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18.05.1979 - 

KGRZ Frankfurt am Main mit neuer Arbeitstechnik zufrieden:

Interaktive Programmierung erhöht Effektivität

Die Einführung der Datenfernverarbeitung in Verbinden mit sogenannten "intelligenten" Bildschirmgeräten ist nicht nur für das Verhältnis Anwender-Rechenzentrum von Bedeutung, sondern hat auch die Programmerstellung im positiven Sinne beeinflußt. Sie ermöglicht über den Bildschirm den unmittelbaren Dialog des Programmierers mit dem Computer. Der Programmierer kann so seine Programme direkt auf formale und logische Fehler testen, kann diese Fehler ohne Zeitverlust ausräumen und dadurch effektiver arbeiten. Das Prinzip der "interaktiven Programmierung", wie diese Arbeitstechnik genannt wird, gehört seit Jahren in zunehmendem Maße zum Handwerkszeuge der Rechenzentren des Hessischen DV-Verbundes.

Dieser Beitrag, der im April 1979 in "inform" erschien (herausgegeben von der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung, Wiesbaden), berichtet über die Erfahrungen, die das Kommunale Gebietsrechenzentrum (KGRZ) Frankfurt am Main mit der Einführung dieser Arbeitstechnik gemacht hat. Danach sind bessere Programme, eine merkliche Effektivitätssteigerung bei gleichzeitiger erheblicher Senkung des Papierverbrauchs, verbunden mit einer verstärkten Motivierung der Mitarbeiter, die wichtigsten Ergebnisse. Die technische Grundanlage in Frankfurt bilden das Bildschirmterminal-System "Alfaskop 3500" von Datasaab mit 22 Bildschirmen sowie das Programmpaket "Com-Plete" von der Software AG, für die man sich nach gründlichen Systemvergleichen im KGRZ entschieden hat. Die Abkehr von der bisherigen Programmier-Praxis wurde unter anderem auch erforderlich, weil mit dem verfügbaren Personalbestand die ständig steigenden Anforderungen an Programmierkapazität nicht mehr erfüllt werden konnten.

Frühere Arbeitsweise: Bleistift - Papier -Lochkarte

Wie Programme bisher entstanden, konnte nicht ganz befrieden. Zunächst wurde unter mehr oder weniger großen Anstrengungen mit Hilfe von Bleistift, Papier und Radiergummi das Programm in einer für den Computer verständlichen Sprache codiert. Hier trat bereits, die erste Unterbrechnung der Arbeit ein: das Warten auf das Ablochen des Programms. Waren die langersehnten Lochkarten dann in der Hand des Programmierers, kündigte sich die nächste Unterbrechung an: das Warten auf die Umwandlungsliste. Selbst wenn der Computer gleich dazu kam, das Programm auf formelle Fehler zu durchsuchen, so stand noch lange nicht fest, wann der Programmierer das Ergebnis - die fehler- freie Umwandlungsliste oder eine Fehlerliste - bekam, die Voraussetzung für ein Weiterarbeiten des Programmierers. Der Computer konnte sich dem Programmierer leider nur über den vergleichsweise langsamen und ständig stark benutzten Drucker mitteilen. Mit diesen Problemen hätte sich der Programmierer während der ganzen Testphase herumzuschlagen, wenn er auf der Suche nach logischen Fehlern auf die schriftliche Antwort (Testergebnisse) des Computers wartete.

Diese Art der Programmerstellung führte zu häufigen Unterbrechungen Arbeits- und Gedankenfluß und trug letztlich dazu bei, daß Terminprobleme entstanden. Dies wiederum ging zu Lasten des Tests und damit der Qualität der Programme und hatte unnötige Änderungen und Bindung von Personal zur Folge.

Im Jahre 1977 befaßte sich das KGRZ Frankfurt am Main aus diesem Grunde intensiv mit den Möglichkeiten der Programmerstellung und -pflege am Bildschirm (interaktive Programmierstellung und verglich die Angebote mehrerer + Bildschirm- und Software-Hersteller. Hinzu kam der durch mehrjährigen Stellenstop - bei gleichzeitig gestiegener Arbeitsmenge - bedingte Zwang zu effektivitätssteigernden Maßnahmen. Die erhebliche Reduzierung der Hardwarepreise kam uns dabei sehr gelegen.

Es wurde ein Software-Produkt zur Erstellung und Pflege von Programmen am Bildschirm gesucht, das

leicht erkennbar ist,

gutes Antwortzeitverhalten bietet,

das System möglichst wenig belastet,

mit unserem Betriebsystem (IBM OS/VS1) verträglich ist

den Programmierer möglichst viele Hilfen und Informationen für seine Arbeit an die Hand gibt und

im Rahmen einer Probeinstallation getestet werden konnte.

Die Möglichkeit des interaktiven Testens war nicht gefordert, da für dessen Nutzung erhebliche arbeitsorganisatorische Umstellungen erforderlich gewesen wären und den das Vor- und Nachbereiten sowie das Aktivitäten der Teste am Bildschirm als ausreichend erschien

Die Terminals (Bildschirme und Tastaturen) sollten neben den sonstigen Forderungen die allgemein anerkannten arbeitsmedizinischen Regeln sowie die sonstigen arbeitswissenschatflichen Erkenntnisse berücksichtigen, um Gesundheitsschädigungen und unzumutbare Belastungen weitgehend zu vermeiden.

Kurze Lieferzeit, günstiger Preis

Hinzu kam, daß der Bildschirmhersteller auf die Benutzerwünsche eingeht und diese berücksichtigen sollte, die Geräte IBM 3270-kompatibel sein sollten, sich bei anderen Anwendern bewährt haben mußten und daß ein Wartungsdienst im Großraum Frankfurt vorhanden war. Die Installation durfte keine Probleme aufwerfen. Kurze Lieferzeit war Bedingung. Und schließlich sollten alle diese Forderungen zu einem möglichst günstigen Preis erfüllt werden.

Das KGRZ Frankfurt am Main prüfte die Terminalsysteme mehrerer bekannter Hersteller. Die dabei in die engere Wahl gelangten Modelle wurden probeweise im KGRZ installiert. Ähnlich wurde bei der Auswahl der Software - des Programmpakets das das Arbeiten am Bildschirm ermöglichen sollte - vorgegangen. Durch diese Probeinstallation hatte jeder Programmierer die Möglichkeit, sein späteres Arbeitsmittel auf Herz und Nieren zu prüfen und bei der Entscheidung mitzuwirken.

Die Testphase endete mit der Entscheidung für die Alfaskop-3500-Bildschirme von Datasaab und das Softwarepaket Com-Plete der Software AG. Diese Produkte kamen den gestellten Forderungen am nächsten, werden von den Programmierern am besten aufgenommen und zu einem angemessenen Preis angeboten. Der erforderliche Beschluß des Koordinierungsausschusses erfolgte am 17. l 1. 1977.

Dazu gibt es eine Reihe weiterer Hilfsprogramme, die zur Pflege des Programm-Pakets und seiner Dateien dienen.

Aufgrund der Erfahrung anderer Rechenzentren und der baulichen Gegebenheiten im KGRZ Frankfurt am Main wurde auf die Einrichtung zentraler Terminalräume verzichtet und die Geräte am Arbeitsplatz der Programmierer installiert. Entsprechend der Besetzung der Arbeitszimmer wird ein Terminal in der Regel von zwei Programmierern benutzt.

Durch die technische Unterstützung, die das neue Arbeitsmittel bietet, werden die Programme heute größtenteils am Bildschirm entwickelt und gepflegt. Während der Programmerstellung wird das Arbeitsergebnis Schritt für Schritt auf Magnetplatte festgehalten. Dies hat den Vorteil, daß der Programmierer sich bei Bedarf jederzeit die aktuelle Version seines Programmes beziehungsweise der bisher erstellten Programmteile zur Modifikation und Ergänzung auf dem Bildschirm anzeigen lassen kann. Anschließend wird das Programm über Remote-Job-Entry an den Rechner zur Prüfung und Übersetzung übergeben. Danach sieht sich der Programmierer am Bildschirm das Ergebnis an, erkennt und behebt eventuelle Fehler und gibt sein Programm erneut an den Rechner. Auf eine Liste kann in diesem Stadium verzichtet werden. Erst wenn das Programm formal fehlerfrei ist, wird es abgedruckt.

Parallel dazu können mit Unterstützung des Bildschirms Testfälle entstehen, die zum Testen der sachlichen Richtigkeit benötigt werden. Der Test wird ebenfalls über Remote-Job-Entry an den Rechner übergeben. Hier kann sich der Programmierer unmittelbar nach Beendigung des Testlaufs über das Ergebnis am Bildschirm informieren und die erforderlichen Maßnahmen ergreifen. Das Ausdrucken von Testergebnissen konnte zwar eingeschränkt werden, wird aber aufgrund der technischen Grenzen der heutigen Bildschirme das Überprüfen der Tests mit Hilfe von Listen am Schreibtisch nicht gänzlich ersetzen können.

Direkter Kontakt zum Computer

Durch den Wegfall der geschilderten Wartezeiten kann der Programmierer kontinuierlicher arbeiten. Zudem hat er durch den Bildschirm wieder den direkten Kontakt zum Computer, der ihm seit Einführung des "Closed-Shop-Betriebes" fehlte. Die ihm dadurch im größeren Umfang direkt zur Verfügung stehenden Informationen und die Möglichkeit, den Fortgang seiner Arbeit beobachten und beeinflussen zu können, wirken sich positiv auf das Arbeitsergebnis aus.

Die Möglichkeiten am Bildschirm und die durch die interaktive Programmierung bedingte Arbeitsweise motivieren den Programmierer stärker als bisher übersichtliche Programme (klare Strukturierung, kleine, in sich logische Programmbausteine) zu erstellen. Dies wirkt sich besonders vorteilhaft auf die spätere Programmpflege aus. Formalfehler, die durch die verbesserten Bedingungen schneller entdeckt und ausgeräumt werden können, lassen mehr Zeit zum Finden und Beseitigen logischer Fehler und führen damit zu besseren Programmen als bisher.

Aus den oben dargestellten arbeitsmäßigen Vorteilen (Motivierung der Mitarbeiter, Kontinuität des Arbeits- und Gedankenflusses, Qualitäts- und Quantitätssteigerung), die finanziell nicht quantifizierbar sind, resultieren folgende konkrete Ergebnisse:

Von den ausschließlich der Programmierung für Programmänderungen, Erstellung von Testfällen und andere Locharbeiten zur Verfügung stehenden drei Lochern wurden bereits zur Jahresmitte 1978 zwei abgemietet.

Die außer Haus vergebene Programmlochung ist drastisch zurückgegangen.

Der Papierverbrauch im Rahmen des Testbetriebs wurde erheblich gesenkt.

Auf dem personellen Sektor war infolge Steigerung der Arbeitsmenge bereits während der Phase des unter anderem auch für den Hessischen DV-Verbund verfügten absoluten Stellenstops (Haushaltsjahre 1975 bis 1977) ein Mehrbedarf entstanden.

Im Hinblick auf die mit der Einführung der interaktiven Programmierung geschätzten Effektivitätssteigerung wurde auch für 1978 auf eine Stellenvermehrung verzichtet.

Aufgrund der bisherigen praktischen Erfahrung (Feststellung der Effektivitätssteigerung) und der derzeitigen Beurteilung der künftigen Arbeitssituation wird im Bereich der Programmierung auch das Jahr 1979 mit dem gleichen Personalbestand wie in 1974 durchhaltbar sein.

Hardware

Bildschirmterminal-System Alfaskop 3500 von Datasaab (kompatibel zu IBM 3270}.

Bestehend aus:

1 Steuereinheit 3502

2 Erweiterungsmodulen 3531

22 Bildschirmterminals 3510 mit Bildschirmtastatur 3540

1 Hardcopy-Drucker 132/77E

Die Tastatur hat:

- den amerikanischen Zeichenvorrat,

- die Sonder-Zeichen Ä,Ö,Ü und ß,

- einen getrennten 10er-Nummern-Block,

- 22 Programm-Funktionstasten (inklusive PA-Tasten) und

- die USM-Taste zum Anzeigen und Abrufen von Nachrichten.

*Horst Filler ist Mitarbeiter beim KGRZ Frankfurt am Main