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14.03.1997 - 

DV-Standort Deutschland/Einheimische Firmen orientieren sich am Inlandsmarkt

Internationale Softwerker werden immer stärker

Deutschland gehört zu den größten Märkten für Informationstechnik (IT) in der Welt. Nach Berechnungen des European Information Technology Observatory (Eito) wurden 1996 fast neun Prozent der weltwei- ten IT-Hardware, -Software und -Dienstleistungs-Käufe in Deutschland getätigt. Bezogen auf Westeuropa sind das über 28 Prozent. Damit setzte die IT-Branche im vergangenen Jahr rund 82 Milliarden Mark im deutschen Markt um.

Bis Anfang der neunziger Jahre erfreuten sich die IT-Anbieter in Deutschland an zweistelligen jährlichen Zuwachsraten. Nach einer rezessiven Delle wächst seit 1994 der IT-Markt wieder um sechs bis acht Prozent pro Jahr und wird Marktforschern zufolge auch für den Rest des Jahrzehnts in dieser Größenordnung zunehmen.

Ein so attraktiver Markt blüht natürlich nicht im Geheimen: Es gibt praktische kein Hardware- oder Software-Unternehmen von Rang, das keine Tochtergesellschaft oder Niederlassung in Deutschland gegründet hat. Nicht selten sind die deutschen Töchter der weltweit operierenden Unternehmen wie zum Beispiel IBM, HP, DEC etc. die nächstgrößten nach der Gesellschaft im Ursprungsland.

Bei der Hardware mischten in den großen europäischen Industriestaaten in den sechziger und siebziger Jahren Jahren nationale Anbieter noch kräftig mit, die aber mit zunehmender Liberalisierung dem wachsenden Wettbewerb mit den großen multinationalen IT-Konzernen nicht mehr standhalten konnten. Immerhin verfügt der DV-Standort Deutschland mit der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG noch über einen ernstzunehmenden Wettbewerber, andere Weltfirmen wie ICL, Bull, Philips oder Olivetti verlieren hingegen selbst in ihren Ursprungsländern ständig an Bedeutung.

Während man sich im Hardwaregeschäft inzwischen darauf eingerichtet hat, daß die multinational operierenden Unternehmen am jeweils optimalen Standort produzieren und der Vertrieb über dezentrale Strukturen erfolgt, orientieren sich die Software- und IT-Dienstleistungsanbieter noch immer stark an ihren nationalen Märkten.

Angesichts der ständig wachsenden Bedeutung der "weichen Teile" des IT-Geschäfts, die inzwischen rund 55 Prozent des IT-Marktes ausmachen, ist ein spezieller Blick auf den Software- und Servicestandort Deutschland lohnend. Der deutsche Software- und Servicemarkt hatte - nach Berechnungen von Diebold Deutschland - 1996 ein Volumen von 42,5 Milliarden Mark. Davon entfielen auf den größten Teilmarkt, das Standardsoftware-Geschäft, über 46 Prozent, auf Softwareprojekte knapp 23 Prozent, auf IT-Dienstleistungen etwa 16 Prozent und auf die Hardwarewartung knapp 15 Prozent.

Um diesen jährlich etwa um sieben Prozent wachsenden, lukrativen Markt kämpfen mehr als 10000 Unternehmen: vom großen ehemaligen Hardware-Unternehmen wie IBM oder SNI über international tätige Standardsoftware-Firmen, Töchter großer Beratungs- und Dienstleistungskonzerne, national operierende Software- und Beratungsmittelständler bis hin zum regional arbeitenden Kleinunternehmen - von den weit über 15000 DV-Freiberuflern ganz abgesehen.

Im folgenden sollen einige wichtige Aspekte dieses Marktes am Beispiel der 50 größten DV-Beratungs- und Software-Unternehmen erörtert werden. Die Zahlen basieren auf den Erhebungen für die seit 15 Jahren erstellten "Lünendonk-Listen".

Immer noch eine atomistische Struktur

Nur 67 Prozent des Umsatzes der Top 50 unter den in Deutschland operierenden DV-Beratungs- und Software-Unternehmen werden mit inländischen Kunden erzielt.

Die Marktanteile der "Inlands-Top 25" am gesamten relevan- ten Inlandsmarktvolumen (ohne Outsourcing-Umsätze) zeigen, daß trotz inzwischen großer Unternehmen der deutsche DV-Beratungs- und Softwaremarkt immer noch eine atomistische Struktur hat. Zusammen decken diese 25 Unternehmen nur gut ein Fünftel des gesamten Inlandsbedarfs, das größte Unternehmen (Microsoft) bestreitet gerade drei Prozent des Gesamtmarktes (siehe Abbildung 1).

Schwache Position auf Auslandsmärkten

Selbst SAP, das an zweiter Stelle liegende Unternehmen, hat nur einen Marktanteil von 2,8 Prozent, und bereits ab Platz sechs liegen die jeweiligen Marktanteile unter einem Prozent. Unter diesen 25 Unternehmen sind zehn, die nach eigenen Angaben nur den deutschen Markt versorgen. Teilweise sind das deutsche Tochtergesellschaften multinationaler Konzerne wie Microsoft, Oracle, Novell, Informix oder Sema.

Zum anderen Teil handelt es sich um deutsche Unternehmen, die nur im inländischen Markt tätig sind, wie Alldata, Sietec, Materna oder sd&m. Wenn man sieht, wie klein die Marktanteile der größten Unternehmen sind, kann man ermessen, wie gering der Markteinfluß der folgenden vielen hundert DV-Beratungs- und Software-Anbieter in Wirklichkeit ist.

Man hat der deutschen IT-Branche immer nachgesagt, daß sie über die Grenzen hinaus nur geringe Wirkung habe. Wenn trotzdem 33 Prozent des Umsatzes der 50 größten DV-Beratungs- und Software-Unternehmen mit ausländischen Kunden erzielt werden, so liegt das vor allem an einigen wenigen Standardsoftware-Unternehmen, die wie zum Beispiel SAP (73 Prozent Auslandsanteil) und Software AG (79 Prozent) sehr exportorientiert sind. Außerdem haben einige multinationale Software-Anbieter Deutschland als Standort für die Verkäufe im ausländischen deutschsprachigen Raum und auch für die Staaten des ehemaligen Ostblock gewählt, so daß die Umsätze der deut-schen Gesellschaften auch die Verkäufe in diesen Regionen enthalten.

Insgesamt bestätigt sich jedoch, daß - von einigen Ausnahmen abgesehen - deutsche Unternehmen dieser Branche keine internationale Bedeutung aufweisen, was Auslands-Umsatzanteile von mindestens 50 Prozent voraussetzen würde. Selbst Unternehmen wie die Softlab GmbH, die zu Hochzeiten des CASE mit dem Produkt Maestro noch stark international vertreten war, betreiben heute vorwiegend Systemintegration im deutschen Markt.

Mit sehr speziellen Produkten weisen jedoch immer wieder auch kleine deutsche Unternehmen Auslandserfolge auf. In jüngster Zeit gehört die IDS Prof. Scheer GmbH mit dem "Aris-Toolset" dazu.

Erzwungene Konzentration auf Deutschland

Fragt man die 50 größten DV-Beratungs-und Software-Unternehmen nach ihren zukünftigen Chancen in verschiedenen Weltregionen, so bestätigen die Antworten die - freiwillige oder erzwungene - Konzentration auf den deutschen Markt (siehe Abbildung 2). Die Top 25 sehen ihre Chancen in erster Linie in Deutschland und in zweiter Linie im sonstigen Westeuropa (durchschnittlich 4,5 beziehungsweise 3,7 von fünf Punkten). Die Unternehmen auf Platz 26 bis 50 sind erwartungsgemäß noch regionaler orientiert.

Vor allem für die einheimischen Produzenten von Standardsoftware ist eine Erweiterung ihres Marktes über Deutschland hinaus jedoch häufig eine Existenzfrage. Häufig eröffnen sich Chancen, wenn man bereits in der Planungsphase nach Partnern in den wichtigsten Regionen für Design- und Marketing-Entscheidungen Ausschau hält. Bei Standardsoftware ist der mit den nationalen Bestimmungen und Mentalitäten vertraute Partner vor Ort ohnehin unverzichtbar.

Die stärkere Ausrichtung auf den deutschen Markt zeigt sich auch bei der Analyse der Schwierigkeiten, mit denen die befragten Unternehmen nach eigener Einschätzung vorrangig zu kämpfen haben (siehe Abbildung 3). Die Top 25 setzen (bei insgesamt 14 Faktoren) "US-amerikanische Unternehmen" auf Rang drei und die "Westeuropäischen Software-Unternehmen" auf Platz fünf. Weit abgeschlagen rangieren "Osteuropäische Software-Unternehmen" auf Position elf und "Ostasiatische Software-Unternehmen auf Rang 13. Die mittleren und kleineren DV-Beratungs- und Software-Unternehmen (Platz 26 bis 50) empfinden die östlichen Anbieter noch weniger als Konkurrenz.

Einer der größten IT-Märkte der Welt

Die von Verbänden und Software-Unternehmen oft beklagten "deutschen Bilanzvorschriften" bedrücken die führenden 25 am wenigsten (Rang 14); die Unternehmen der zweiten Gruppe (26 bis 50) setzen diese Restriktionen immerhin auf Platz zwölf. "Eigenkapitalmangel" ist weder für die größeren (Rang zwölf), noch für die kleineren und mittleren Unternehmen (Rang zehn) ein ernsthaftes Problerm.

Unübersehbar einig sind sich fast alle Unternehmen beim Wettbewerbsfaktor "Hohe Personalkosten". Für die 50 größten DV-Beratungs- und Software-Unternehmen führt er mit Rang eins die Restriktionenliste an.

Der deutsche Markt präsentiert sich als einer der größten IT-Märkte der Welt mit internationaler Anbieterstruktur. Bei den Top 25 sind die Unternehmen mit deutscher Kapitalmehrheit allerdings noch in der Überzahl (60 Prozent), während bei zwölf Prozent die Kapitalmehrheit Anteilseignern aus anderen europäischen Staaten und bei 28 Prozent vorwiegend US-amerikanischen Shareholdern gehört.

Von Überfremdung kann nicht die Rede sein

Bei der Gruppe 26 bis 50 ist der deutsche Anteil noch größer (76 Prozent), bei den ausländischen Anteilseignern überwiegen andere Europäer, während die außereuropäischen Regionen eher bescheiden vertreten sind.

Von einer "Überfremdung" der deutschen DV-Beratungs- und Software-Marktes kann man damit nicht sprechen. Die Tendenz geht jedoch eindeutig in Richtung multinationale Unternehmen. Das ergibt sich vor allem durch den steigenden Marktan-teil der Standardsoftware am gesamten DV-Beratungs- und Software-Umsatz.

Ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht diese Entwicklung: Während im Jahr 1970 erst zwei Unternehmen unter den Top 25 im ausländischen Mehrheitsbe- sitz waren, stieg ihre Zahl bis 1985 auf vier und 1995 auf neun. Der entsprechende Anteil am Umsatz der Top 25 entwickelte sich von sieben Prozent über 17 Prozent (1985) auf 31 Prozent (1995).

Angeklickt

Deutschland ist gespickt mit Tochtergesellschaften und Niederlassungen der großen IT-Unternehmen dieser Welt. Insgesamt kaufen Anwender hierzulande im Jahr für zirka 80 Milliarden Hardware, Software und DV-Dienstleistungen ein. Selbst produziert man hierzulande für die Hälfte dieses Betrages entsprechende Produkte und Services. Von großen Playern im Weltmaßstab kann man wohl nur in Einzelfällen sprechen wie zum Beispiel SNI und SAP.

*Thomas Lünendonk ist Berater und freier Journalist in Unteregg im Allgäu.