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23.11.2004

Intentia zwingt Kunden auf Java

Der schwedische ERP-Hersteller verteuert die Wartung, damit die Kunden von der RPG- auf die Java-Variante von "Movex" umsteigen.

Wenn der seit Mai amtierende CEO Bertrand Sciard von einer "neuen Intentia" spricht, klingt das wie eine Floskel. Doch der Firmenchef hat sich vorgenommen, viele der aus seiner Sicht alten Zöpfe abzuschneiden. Dazu zählt auch der Support der mit der Sprache RPG (Report Program Generator) entwickelten ERP-Software. So wird es dafür keine neuen Funktionen geben. Zudem sollen die Wartungsgebühren drastisch erhöht werden, um die Kunden zum Umstieg auf das Java-Produkt zu zwingen.

30 Prozent Umsatz mit Wartung

Ohnehin hält Sciard den Anteil der Softwarewartung am Umsatz für zu niedrig. "Ich habe den aggressiven Plan, den Wartungsanteil von 19 Prozent auf 30 Prozent zu steigern, und zwar innerhalb der nächsten 18 Monate", so der Intentia-Chef im Gespräch mit der computerwoche. Damit liege sein Unternehmen noch immer weit unter dem Niveau der Konkurrenten SAP und Peoplesoft.

Geht es nach Sciard, dann sollen alle Kunden in zwei bis drei Jahren von Intentias RPG- auf die Java-Lösung umgestiegen sein - ein ehrgeiziges Ziel, denn bisher nutzen nur etwa 150 der insgesamt 3500 Anwender das Java-basierende ERP-System produktiv. Dem CEO ist das Risiko, durch Zwangsmaßnahmen Nutzer an Konkurrenten zu verlieren, durchaus bewusst. "Wir müssen unsere Kunden für das Java-Produkt begeistern", lautet die für die Softwareindustrie typische Marketing-Parole des Intentia-Chefs. Das Entwicklungsbudget soll nicht gekürzt werden. Um Kosten zu sparen, lässt die Firma demnächst auch in Indien programmieren.

Künftig will sich der ERP-Hersteller nur noch auf die Branchen Mode, Lebensmittel, Handel und Konsumgüter sowie Industriezweige, die Maschinen und Gerät warten müssen, konzentrieren, und zwar mit Lösungen zur Herstellung, Distribution und Instandhaltung.

Auf welche Branchen sich Intentia nach der Neuausrichtung in Deutschland spezialisieren will, steht genauso wenig fest wie die zukünftige Marketing-Strategie. Möglicherweise wird das Unternehmen seine Produkte hierzulande als Ergänzung zu SAP-Installationen anpreisen.

Bei der Implementierung von ERP-Systemen sollen verstärkt Partnerfirmen helfen. Gespräche mit entsprechenden Unternehmen laufen derzeit. Bislang, so Sciard, habe Intentia Kunden direkt bedient, sich damit aber verzettelt. Eine zentrale Rolle als Partner soll nun IBM spielen. So würden derzeit Berater bei Big Blue für die Java-Variante von Movex fit gemacht. Intentia hatte sich vor etwa einem Jahr entschlossen, die eigene Middleware-Entwicklung aufzugeben und stattdessen auf "Websphere" zu setzen. IBM kooperiert auch mit Herstellern wie Peoplesoft und Siebel. Intentia hofft auf die Gunst der IBM, denn sollte Oracle der Peoplesoft-Kauf gelingen, so Sciard, fiele dieses Softwarehaus als IBM-Partner weg.

Ob die in finanziellen Schwierigkeiten steckende Intentia weiterhin unabhängig bleibt, vermag Sciard nicht zu beurteilen. Hier dürften unter anderem die Investment-Gesellschaften Tennenbaum und Symphony den Ton angeben. Sie hatten in diesem Jahr insgesamt 85 Millionen Dollar in das Unternehmen gepumpt und sitzen im Aufsichtsrat. "Grundsätzlich sind wir ein Übernahmekandidat, aber man hätte uns schon kaufen können, als unsere Marktkapitalisierung noch geringer war als heute."

Neuer Finanzchef ab 2005

Für das vierte Quartal, das mit dem Kalenderjahr endet, hat Sciard wieder schwarze Zahlen in Aussicht gestellt. Dies erreiche die Firma jedoch in erster Linie mit drastischen Sparmaßnahmen. So hat das Unternehmen 734 der 2709 Mitarbeiter entlassen. Ab 2005 wird Arthur Gitajn als neuer Chief Financial Officer über die Geschäftszahlen berichten und damit Hakan Gyrulf ablösen. Der Amerikaner Gitajn hatte in früheren Jobs viel mit Übernahmen und Fusionen zu tun und soll sich damit auskennen, Firmen wieder in die Gewinnzone zu bringen.

Auch Paul Wahl zählt zu den Hoffnungsträgern des Intentia-Lenkers. Der ehemalige Topmanager von SAP und Siebel ist im Oktober in den Aufsichtsrat gewählt worden. "Ich wollte jemanden im Gremium haben, der etwas von IT versteht, denn dort saßen bisher nur Leute aus anderen Branchen", begründet Sciard sein Eintreten für den deutschen Branchenkenner.