Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.10.1991 - 

Eastman-Kodak verkauft seine PC-Unix-Tochter

Interactive Systems soll zu einer PC-Division von Sunsoft werden

CW-Bericht, Hermann Gfaller

MÜNCHEN - Die Sun-Tochtergesellschaft Sunsoft bekommt Verstärkung für ihren gerade angekündigten Einstieg in das PC-Unix-Geschäft.

Konkret haben sich Sun Microsystems, Sunsoft, die Eastman Kodak Company und Interactive Systems in einer Grundsatzvereinbarung darauf verständigt, daß Sunsoft den Produktbereich der Interactive Systems Corp. erwirbt.

Das Unternehmen soll als Intel-Abteilung in das Solaris-2-Projekt von Sunsoft eingebunden werden.

Damit will das vor wenigen Monaten gegründete Unternehmen in den Markt für PC-Unix einsteigen. Teil des Übernahmegeschäfts ist darüber hinaus auch eine Reihe von nicht namentlich genannten Softwarelizenzen, die Sun von Eastman Kodak erwerben will.

"Die beiden Firmen ergänzen sich optimal", schwärmt Douglas Miller, Director European Operations von Interactive. Sein Unternehmen sei für Sunsoft ein unverzichtbarer Partner beim Einstieg in den PC-Mark. Hierfür bringe Interactive neben der technischen Erfahrung vor allem einen weltweiten Kundenstamm sowie ein ausgedehntes Händlernetz und OEM-Partner mit, ohne die der Einstieg in diesen Markt weitaus schwieriger wäre.

Umgekehrt, so der Interactive Manager, sei die angestrebte Lauffähigkeit des Unix-Betriebssystem Solaris 2 sowohl auf Sparc- als auch auf Intel-Rechnern ein Eckpfeiler der Zukunftspläne von Sun. Miller gehe daher davon aus, daß Sunsoft seine künftige Intel-Abteilung mit aller Kraft unterstützen werde.

"Sun hat alles Interesse, Unix wirklich zu puschen", meint auch Frank S. Raudszus, Geschäftsstellenleiter der Berliner Danet GmbH, die das Unix-Derivat von Interactive im mitteldeutschen Raum vermarktet. Die derzeitige Interactive-Muttergesellschaft Kodak bezeichnet er dagegen als einen "Klotz am Bein" der Unix Hersteller.

Raudszus erhofft sich als künftiger Distributor von Solaris 2 einen Vorteil gegenüber den anderen Anbietern von Unix System V.4 auf PCs, da das angekündigte Sunsoft-Betriebssystem weit mehr zu bieten habe. Es öffne den PC-Kunden den Weg in die Sparc-Welt und gebe zudem den PC-Anwendern den Zugriff auf die gesamte Palette der für die Sparc-Plattformen entwickelten Software.

Obwohl Interactive Unix im Solaris-Produkt aufgehen soll, sieht Miller keine Probleme für die bisherigen Kunden. Sie müßten nun - statt wie vorgesehen auf die V.4-Version von Interactive -auf Solaris 2 migrieren, das ebenfalls eine V.4-Implementierung sei. Diese Umorientierung führt laut Miller nicht einmal zu einer Verzögerung des bisherigen Zeitplans.

Danach soll Solaris 2 für Intel-Systeme bereits Mitte des kommenden Jahres fertig sein. Gert Haas, Marketing-Leiter von Sun Microsystems Deutschland, gibt sich hier vorsichtiger. Er rechnet mit einer Freigabe des Produkts nicht vor dem vierten Quartal 1992.

Bei der Santa Cruz Operation GmbH (SCO), dem umsatzstärksten Konkurrenten von Interactive, reagiert man gelassen. "Für uns ändert sich wenig", so SCO-Geschäftsführer Jesse D.Young, "mit Interactive verschwindet ein Mitbewerber, dafür taucht mit Sunsoft ein neuer auf."

Die Marktmacht von Sun schreckt den SCO-Manager nicht - im Gegenteil. Seiner Ansicht nach kommt das Verschwinden von Interactive seinem Unternehmen zugute. Young: "Durch den Wegfall von Interactive sind wir der einzige herstellerunabhängige Unix-Anbieter auf Intel-Basis von Rang. Warum sollten die Kunden in dieser Zeit des Open-System-Booms zu einer herstellerspezifischen Unix-Implementation wechseln?" Aus demselben Grund würden nun vermutlich auch die Unix-Hersteller in den Unix Software Laboratories (USL) darüber nachdenken, ob Sunsoft als OEM-Nachfolger des bisher unabhängigen Softwarehauses Interactive willkommen sei.

Die Ansicht von Young, es handle sich bei der Übernahme von Interactive um eine Reaktion auf die Aktivitäten der ACE-Gruppe weist Sun-Manager Haas zurück. Für ihn ist umgekehrt das ACE-Konsortium, das sich um eine einheitliche Unix-Umgebung für Intel- und Mips-Architekturen bemüht, eine Reaktion auf eine von Sun bestimmte Workstation-Realität. Er nennt ACE eine "Gruppe von Verlierern, die sich zusammengeschlossen hat, um Verwirrung zu stiften".

Betroffen von Sunsofts Akquisitionsabsichten ist auch die IBM. Interactive war maßgeblich an der Entwicklung des Armonker Unix-Derivats AIX beteiligt. Bis Redaktionsschluß war jedoch keine Stellungnahme zu der Frage zu bekommen, ob IBM künftig im Unix-Bereich auch mit der Sun-Division zusammenarbeiten wolle.