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21.02.1992 - 

Planungssystem bei der Procter & Gamble Company

Interaktive Planung für die Optimierung der Produktion

Peter Knapp ist Leiter des europäischen Projektzentrums für die chemisch/pharmazeutische Industrie, Hewlett-Packard GmbH in Mannheim, Jim Norman ist Manager Consultant/Group Europe der Numetrix S.A. in Brüssel.

In der Produktion sind heute auftragsbezogene Fertigung und Kleinserien bis zur Losgröße eins an der Tagesordnung. Veränderungen, die neue Anforderungen an die

Arbeitsvorbereitung (AV), Produktionsplanung und -steuerung stellen. Nur mit Hilfe einer optimierten Planung kann wirtschaftlich produziert werden. Doch bislang sind Planungssysteme, die bereits in der AVG greifen, noch selten.

Eines der ersten Unternehmen, die ein solches Planungssystem in der AV erfolgreich in der Praxis einsetzten, ist die amerikanische Procter & Gamble Company (P&G). Als weltweit führender Produzent von Verbrauchsgütern stand P&G vor der Notwendigkeit, die Fertigungsverfahren umzustrukturieren, die Produktionskosten zu senken und den Kundenservice zu verbessern, um dem zunehmend scharfen Wettbewerb standhalten zu können. Als wichtigstes Instrument hierzu betrachtete man eine Verbesserung der Arbeitsvorbereitung.

Insbesondere die Verringerung der Lagerbestände, eine Verkürzung der Umrüstzeiten und eine optimierte Maschinenauslastung bei auftragsbezogener Fertigung sollten dazu beitragen, die Stückkosten zu senken. Nach einer Analyse der auf dem Markt verfügbaren Systeme entschied sich P&G für das Softwaresystem "Schedulex", das von Numetrix bevorzugt auf HP-Systemen eingesetzt wird. Die Numetrix Inc., ein nordamerikanisches Softwarehaus, unterhält für den europäischen Markt eine Verkaufs- und Serviceniederlassung in Brüssel.

Schedulex berücksichtigt die unterschiedlichen Erfordernisse bei P&G, wo -je nach Sparte - einerseits diskrete, andererseits aber prozessuale Produktionsanforderungen vorliegen. Ein weiterer Vorteil des Systems bestand für P&G in den unspezifischen Hardware-Anforderungen, denn Schedulex kann sowohl auf PCs der 386er Klasse als auch auf Unix-Systemen wie der HP9000 und auf Workstations betrieben werden.

Das Schedulex-System ermöglicht vielen Unternehmen Einsparungen durch eine Reduktion des Lagerbestandes. Im Falle von P&G - das Unternehmen hat erst kürzlich den Lagerbestand an Fertigprodukten verkleinert - zeigten Tests, daß mit Schedulex allein in der Materialwirtschaft Kostensenkungen um fünf Prozent erreicht werden können. Doch neben diesen quantifizierbaren Vorteilen ergab sich eine Reihe weiterer Verbesserungen, die naturgemäß nur schwer in Zahlen zu fassen sind: eine schnellere Arbeitsvorbereitung, die Überprüfung von Alternativen oder die Auswahl der optimalen Strategie. Wurde früher in aller Regel die erste durchführbare Option gewählt, so kann heute im gleichen Zeitraum die optimale Strategie ausgewählt werden. Dazu Bob Hanson, Industrial Engineer des Geschäftsbereichs Seifenprodukte bei P&G: "Wir können heute auf Veränderungen der Produktionsanforderungen erheblich schneller reagieren. Das bedeutet für uns nicht nur eine Senkung der Kosten, sondern auch eine Verkürzung der Reaktionszeit und damit besseren Kundenservice." Inzwischen habe man, so Hanson weiter, Schedulex an nahezu allen Produktionsstandorten in den Vereinigten Staaten sowie zusätzliche Anwendungen in Kanada installiert. Durch ausgefeilte Planung könne man nun auch versteckte Kosten, etwa Überstunden und Transportgebühren für Eilsendungen, erheblich verringern.

Möglichst effektive Auslastung der Produktion

Generell sind, um eine möglichst effiziente Auslastung der Produktion zu erreichen, Planungshilfen und Werkzeuge erforderlich, die den jeweils veränderten Rahmenbedingungen gerecht werden. Dies gilt in gleichem Maße für die Teilefertigung wie für die Prozeßindustrie. Derartige Instrumente sind in den letzten Jahren als sogenannte Produktionsplanungs- und -steuerungssysteme (PPS) verstärkt auf den Markt gekommen. Doch die überwiegende Zahl dieser Systeme ist ausschließlich auf die Anforderungen der diskreten Produktion zugeschnitten. Die besonderen Produktionsbedingungen der Prozeßindustrie fanden dagegen bislang weniger Berücksichtigung. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen sind die marktüblichen Systeme allerdings für die Prozeßindustrie nur schwer adaptierbar.

Daneben taucht oftmals ein weiteres Manko auf: Die Planung der Produktion wird vollkommen dem PPS-System überlassen. Dabei bleiben regelmäßig menschliche Erfahrungen und so wichtige Faktoren wie Intuition und Flexibilität auf der Strecke.

Die Entwicklung eines den speziellen Bedürfnissen der Prozeßindustrie gerecht werdenden Systems ist ebenso schwierig wie notwendig. Als langjähriger Partner dieser Industrie verfolgt Hewlett-Pakkard ein Konzept, das einzelne standardisierte Lösungspakete in einer dem individuellen Bedarf des Kunden entsprechenden Weise verknüpft. Man arbeitet dabei mit Softwarepartnern zusammen.

Als Ergebnis einer solchen Zusammenarbeit, in diesem Fall mit dem Softwarehaus Numetrix, kann HP mit Schedulex ein System präsentieren, daß auf die Anforderungen der Prozeß fertigung sowie der Verbrauchsgüterindustrie zugeschnitten ist.

Schedulex stellt ein interaktives Planungssystem dar, das sich an die Anforderungen der jeweiligen Produktionsform anpassen läßt. Wesentliches Merkmal dieses Systems ist die Verbindung von mathematischen Höchstleistungen ausgereifter Computersysteme mit menschlicher Erfahrung und Intuition. So lassen sich nahezu alle Produktionsprozesse optimieren. Das dabei angewandte Verfahren ist im Prinzip denkbar einfach, es arbeitet in zwei Stufen.

Zu Beginn der Planung werden in der ersten Stufe alle für die Produktion erforderlichen Daten in das System eingegeben. Diese Daten dienen einer vollständigen Produktionsplanung, die sich grafisch am Bildschirm darstellen oder ausdrukken läßt.

Nach Abschluß der ersten Stufe wird in einer zweiten das so gewonnene Ergebnis interaktiv optimiert. Hierzu kommuniziert der Planer solange mit dem System, bis eine optimale Lösung gefunden ist. Der besondere Vorteil dieses Verfahrens liegt darin, daß der Planer aufgrund seiner Erfahrungen und seiner Intuition beliebige Szenarien entwerfen und simulieren kann. Ziel dieser Vorgehensweise ist es, die richtige Produktmenge zum benötigten Zeitpunkt und mit dem geringstmöglichen Kostenaufwand für Lagerbestände, Umrüstungen, Manpower etc. zu produzieren.

Da das System künftig auch den X-Windows-Standard unterstützt, kann mit einer weiteren Verbesserung sowohl der Bedienung als auch der Darstellung gerechnet werden.

Um zu einem solchen optimalen Ergebnis zu kommen, ist eine just-in-time-Logik integriert, die neben den Planungsdaten auch standortspezifische Fakten sowie diverse Kosten- und Prioritätenfaktoren berücksichtigt. Aufgrund dieser Daten werden innerhalb weniger Sekunden Hunderte von Alternativen ausgewählt und analysiert. Die Ergebnisse lassen sich grafisch so darstellen, daß sie mit einem Blick erfaßbar sind.

In diesem Stadium können die vorgeschlagenen Ablaufpläne manuell modifiziert werden. Hält der Planer keine der angebotenen Lösungen für sinnvoll, kann er das System dazu veranlassen, Alternativen zu entwikkeln. Dieser Prozeß ist so lange wiederholbar, bis eine nach Ansicht des Planers optimale Lösung vorliegt. Die Planungsergebnisse können dann ausgedruckt oder an den Leitrechner übertragen werden.

Unilever: positive Erfahrungen mit Numerix

Ähnlich positiv sind übrigens auch die Erfahrungen, die die Unilever Inc. mit Numetrix und deren Schedulex-System gemacht hat. Nachdem Unilever das System in England und den Niederlanden installiert hatte, konnte eine Steigerung der Produktivität um acht Prozent und eine Senkung der Lagerhaltungskosten um 13 Prozent erzielt werden. Dank dieser positiven Erfahrungen beabsichtigt auch Unilever, das System an allen Produktionsstandorten einzuführen.

Neben der Verringerung der Kosten und der Verbesserung der Planung zählt für das Unternehmen ein weiterer Vorteil: Aufgrund der hohen Integrationsfähigkeit des Systems können schneller bessere Produktinformationen gewonnen werden. Dies bestätigt auch Dale Wood, Development Manager CIM bei Van den Berghs & Jurgens, einer Tochtergesellschaft der Unilever: "Über einen einzigen Tastendruck können wir Schedulex mit unserem Materialwirtschaftssystem und unserem Berichtswesen verbinden und so jederzeit umfangreiche Informationen zu allen Phasen der Produktion und des Produktes gewinnen." Damit habe Unilever einen seiner Auffassung nach entscheidenden Schritt in Richtung auf ein vollständiges, funktionales CIM-System vollzogen.