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16.05.1997 - 

Manager loben Lehre der TU Braunschweig

Interdisziplinäres Lernen steht hoch im Kurs

Bereits seit über 250 Jahren werden Studenten in Braunschweig in mathematisch-technischen Fächern unterrichtet. 1745 erfolgte die Gründung des Collegium Carolinum in der traditionsreichen norddeutschen Stadt. Hier studierte auch einer der bedeutendsten Mathematiker Deutschlands: Carl Friedrich Gauß (1777 - 1855).

1878 erhielt das Collegium, mittlerweile umbenannt in "Polytechnische Schule", den Titel einer technischen Hochschule. Bis heute streiten daher die Professoren aus Karlsruhe, das bereits 1825 diesen Status erlangte, und Braunschweig darüber, wo sich die älteste TU Deutschlands befindet. Eines haben allerdings beide Universitäten gemeinsam. Ihre Informatiklehre gilt unter deutschen Führungskräften als besonders gut.

Seit 1973 existiert an der TU Braunschweig das Hauptfach Informatik, eingegliedert in die Fakultät für Mathematik und Informatik. Zwar wünscht man sich eine Trennung von den Mathematikern, allerdings wäre eine eigenständige Informatik mit den elf der insgesamt 25 Professuren des Fachbereichs zu klein. 14500 Studenten verzeichnet die TU Braunschweig, 850 studieren Informatik. Obwohl das Fach seit einigen Jahren nicht mehr mit einem Numerus Clausus belegt ist, erfreut es sich einer gleichbleibend starken Nachfrage unter den Neusemestern.

Dekan Hans-Dieter Ehrich (54) sieht die Gründe hierfür unter anderem in der Attraktivität der Lehre, aber auch in der geografischen Lage. Im nahen Hannover existiert kein Informatikhauptfach, und die Kürzungen der niedersächsischen SPD-Landesregierung im Bildungsbereich führten jüngst zur Auflösung des Studiengangs Informatik an der Hildesheimer Universität. Teile des Informatiklehrstuhls wurden den Braunschweigern übertragen.

Das führte nicht nur weitere Studenten nach Braunschweig, sondern auch zur Einrichtung eines neuen Ausbildungszweigs, der medizinischen Informatik.

Daß dies Probleme mit sich bringt, weiß auch Ehrich: "Auf der einen Seite müssen wir bei unseren Ausgaben sparen, auf der anderen Seite bekommen wir aber noch weitere Studenten und Professoren aus Hildesheim dazu."

Der Lehrqualität scheint dies jedoch nicht zu schaden. Aufbauend auf der Tradition der ingenieursmäßigen Ausbildung und einem guten theoretischen Fundament legt der Dekan großen Wert auf ein praxisbezogenes Studium auch in der Lehre. Aus 20 standardisierten Anwendungsfächern können die Informatikstudenten eine praktische Vertiefungsrichtung wählen. Die tragende Idee bilden hier sogenannte Brückenfächer, die eine interdisziplinäre Ausbildung der Informatikstudenten ermöglichen.

Seit 1985 kooperieren beispielsweise der Informatikfachbereich Robotik und die Automatisierungstechnik bei den Maschinenbauern eng. Gemeinsam mit der Mathematik wird "wissenschaftliches Rechnen" und in Kooperation mit einem Partnerfach in der Elektrotechnik das Fachgebiet "Entwurf integrierter Schaltungen" angeboten. Die medizinische Informatik stellt das jüngste Brückenfach dar.

Generell stehen den Studenten alle Lehrveranstaltungen der TU Braunschweig als Anwendungsfächer zur Auswahl, damit sie ihren Studienplan auch individuell gestalten können. Neben theoretischen Lehrveranstaltungen gehören Seminare und umfangreiche Praktika in jeder Fachrichtung zur Pflicht.

Für das ausgezeichnete Ergebnis in der CW-Studie macht Ehrich einen weiteren Grund aus. "Der Trend geht klar zu kleinen und übersichtlichen Fakultäten, wo ein direkter Kontakt zwischen Professor und Student existiert. Das familiäre Verhältnis, das wir hier in Braunschweig pflegen, ist sicherlich einer der Hauptgründe für das gute Lehrklima an der TU."

Zwar ist das Betreuungsverhältnis bei insgesamt 48 wissenschaftlichen Stellen mit einem Lehrenden pro 18 Studenten rechnerisch nicht besser als an anderen technischen Universitäten, die Wissenschaftler legen jedoch großen Wert auf den unmittelbaren Austausch mit ihren Schützlingen. So lädt die Studentenvertretung regelmäßig Professoren und Studenten zum informellen Austausch ein. Für Ehrich ist es wichtig, daß sich die Studenten "zu Hause fühlen".

Der Zukunft sieht der seit 15 Jahren in Braunschweig lehrende Dekan gelassen entgegen: "Wir befinden uns auf dem richtigen Weg. Warum also etwas ändern, wenn unsere Lehre anerkannt wird?" Einzig die finanziellen Kürzungen im Bildungssektor bereiten den Professoren derzeit Sorgen. Aber auch hier bauen die Braunschweiger auf ihre Tradition. Als etablierte Universität habe man in der Politik ein Wörtchen mitzureden.

Wer ist die Älteste im Land?

In unserer Berichterstattung zu den besten deutschen Informatikhochschulen (siehe CW Nr. 11 vom 13. März 1997) hieß es, daß Karlsruhe die älteste eigenständige Informatikfakultät sei, gegründet im Herbst 1972. Die TH Darmstadt ließ nun mitteilen, daß sie ihre Informatikfakultät ein paar Monate vor Karlsruhe, also im Frühjahr 1972, ins Leben rief.

*Jörg Rensmann ist freier Fachjournalist in Meppen.