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27.11.1992 - 

Temperatur noch nicht unter Kontrolle

Intels Pentium-Chip mit Problemen - IBM mit der schnellsten 486-CPU

MÜNCHEN/LAS VEGAS (CW) - Same old story, könnte man witzeln, allerdings dürfte zumindest Intel nicht zum Lachen zumute sein: Der 486-Nachfolger "Pentium" scheint erhebliche Temperaturprobleme zu bereiten, weshalb der März 1993 als Einführungsdatum gefährdet zu sein scheint. Die IBM ihrerseits stellte auf der Comdex mit 486-CPUs, die mit 75 und 100 Megahertz getaktet waren, neue Rekorde auf.

Neu sind die Schwierigkeiten, die Intel mit der Überhitzung ihrer Prozessoren hat, nicht. Bereits bei dem mit 66 Megahertz getakteten 486-Chip traten diesbezügliche Probleme auf. Aus diesem Grunde mußte die Andy-Grove-Company seinerzeit PC-Hersteller bitten, vorerst vom Vertrieb der PCs abzusehen, die mit diesem Prozessor ausgerüstet waren.

Nun scheinen die Intel-Ingenieure ähnliche Probleme mit dem Pentium-Chip zu haben, der schon mit Vorschußlorbeeren bedacht wurde. Zumindest zitiert der britische Informationsdienst "Computergram" seine Schwesterzeitschrift "Unigram.X" mit der Information, daß Arbeitsversionen des Pentium-Prozessors statt mit der vorgesehenen 66-Megahertz-Traktate nur mit 2/3 der erwarteten Leistung lauffähig seien. Außerdem sei Intels CPU-Erlkönig sowohl auf ein Kühlgebläse als auch auf ein spezielles Kühlelement angewiesen, um nicht zu überhitzen.

"Computergram" meldet ferner, daß Siemens bislang nur eine mit 40 Megahertz getaktete Einheit zum Laufen gebracht habe. Das Beispiel Siemens ist insofern von Interesse, als man den Münchnern nachsagt, in der Produktion des vermeintlich besten Pferdes im Intel-Stall am weitesten vorangeschritten zu sein.

Nach den vorliegenden Informationen produziere der Pentium-Chip doppelt so viel Hitze, als es die Simulationsberechnungen vorausgesagt hatten. Trotz dieser schlechten Nachrichten hält Intel am Einführungstermin für den superskalaren Prozessor fest und glaubt, im ersten Quartal 1993 mit dem 486-Nachfolger am Markt vertreten zu sein.

Sharad Ghandi, bei der Intel Semiconductor GmbH in Feldkirchen bei München für den Pentium-Prozessor zuständig, bestritt die Meldungen insofern nicht, als er bestätigte, daß bislang nur 4o-MHz-Versionen an Systemhersteller ausgeliefert

worden seien: "Um zu prüfen, wie der Prozessor im Gesamtsystem mit anderen Subkomponenten arbeitet kommt es nicht auf die Traktate an."

Er bestätigte ferner, daß - wie schon der 486-Prozessor DX2-66MHz - auch der 486-Nachfolger mit einem Kühlelment bestückt sei. "Es gibt eben viele Hersteller, die in puncto Kühlung nicht selbst innovativ werden wollen", versuchte Ghandi, Bedenken über technologische Schwierigkeiten bei Intels neuem Spitzenprodukt abzuwimmeln.

Bei jedem Prozessor gebe es zudem so etwas wie eine technologische Hürde in Sachen Hitzeproblematik, die es zu überwinden gelte. "Bei dem 486-Prozessor lag sie zwischen etwa 58 und 66 Megahertz Traktate, bei dem Pentium jetzt auch." Aus diesem Grunde werde es in Mengen ab Ende des ersten Quartal 1993 vor allem mit 66 Megahertz getaktete Pentium-CPUs geben und weniger Prozessoren, die schon auf 66 Mhz hochgepuscht sind.

Die IBM scheint sich derweil als Technologieführer gerieren zu wollen: Zumindest präsentierte Big Blue auf der Comdex in Las Vegas 486-Versionen, die mit 75 und 100 Megahertz getaktet waren. Die mit dem vielsagenden Namen "Blue Lightning" titulierten CPUs entwickelten die blauen Ingenieure in der Halbleiter-Schmiede in Essex Junction im US-Bundesstaat Vermont. Interessant ist, daß beide CPUs nur mit 3,3 Volt arbeiten und nicht mit den üblichen 5 Volt. Damit dürften sie auch eine Alternative für Notebook-Rechner sein.

Dies wiederum könnte OEMs interessieren, denn die IBM plant, den 100-MHz-Chip an andere PC-Hersteller zu verkaufen. Neben einer 32-Bit-Busschnittstelle rüstet Big Blue den Prozessor mit einem 16 KB großen Primär-Cache sowie mit einem internen Cachecontroller aus. Die CPUs sind völlig kompatibel zu Intels Prozessorarchitektur.

Erste Versionen des 75-MHz-Bausteins will die IBM offensichtlich über ein Upgrade-Board in die PS/2-Rechner-Modelle 56 und 57 einsetzen, die bislang mit dem 50-MHz-Chip (extern 25 MHz) arbeiten. Der schnellere 100-MHz-Baustein werde OEMs sowohl als Prozessoroption als auch in Form einer Upgrade-CPU-Karte angeboten, hieß es bei der IBM auf der Comdex.

Die IBM Deutschland GmbH bestätigte gegenüber der COMPUTERWOCHE, daß man beabsichtige, "im Laufe des kommenden Jahres" PCs mit der 75-MHz-Version der 486-CPU auszuliefern. Zu den Informationen über die 100-Mhz-Variante könne man hingegen keine Äußerungen machen.