführung verlauten lassen, man rechne für die erste Chipgeneration mit weniger als 100 Millionen Dollar Umsatz, da das Produkt vorwiegend für Entwickler von Interesse sei. Auch Analysten schreiben dem ersten IA-64-Kandidaten eher eine Vorreiterrolle zu. "Die ersten Itanium-Systeme werden als Entwicklungsplattformen dienen", prophezeit etwa Linley Gwennap, Chef des US-Marktforschungsinstituts The Linley Group.

Einen kommerziellen Durchbruch der neuen Architektur erwarten sowohl Hersteller als auch Branchenexperten erst im nächsten Jahr mit der Markteinführung des Nachfolgechips "McKinley", der mit Taktraten ab einem Gigahertz debütieren und etwa die doppelte Leistung des Itanium-Frischlings bieten soll.

Nach Angaben von Intel befinden sich derzeit rund 400 Itanium-Applikationen - Voraussetzung für den Erfolg der neuen Architektur - in der Entwicklung. Mit zunehmender Verfügbarkeit entsprechender 64-Bit-Software dürfte Anbietern proprietärer Systeme wie Sun, IBM und HP nach Einschätzung von Analysten ein rauer Wind um die Nase wehen. So erinnert etwa Nathan Brookwood von Insight 64 an das Aufkommen preisgünstiger Wintel-Workstations vor einigen Jahren, das Sun Microsystems zur Halbierung seiner Workstation-Preise genötigt habe. "Noch nie war Sun derartiger Konkurrenz ausgesetzt", so der Marktbeobachter. Der Intel-Rivale, der sich dem derzeitigen Itanium-Hype entzieht und weiterhin ausschließlich auf die eigene (Ultra-)Sparc-Architektur setzt, gibt sich allerdings vergleichsweise unbeeindruckt. "Wir sind bis jetzt erfolgreich gegen Intel angetreten", äußerte Suns Marketing-Direktorin Nancy Weintraub gegenüber der US-Presse. "Daran wird auch der Itanium nichts ändern."

Hersteller im Itanium-RauschDie ersten verfügbaren IA-64-CPUs takten mit 733 beziehungsweise 800 Megahertz und verfügen - je nach Ausführung - über 2 oder 4 MB Level-3-Cache. Die Preise der neuen CPUs liegen zwischen 4227 Dollar für den 800-Megahertz-Itanium mit 4 MB Cache und 1177 Dollar für die 733-Megahertz-Variante des 64-Bit-Chips (2 MB Cache).

Bereits seit Oktober vergangenen Jahres befinden sich rund 6500 Pilotsysteme verschiedener Hersteller im kollektiven Praxiseinsatz, um der neuen Architektur auf den Zahn zu fühlen. Bis zum Jahresende sollen nach Einschätzung von Intel rund 35 Modelle von insgesamt 25 Herstellern auf dem Markt sein. Zu den bereits serienreifen Itanium-Systemen gehören Produkte von Hewlett-Packard (HP), Dell, IBM, Compaq, Fujitsu-Siemens, SGI und Unisys.

Im Gegensatz zu Intels eher verhaltenem Enthusiasmus bezüglich des ersten IA-64-Chips scheinen Server- und Workstation-Hersteller regelrecht vom Itanium-Fieber infiziert. Den offiziellen Launch nicht abwarten wollte offenbar Direktanbieter Dell, der bereits vor zwei Wochen seinen ersten Itanium-Server "Poweredge 7150" ankündigte. Das Rackmount-System, das im Laufe des Sommers auf den Markt kommen soll, beherbergt bis zu vier Itanium-CPUs. Der Frontside-Bus taktet mit 133 Megahertz, der Hauptspeicher fasst bis zu 64 GB. Für Erweiterungen stehen zehn PCI-Steckplätze zur Verfügung, acht davon sind hot-pluggable - ebenso wie die vier Festplattenschächte für maximal 144 GB interne Massenspeicherkapazität. Der Preis steht derzeit noch nicht fest, soll aber rund drei Wochen vor dem tatsächlichen Liefertermin angekündigt werden. Auch eine Itanium-Workstation ist mit von der Partie. Nach Angaben des Direktanbieters ist die "730", die noch dieses Jahr mit einem 733-Megahertz-Itanium, 1 GB SDRAM sowie 18 GB-Festplatte ab etwa 8000 Dollar erhältlich sein soll, fast doppelt so leistungsfähig wie ihr 32-Bit-Vorgänger. Zudem soll sie für Unternehmen, die eine Migration auf die neue Intel-Architektur in Erwägung ziehen, eine ideale Testplattform darstellen.

HP, das bei der Entwicklung des Itanium-Chips maßgeblich mitgemischt hat, kündigte zum Launch des 64-Bit-Erstlings nicht nur eine Reihe von Itanium-Systemen an, sondern will frühen Anwendern (Early Adopters) des Prozessors auch mit entsprechenden Services und Lösungen bei der Migration auf die IA-64-Architektur unter die Arme greifen. Zu den ersten Itanium-Systemen des Herstellers gehört die Workstation "I2000" mit bis zu zwei Prozessoren. Das Einstiegsmodell mit 733-Megahertz-Itanium und 2 MB Level-3-Cache soll für knapp 7000 Dollar zu haben sein. Der Rack-optimierte Server "RX4610", der bis zu vier CPUs beherbergen kann, lässt sich mit bis zu 64 GB Hauptspeicher bestücken. Der zu erwartende Straßenpreis für ein Basismodell mit je zwei Itanium-Chips sowie Festplatten, jedoch ohne Speicher und Betriebssystem, soll knapp 23 250 Dollar betragen. Beide Systeme sind voraussichtlich ab Ende Juni erhältlich und sollen Windows, Linux oder das hauseigene HP-UX unterstützen.

Darüber hinaus will HP einen 16-Wege-Itanium-Server auf den Markt bringen. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Eigenentwicklung, sondern um umgetaufte "Azuza"-Server des japanischen Herstellers NEC. Das Highend-System soll voraussichtlich Ende September zu Preisen zwischen 100000 und 500000 Dollar verfügbar sein.

Auch IBM gehört zur Itanium-Gefolgschaft. Mit seiner Itanium-Workstation "Intellistation Z Pro" will Big Blue insbesondere Ingenieure und Wissenschaftler begeistern. Ende Juni soll die Intellistation zu Preisen ab etwa 16800 Dollar erhältlich sein. IBMs E-Server "X380", der insbesondere für datenintensive Applikationen wie Data Mining oder -Warehousing, Online-Transaktionen sowie Sicherheitsapplikationen herhalten soll, wird mit bis zu vier Itanium-CPUs und 64 GB Speicher ab Juli auf dem Markt sein. Firmenangaben zufolge wird der Einstiegspreis des Servers zwischen 18000 und 22000 Dollar liegen. Gleichzeitig verkündete Big Blue den Verkauf eines Linux-Super-Clusters an das National Center for Supercomputing Applications (NCSA) an der Universität von Illinois. Der Verbund soll aus 160 Itanium-Systemen des Herstellers bestehen.

Dritter im Bunde der Anbieter proprietärer Server-Architekturen, der zumindest parallel zum Eigenangebot auf den Itanium-Zug aufspringen will, ist Compaq. Für das dritte Quartal dieses Jahres plant der Hersteller die Markteinführung einer Reihe von 64-Bit-"Proliant"-Servern, die entweder Microsofts Windows Advanced Server Limited Edition oder Linux unterstützen sollen. Compaqs erster Itanium-Server wird mit bis zu vier Prozessoren erhältlich sein. Um der Itanium-Integration Dampf zu machen, hat der Hersteller außerdem ein Spezialprogramm namens "Trailblazer" aufgelegt. Im Rahmen der Kampagne will Compaq im Team mit Partnern und Frühanwendern die Entwicklung von 64-Bit-Applikationen für die Proliant-Server anheizen.

Migrationshilfen inklusiveFujitsu-Siemens (FSC) kann mit zwei Produkten auf Basis des neuen Intel-Chips aufwarten. Der Rackmount-Server "Primergy N4000" beherbergt bis zu vier Prozessoren und maximal 64 GB Hauptspeicher. Der Hersteller empfiehlt ihn unter anderem für Datenbank- und Business-Intelligence-Anwendungen. Die Workstation "Celsius 880" arbeitet mit zwei CPUs und ist vor allem für die Bereiche EDA (Electronic Design Automation), Wissenschaft, CAD/CAM, DCC (Digital Content Creation) sowie Finanzdienstleistungen gedacht. Beide Geräte sind ab Juli lieferbar, nähere Details sowie Preise liegen noch nicht vor. Ferner richtet der Hersteller derzeit in Paderborn ein spezielles "Migrations-Labor" ein. Dort sollen Softwareanbieter und Kunden die Möglichkeit erhalten, ihre Anwendungen mit Hilfe von FSC-Hardware auf Intels neue 64-Bit-Architektur umzustellen.

Darüber hinaus haben auch SGI und Unisys ihre Itanium-Unterstützung kundgetan. Während SGI den Linux-Server "Silicon Graphics 750" mit bis zu zwei 64-Bit-CPUs sowie 16 GB Hauptspeicher aus dem Hut zauberte, kündigte Unisys an, sein Enterprise-Server "ES7000" werde sowohl den neuen Chip als auch Intels Pentium III Xeon und Windows Advanced Server Limited Edition unterstützen. Auf diese Weise sollen Anwender bei laufenden 32-Bit-Applikationen gleichzeitig 64-Bit-Anwendungen testen können.

Betriebssysteme für Intels ItaniumZu den Betriebssystemen, die den Itanium-Prozessor unterstützen, gehört derzeit die 64-Bit-Version von Microsofts "Windows 2000 Advanced Server", die zunächst in limitierter Auflage erhältlich sein soll. Erste Angebote von OEMs (Original Equipment Manufacturers) werden für Ende Juni erwartet. Am 25. Oktober soll dann die Workstation-Variante "Windows XP 64-Bit Edition" zeitgleich mit der 32-Bit-Ausgabe in den Handel kommen. Darüber hinaus läuft der Itanium unter HP-UX 11i, IBMs AIX-5L und Linux. Mittlerweile haben auch Red Hat (Red Hat Linux 7.1 für Itanium) und Suse (Suse Linux 7.2 für IA 64) für die nächsten Wochen die Verfügbarkeit entsprechender Linux-Distributionen angekündigt.