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05.10.1984 - 

DSD Dillingen setzt im Konstruktionsbereich auf Batch-Betrieb:

Interaktiv ist nicht immer das Gelbe vom Ei

MÜNCHEN (CW) - Mit der Einführung eines neuartigen CAD-Systems begann kürzlich das Stahlbauunternehmen DSD Dillingen in Saarlouis: Anstatt für ein im Stahlbau häufig übliches interaktiv-grafisches System entschieden sich die Saarländer für batch-orientierte Workstations. Grund: Das System verfügt über Ansätze künstlicher Intelligenz und konstruiert mit einem reduzierten Datenaufwand weitgehend selbständig. Dem Benutzer soll damit viel Routinearbeit abgenommen werden.

Während die Rechnererfahrung im Bereich Statik bei DSD bereits bis in das Jahr 1959 zurückreicht, wurden die ersten Schritte bei der rechnerunterstützten Zeichnungserstellung (CAD) erst im Jahre 1979 gemacht. Zunächst entwickelte das Unternehmen ein Fortran-Programm, mit dem die Statik eines Systems kontrolliert werden konnte. Die Zeichnungsanweisungen wurden auf ein Magnetband geschrieben und dann offline auf einem Benson-Plotter ausgegeben. Im Jahre 1981 erhielt der technische Bereich des Unternehmens eine eigene Rechenanlage des Typs Prime 850, an die man den Trommelplotter dann online anschloß.

Zu diesem Zeitpunkt kamen auch spezielle Programme für Einflußlinien, Kranbahnträger, Bühnenträger, Treppen und den Brückenbau hinzu. Die implementierte Software führte den Angaben des Unternehmens zufolge schnell zu verzeigbaren Zeichnungen, jedoch bedurfte jegliche Änderung eines Eingriffs in das Fortran-Quellprogramm. Darum habe man schließlich die Anschaffung eines allgemeinen CAD-Programms ins Auge gefaßt, aus Kosten und Zeitgründen diesmal aber auf eine Eigenentwicklung verzichtet. Der DV-Leiter bei DSD Dillingen Stahlbau, Lothar Gummel erläutert: "Bei der Softwaresuche zeigte sich, daß von den über 300 vorhandenen CAD-Programmen mindestens 50 voll einsatzfähig sind. Die Lizenzkosten betrügen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Entwicklungskosten, meinte er weiter.

Anläßlich der Systems '83 in München fiel die Entscheidung schließlich zugunsten des Systems Cadbau 3 der Bocad Software GmbH, das im Mai 1984 eingeführt wurde. Daß man "Cadbau" einkaufte, hat laut Gummel vor allen Dingen zwei Gründe. Einmal war die Lauffähigkeit dieses Softwarepaketes auf dem Prime-Rechner gegeben. Zum zweiten handelte es sich bei Cadbau um ein batch-orientiertes System, das für die beim Stahlbau anfallenden riesigen Datenmengen eher in Frage käme als interaktiv-grafische Systeme.

"Einfaches" Terminal genügt

Letztere seien eigentlich besser für den Maschinenbau mit wenigen aber komplizierten Oberflächen geeigneter, würden aber bisher trotzdem auch für den Stahlbau in großer Zahl angeboten. Er meint: "Im Stahlbau gibt es Hunderte von Einzelteilen wie Träger, Anschlüsse und Schrauben, deren Eingabe am Bildschirm eine langwierige Sache mit einem verhältnismäßig teuren Arbeitsplatz ist".

Ein interaktiv-grafischer Arbeitsplatz kostet je nach Komfort zur Zeit zwischen 50 000 und 200 000 Mark. Bei batch-orientierten Installationen hingegen könnten die Konstrukteure ein reduziertes Maß an Anweisungen in ein einfaches alphanumerisches Terminal eingeben. Die rechenintensiven Konstruktionsabläufe könnten sich dann ohne Beaufsichtigung vollziehen, wodurch man am Bildschirm wieder "freie Bahn" für weitere Eingaben habe. Der CAD-Verantwortliche begrüßt es in diesem Zusammenhang besonders, daß man sich jetzt nicht mehr an jede Konstruktion mit Hilfe eines Griffels oder einer Maus herantasten müsse Vielmehr konstruiere das Programm anhand vorgegebener Methoden selber.

Werksnormierungen durchsetzbar

Bei Cadbau sind alle Methoden in einer Datenbank abgestellt. Wenn man nun zum Beispiel gewisse Winkelzuge abgelegt und für ihre Auswahl konkrete Rechenvorschriften vorgegeben hat, dann sucht sich das Programm selbständig den passenden Winkel aus und setzt ihn in die Konstruktionszeichnung ein. Die "archivierten" Konstruktionsvorgaben ermöglichen laut Gummel eine starke Vereinheitlichung bei den Zeichnungen: "Werksnormierungen sind hier normalerweise in der Praxis nur schwer einzuhalten, weil jeder Konstrukteur individuell arbeitet. Wenn einem aber ein Programm zur Verfügung steht, daß ihm im Endeffekt die konstruktiven Daten liefert, dann hält er sich ja automatisch an die Norm".

Das Konstruktionsprogramm Cadbau legt die fertige Beschreibung eines Bauwerks dreidimensional in der Datenbank ab. Wenn ein Konstrukteur nun bestimmte Komponenten braucht, dann kann er sich mit Hilfe eines Befehls eine Einzelzeichnung, einen Schnitt oder eine Perspektive abrufen und ausplotten lassen. Stehen nun bei einer Konstruktion nachträglich Änderungen zur Debatte, genügt laut Gummel jetzt die "schlichte" Eingabe der Modifikationswünsche. Die Software sei dann in der Lage, auf die Schnelle eine neue Version zu erstellen. Und er fügt hinzu: "Wenn ich in diesem Fall interaktiv grafisch arbeiten würde, dann müßte ein Mann Tag und Nacht am Bildschirm sitzen, um überhaupt in einer relativ kurzen Zeit fertig zu werden".

Als einen weiteren Vorteil sieht Gummel die Tatsache an, daß die Zahlenangaben auf einer Zeichnung "kollisionsfrei" erfolgen. Seinen Angaben zufolge erschienen bei interaktiv-grafischen Systemen die zu den jeweiligen Konstruktionsplänen gehörenden Nummern oft übereinander oder sie überlagerten wichtige Linienführungen, Schnitte oder Ekken.

Effektivitätssteigerungen um 50 Prozent

Nach einer Einführungsphase, die zur Zeit mit fünf Konstrukteuren läuft, verspricht sich das Unternehmen DSD Dillingen Stahlbau von dem neuen CAD-System hauptsächlich kürzere Planungszeiten und eine Senkung der Planungs- und Materialkosten. Und dadurch wiederum erhofft man sich trotz hoher Material- und Personalkosten größere Chancen auf den internationalen Märkten.

Dazu nochmals Lothar Gummel: "Wahrscheinlich können wir mit dem batch-orientierten System die Effektivität pro Mann um 50 Prozent steigern. Ein Konstrukteur wäre dann in der Lage, doppelt soviele Aufträge im Monat zu bearbeiten, wie bisher". Bei einem interaktiv-grafischen System bewegten sich die Optimierungen pro Arbeitskraft jedoch höchstens bei 30 Prozent.

Im Hinblick auf die eigene Software bedauerlich findet der CAD-Chef lediglich, daß sie nicht auch noch andere spezifische Bereiche mitabdeckt. So sei für das Gebiet Gasanlagen ein interaktives grafisches System (Hewlett-Packard 200 mit CAD 200) im Einsatz und für den Bereich Klimatechnik habe man ein Turn-key-System von Intergraph bestellt.

Das Unternehmen

DSD Dillinger Stahlbau GmbH (vorwiegend in Privatbesitz)

Hauptverwaltung: Saarlouis

Niederlassungen in Düsseldorf, München, Friedberg, St. Ingbert, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Luxemburg, Venezuela, Schweiz, USA, Nigeria.

Jahresumsatz: 650 Millionen DM (1983)

Beschäftigte: 4500; davon 350 technische Zeichner, Konstrukteure, Ingenieure Tätigkeitsbereich: Planung, Engineering, Fertigung und Montage von Stahlkonstruktionen. Stahlwasserbauten, Kranen, Brücken, Behältern und Apparaten.

Lufttechnische Großanlagen, Fernwärmeleitungen, Wasser-, Erdgas-, Erdölaufbereitungsanlagen. Montage kompletter Industrieanlagen.

Die Konfiguration

Hardware

(nur techn. Bereich in Saarlouis)

Prime 850 4 MB Hauptspeicher

4 x 300 MB Platte

1 Magnetbandstation

1 Drucker 1000 Zeilen/min.

1 Drucker 600 Zeilen/min.

Mannesmann-Tally

3 Matrixdrucker Dataproducts

1 Matrixdrucker G 150 Philips

1 Elektrostat. Plotter Benson 9636 Suprascan 400 DIN A0

1 Trommelplotter Benson DIN A0

1 Flachbettplotter Houston DIN A3

2 Microcomputer mit CP/M online an Prime

5 Bildschirme Beehive

1 Bildschirm Genisco 1000 graphic

1 Bildschirm Pericom 7800 graphic

15 Bildschirme DEC-VT 100 graphic

15 Bildschirme graphic

Standleitung 9600 Band nach Frankreich

Telefon-Modemanschluß 1200 Baud

Zwei weitere Anlagen Prime 2550 sind bestellt.

Software

CAD-Software

CADBAU 3 von BOCAD Software GmbH