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08.09.1995

Internationale Funkausstellung im Zeichen der Medienverquickung IFA in Berlin: Die Zukunft von Multimedia hat schon begonnen

BERLIN (jm) - Wer das Wort Multimedia nicht mehr hoeren kann, hat Pech gehabt: Es wird ihn in Zukunft mehr verfolgen denn je zuvor. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin wurde klar, dass das Thema sich nicht mehr bloss als Stoff fuer Zeitgeistgespraeche eignet. Viele produktreife Komponenten machen aus einem PC mittlerweile ein umfassendes Info-Terminal fuer zu Hause und im Buero.

Berlin zeigte deutlich, dass Kommunikations- und Online-Dienste immer staerker Hand in Hand arbeiten mit den Multimedia-befaehigten PCs. Packard-Bell war das erste Unternehmen, das das Thema Multimedia als Verkaufsargument fuer PCs wirklich salonfaehig machte.

Mittlerweile haben alle anderen gewichtigen Anbieter laengst nachgezogen. Egal ob IBM, die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI), die Digital Equipment Corp. (DEC), Compaq, Amstrad, Escom-Commodore, Apple, Peacock, Vobis - alle bieten Rechner an, die dank Video- und Soundkarte, Lautsprechern, Faxmodem und TV- Karte zum Alleskoenner in Sachen Audio, Video und Kommunikation mutieren. Die PCs haben nichts mehr mit dem einstmaligen Schreibmaschinenersatz zu tun.

Dieser vielfunktionalen Grundausstattung gesellen sich zudem Komponenten hinzu, die die multimedialen Eigenschaften eines Computers weiter ausbauen werden. Ein wesentliches Thema ist etwa die Speicherung der riesigen Datenvolumen, die bei der Archivierung von Bild- und Tondokumenten sowie von herkoemmlichen Daten anfallen.

Auf einer voellig ueberlaufenen Presseveranstaltung praesentierte hierzu das SD-Konsortium (Super Density) sein Konzept und seine Produkte: CD-ROM-Scheiben, die ein Fassungsvermoegen von bis zu 18 GB besitzen, sollen die Aufzeichnung von Filmen in hoher Qualitaet ermoeglichen.

Auf einer einzigen CD kann sich der PC-Benutzer so auch - etwa fuer Unterrichts- oder fuer werbliche Zwecke - eine Mixtur aus Sprach-, Video-, Text- und Animationssequenzen zusammenstellen. Kein Lehrer der Welt ist in der Lage, mit herkoemmlichen Mitteln solch unterschiedliche Lerninhalte zu einer komplexen Bildungseinheit zu verschweissen. Mitte 1996, so das Industriekonglomerat, dem Toshiba, Matsushita, Hitachi, Time Warner, Metro-Goldwyn-Mayer, Turner Home Entertainment etc. angehoeren, sollen sowohl SD- Abspielgeraete als auch die hochkapazitiven Silberscheiben verfuegbar sein.

Wer in Berlin auf den Staenden der SNI und von IBM vorbeigeschaut hat, konnte zudem sehen, welche Anwendungsfelder fernab von Textverarbeitungen oder Tabellenkalkulationen die Hersteller fuer PCs vorgesehen haben: Was bei der SNI unter der Bezeichnung "H.E.S.-System" firmierte, laeuft bei Big Blue unter dem Namen "Arigo"-Netzwerk.

Die beiden Konzepten zugrundeliegende Idee: ein vom Computer aus zu verwaltendes Kontroll- und Steuersystem fuer das gesamte Haus. Hierzu gehoert nicht nur die digitale Fuehrung von Ueberwachungskameras, sondern auch die Kontrolle von Haushaltsgeraeten. So lassen sich etwa Kuehlschrank, Herd, Fernseher etc. auf ihren Energiekonsum ueberpruefen oder Rollaeden bedienen. Natuerlich hat der Anwender ueber den PC Zugriff auf alle Computerperipherie wie Faxmaschinen, Modems, Drucker, TV etc.

Um ein einziges Infoterminal von jedem Zimmer einer Wohnung aus benutzen zu koennen, duerfte sich eine Entwicklung von Sony durchsetzen.

Die Japaner zeigten auf der IFA ihr LC-TV-Display "Plasmatron". Hierbei handelt es sich um einen Flachbildschirm in Aktiv-Matrix- Technologie. Das auf plasmagesteuerten Fluessigkristallen beruhende Verfahren entwickelte Sony gemeinsam mit der Tektronix Inc. Noch gibt es keine Version, die man tatsaechlich an die Wand haengen kann. Ende 1996 jedoch sollen die Flachbildschirme mit Bildschirmdiagonalen von 50 bis 127 Zentimetern auf den Markt kommen - allerdings zunaechst nur in Japan.

Das wird dann - dies ist allerdings noch Zukunftsmusik - die naechste Stufe von Multimedia sein: ein Info-Server, der irgendwo in der Wohnung steht, mit Zugriffsmoeglichkeiten aus jedem Zimmer, in dem ein Monitor haengt. Auf der IFA hat die Zukunft bereits begonnen.

Frischzellenkur soll Telekom Fuehrungsposition sichern

In Berlin zeigte zudem die Telekom, dass sie ihr Know-how auf dem Gebiet der Kommunikationstechnologie mit den Erkenntnissen aus der Computerindustrie zusammenschliessen will (vgl. CW Nr. 35 vom 1. September 1995, Seite 1: "Telekom nutzt die IFA ..."). Der Stapellauf des Berlin-brandenburgischen Pilotprojekts Digital Audio Broadcasting (DAB), also der Ausstrahlung von Rundfunksendungen in der digitalen Binaersprache" des Computers, war da nur ein (allerdings wichtiger) Schritt in Richtung der Verschmelzung urspruenglich divergierender Technologien.

Die Frischzellenkur fuer das etwas angestaubte Btx- beziehungsweise Datex-J-System soll der Telekom zudem eine fuehrende Position bei den Online-Dienstleistern sichern. Der Name ist schon mal neu: T- Online.

Mit Schwergewichten aus der Verlags- und TV-Anstalten-Szene (Bertelsmann, CLT, ARD, ZDF, RTL und Canal+) versucht die Telekom in der Multimedia-Betriebsgesellschaft (MMBG) zudem, das Projekt interaktives Fernsehen zu stemmen.