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03.12.1982 - 

VBD-System am Heinrich-Hertz-Institut in Betrieb:

"Interaktive Medien mit neuen Inhaltsformen"

STUTTGART (pi) - Nach dreijähriger Arbeit und dreimonatiger Abnahmeprozedur wurde kürzlich das Projekt "Vielteilnehmer-Breitband-Dialog-System (VBD-System)" abgeschlossen. Es war ein Laborprojekt des Heinrich-Hertz-Instituts (HHI) Berlin in Zusammenarbeit mit der IKO Software Service GmbH Ikoss Aachen als Vorstufe für spätere Feldversuche.

Bereits 1976 hatte das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) dem Heinrich-Hertz-Institut den Forschungsauftrag erteilt, die "Perspektiven neuer interaktiver Medien mit neuen Inhaltsformen" zu untersuchen. Es sollten weit über Bildschirmtext hinausgehende Möglichkeiten für den Bedienungskomfort sowie ein breites Leistungs- und Angebotsspektrum angestrebt werden. Dazu gehörte vor allen Dingen die Versorgung von Teilnehmern an Endgeräten mit audiovisueller Information (Ton-, Stand- und Bewegtbild) im Rahmen von dialogorientierten "Diensten".

Das Spektrum der Dienste reicht also von reinen Auskunftssystemen wie Fahrplänen, Veranstaltungskalendern oder Anzeigen über Kommunikationsmöglichkeiten wie "elektronische Post", kontoführende Dienste wie Fernbestellung oder Bankdienst, Spiele mit oder gegen den Rechner sowie von Teilnehmern untereinander bis hin zum computerunterstützten Unterricht.

Ikoss hat bei diesem Projekt ein "Laufbett" für die Vielzahl von Diensten erstellt, das einem halben Dutzend Anforderungen gerecht wird:

- Anschluß von 10 000 Teilnehmerendgeräten,

- 1000 Teilnehmern - in Spitzenzeiten bis zu 1200 - gleichzeitig aktiv,

- 4,7 Millionen Teilnehmerinteraktionen pro Tag (55 pro Sekunde),

- Systemreaktionszeiten maximal drei Sekunden,

- dynamische Verwaltung der audiovisuellen Peripherie (zum Beispiel Bildspeicher),

- Steuerung des Ablaufs von zirka 300 Diensten mit bis zu 350 KB Codelänge.

Darüber hinaus mußte sichergestellt werden, daß das System auch bei nicht auszuschließenden, selbst fatalen Fehlern in von systemunkundigen Autoren geschriebenen Diensten nicht zusammenbricht. Ein modulares Schalenmodell der Systemsoftware ermöglicht, daß Fehler in Diensten vom System erkannt, gemeldet werden und bei Bedarf den Dienst abbrechen und eventuell sperren. Dabei werden Funktionen wie Ein- und Ausgaben an den Teilnehmer, Zugriff auf Hintergrundspeicher, Steuerung der audiovisuellen Peripherie von "Software-Prozessoren" abgewickelt.

Der modulare Aufbau des Gesamtsystems besteht aus drei Komplexen:

- Dienstekomplex Ablauf von Diensten

- Bedienkomplex Teilnehmer- und Betriebsmittelverwaltung

- Steuerkomplex Verwaltung und Steuerung der audiovisuellen Peripherie.

Jeder Teilnehmer am Endgerät erhält aus dem Dienstekomplex alphanumerische und grafische Informationen, die mit Daten aus den audiovisuellen Speichern (verwaltet und gesteuert vom Steuerkomplex) beliebig gemischt werden können.

Im Laborsystem des HHI werden Steuer- und Bedienkomplex von zwei Rechnern kontrolliert, während zwei weitere Rechner im Dienstekomplex angesiedelt sind. Um das Lastverhalten des Systems testen zu können, ist ein zusätzlicher Rechner - der Simulator - notwendig. In diesem Rechner laufen sogenannte "Lastprofile" ab, die das Verhalten der 10000 "Teilnehmer" zur Ermittlung der Testdaten simulieren. Alle Rechner gehören zur Minicomputerserie V77 der Sperry Univac (Speicherausbau bis 2 MB).

Der modulare Aufbau der Systemsoftware gestattet es, bestimmte Softwaremodule auch für Aufgaben einzusetzen, die in einem ähnlichen Umfeld liegen. Ein aktuelles Beispiel dafür sind Inhouse-Kommunikations- und Informationssysteme.

Die wesentlichen Anforderungen der Benutzer an solche Systeme, wie

- schneller Datenzugriff

- Rechnerleistung am Arbeitsplatz verfügbar

- effektive Benutzerführung

- praktisch unbegrenzte Terminalzahl mit hoher interaktionsrate, wurden von Ikoss realisiert.

Da der öffentliche Dienst "Bildschirmtext" prinzipiell eine Untermenge der VBD-Dienste darstellt, ist ein solches System eine hervorragende Basis eines Inhouse-Kommunikationssystems mit Anschluß an Bildschirmtext.