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14.06.2005

"Intentia hat sich zu sehr auf Europa konzentriert"

Über die Akquisition durch Lawson Software sprach Bertrand Sciard, CEO von Intentia, mit CW-Redakteur Martin Bayer.

CW: Lawson bezeichnet das Geschäft als Kombination gleichberechtigter Firmen. Aber im Grunde ist die Übernahme doch nur ein weiteres Zeichen für die Konsolidierung im Softwaremarkt.

Sciard: Das glaube ich nicht, weil es nichts zu konsolidieren gibt. Konsolidierung bedeutet, Kosten einzusparen und Überlappungen zwischen Produkten und in der Organisation zu beseitigen.

CW: Aber wenn es nichts zu konsolidieren gibt, wo liegen dann die Vorteile der Verbindung?

Sciard: Es gibt zwar keine Synergien auf der Kostenseite, aber sehr wohl welche hinsichtlich der künftigen Wachstumsmöglichkeiten. Eine Herausforderung bestand in der geografischen Aufstellung von Intentia: Wir waren zu sehr auf Europa konzentriert. 80 Prozent unseres Geschäfts machten wir in der Alten Welt, fünf Prozent in den USA und 15 Prozent in Asien. Gesunde Firmen arbeiten mit einem Verhältnis von 40 zu 40 zu 20. Daher benötigten wir ein Standbein in den USA.

CW: Sehen Sie Cross-Selling-Potenziale für die Produkte auf beiden Seiten?

Sciard: Wir hoffen, die "Movex"-Lösung von Intentia bei den Lawson-Anwendern in den USA unterbringen zu können. Auf der anderen Seite ist es jedoch wenig sinnvoll, die "Financials"-Lösung von Lawson in Europa anzubieten, weil das Produkt sehr auf die US-amerikanischen Verhältnisse zugeschnitten ist. Das gilt aber nicht für die "HR"-Lösung. Intentia besitzt zwar auch Software für das Personalwesen. Die ist jedoch an den schwedischen Markt angepasst. Im Rahmen der Reorganisation im vergangenen Jahr haben wir diesen Bereich ausgegliedert.

CW: Wie sehen Ihre Pläne in Sachen Produktentwicklung und -integration aus?

Sciard: Wir werden die Produkte der Unternehmen getrennt halten und jeweils weiterentwickeln. Wir planen nicht, die Linien zusammenzuführen. Das ist nicht notwendig, weil es keine Überlappungen gibt. Wir sind nicht in der Situation, ein Produkt vom Markt nehmen zu müssen, um ein anderes zu verkaufen. Allerdings werden wir ein einheitliches User Interface für alle Applikationen schaffen.

CW: Wird sich die technische Basis Ihrer Lösungen verändern?

Sciard: Beide Produktlinien basieren auf Java und nutzen als Middleware-Plattform "Websphere" von IBM. Lawson arbeitet zudem an dem viel versprechenden Tool "Landmark", das langfristig unter dem Gesichtspunkt einer Service-oriented Architecture (SOA) eine Alternative darstellen könnte. Außerdem verspricht das Projekt Möglichkeiten, die momentan noch in Websphere fehlen. Vielleicht bietet sich aber auch eine Chance, diese Technik im Rahmen der Kooperation mit IBM in Websphere zu integrieren.

CW: Wie soll die künftige Zusammenarbeit mit IBM aussehen?

Sciard: Sie wird sich eher noch vertiefen. Im ERP-Sektor streiten sich zurzeit SAP, Oracle und Microsoft. Alle drei sind keine IBM-Partner, vor allem wenn man sich die Auseinandersetzung im Bereich Middleware ansieht. Wir bieten den Kunden eine Alternative.

CW: Wird sich Ihre Organisation in Deutschland verändern?

Sciard: Wir planen keine großen Anpassungen, weil Lawson zu 95 Prozent nur in den USA vertreten ist. Zwar wollen wir unsere Europa-Struktur modifizieren. Das hätten wir aber auch ohne den Lawson-Deal getan. Es war ein Fehler, Großbritannien und Irland mit Zentraleuropa zusammenzufassen. Künftig teilen wir Zentraleuropa in zwei Einheiten: die Inseln auf der einen Seite sowie Benelux, Deutschland, Österreich, Schweiz und Osteuropa auf der anderen.

CW: Die Intentia-Kunden, mit denen ich über den Deal gesprochen habe, waren sehr überrascht, als sie davon erfuhren.

Sciard: Das war auch mein Eindruck. Viele hatten erwartet, dass Intentia selbst eine kleinere Akquisition tätigt. Zahlreiche Anwender hatten sich gefragt: Wird es Intentia in einem halben Jahr noch geben? Wie wollt ihr in einem Umfeld überleben, in dem Firmen wie Oracle, SAP oder Microsoft versuchen, euch umzubringen? Der Deal mit Lawson war die richtige Antwort. Wir sind nun nicht mehr so leicht umzubringen.

CW: Aber die Kunden wissen noch nicht, was auf sie zukommt.

Sciard: Wir müssen natürlich mehr Zeit aufwenden, unseren Kunden das weitere Vorgehen zu erklären. Intentia ist nicht tot. Die Produkte werden weiterentwickelt, und die Software wird langfristig unterstützt. Ich bereite außerdem eine Mitteilung vor, wonach wir uns für mindestens zehn Jahre zur Movex-Plattform bekennen, wenn nicht sogar noch länger. Es gibt kein Risiko für unsere Kunden bei diesem Geschäft. Das wäre anders, wenn uns zum Beispiel SSA Global gekauft hätte. SSA treibt die Konsolidierung an. Dann hätten die Anwender Grund gehabt, sich um Produkte beziehungsweise Wartung Sorgen zu machen.