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03.07.1998 - 

Web-Lösungen bieten Einstiegsmöglichkeit für kleinere Unternehmen

Internet als Lockvogel für die EDI-Anbindung

Der Boom des Internet als neuer Vertriebskanal hat in den letzten Jahren den Blick für den elektronischen Dokumentenaustausch verstellt. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) wurden durch die Modediskussion um Electronic Commerce (EC) als Inbegriff aller elektronischen Geschäftsbeziehungen verunsichert. Viele stellten sich die Frage, ob eine Investition in proprietäre Formate noch Sinn mache. Für die meisten Großunternehmen ist EDI dagegen nach wie vor unverzichtbar, wenn es um die automatisierte und damit rationelle Abwicklung von Standardgeschäftsprozessen geht. Sie wollen kleinere Partner in die EDI-Kette eingliedern.

Rettung soll nun das Internet selbst bringen - so jedenfalls eine zentrale Botschaft des diesjährigen "Deutschen Kongreß für Elektronischen Geschäftsverkehr, EDI '98", in Frankfurt am Main. Zum einen könne das weltweite Datennetz denjenigen Unternehmen als kostengünstiges Transportmedium dienen, die keine dedizierten EDI-Netze (beispielsweise auf Basis des X.400-Standards) betreiben wollen. Zum anderen forcieren vor allem Großunternehmen zur Zeit die Entwicklung sogenannter Web-EDI- und Hybrid-EDI-Systeme.

Bei der hybriden EDI-Variante wird keine End-to-end-Verbindung von Applikation zu Applikation hergestellt, sondern der Kunde reicht seine Daten mittels eines Plug-ins im gewünschten EDI-Format an den Geschäftspartner weiter. Hewlett-Packard beispielsweise stellt seinen Lieferanten ein entsprechendes System für 2500 Mark zur Verfügung. Web-EDI geht einen Schritt weiter: Größere EDI-Anwender stellen für ihre Partner elektronische Formulare für Bestellungen, Lieferabrufe etc. auf WWW-Servern im Internet bereit. Geschäftspartner benötigen nichts weiter als einen PC mit Web-Anschluß und Browser sowie Software für die Web-Formulare.

Als weitere Spielart des Internet-basierten EDI-Verkehrs muß die Einführung von Online-Shopping-Systemen mit integrierter EDI-Schnittstelle genannt werden. Hier nun kann der kleinere Partner, meist der Lieferant oder Kunde, die Initiative ergreifen. Er präsentiert sein Angebot mit einem Web-Shop im offenen Internet, und ein EDI-Plug-in sorgt für die Aufbereitung der Nachrichten. Vorteil: Der Anwender muß nicht mehr mit jedem Partner einzelne EDI-Strecken aufbauen und verfügt über ein flexibles System, um externen Forderungen nach einer EDI-Anbindung zu begegnen. Ulrich Linnenbaum, Projektleiter EDI bei Siemens, präsentierte eine entsprechende Lösung für die Intershop-Software.

Alle diese Systeme beinhalten natürlich die Zweiterfassung von betriebswirtschaftlichen Daten auf seiten des Nutzers und widersprechen damit dem EDI-Ideal, Geschäftsdaten direkt und automatisiert zwischen Anwendungssystemen auszutauschen. Ob dieser Medienbruch bewußt in Kauf genommen wird, um EDI auf eine breitere Basis zu stellen, oder ob die dynamische Entwicklung der Internet-Technologien die Branche zu Reaktionen gezwungen hat, bleibt offen.

Wahrscheinlicher ist die erste Vermutung, da viele Web-EDI-Projekte nicht von EDI-Systemanbietern in die Wege geleitet wurden, sondern von großen Unternehmen wie HP oder Siemens, die ihren Handelspartnern Alternativen zur erzwungenen EDI-Anbindung bieten wollten. Dennoch halten Beobachter wie Anne Troye-Walker von der Europäischen Kommission eine Migration klassischer EDI-Formate auf Web-Standards wie beispielsweise die Extensible Markup Language (XML) für möglich.

Ingeborg Burger-Balogh, Vorstandsvorsitzende bei der Deutschen EDI-Gesellschaft (Dedig), sieht diese Entwicklung auch. Gleichwohl ist sie ebenso wie Thorsten Georg, Geschäftsführer des Beratungshauses Stratedi in Schwelm, oder Karstadt-EDI-Experte Andreas Weng davon überzeugt, daß das klassische EDI auf lange Sicht seine Position behaupten werde und eine unverzichtbare Schnittmenge des Electronic Commerce sei. Heinrich Lurz von der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG, München, formuliert einen Herzenswunsch der Anwender an die EDI-Branche: "EDI muß für den Kunden einfacher und transparenter gestaltet werden." Die Internet-Ansätze sind möglicherweise ein viel-versprechender Anfang. Allerdings fällt es der EDI-Lobby noch immer schwer, ein breites Publikum für ihre Anliegen zu gewinnen.

Kommentar

EDI lockt niemandem hinter dem Ofen hervor. Es hat ein Langweiler-Image ohne den Sex-Appeal des Internet. Vielleicht ist das der Grund, warum die Initiatoren des diesjährigen EDI-Kongresses in Frankfurt ihre drei identifikationsstiftenden Buchstaben auf der Einladung ganz klein und verschämt unter einem übergroßen "Electronic Commerce" versteckten. Genützt hat es ihnen freilich kaum etwas. Wie in den Jahren zuvor inszenierte die Branche eine Selbstbeweihräucherung für Insider. Selbst gute Vorträge und das Internet als angeblicher Heilsbringer lockten nicht mehr als 60 oder 70 Interessenten in den riesigen Hauptsaal. So gab es denn auch lange Gesichter bei den Ausstellern der begleitenden Messe. Die Verantwortlichen dürfen sich fragen, wen sie überhaupt ansprechen wollen.

Die EDI-Situation in Deutschland

Der elektronische Dokumentenaustausch auf Basis standardisierter Formate hat hierzulande immer noch einen schweren Stand. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) schrecken vor einer EDI-Anbindung zurück. Generell seien Deutsche im Gegensatz zu den Amerikanern neuen Technologien gegenüber zu skeptisch und bräuchten viel zu lange, um zu Projektentscheidungen zu kommen, urteilt Thorsten Georg, Geschäftsführer des Beratungshauses Stratedi in Schwelm. "Manche Unternehmen müssen zu ihrem Glück gezwungen werden", so Georg mit Blick auf die Rationalisierungspotentiale von EDI.

Seine liebe Not hat auch Andreas Weng, Projektleiter EDI bei Karstadt, mit den Lieferanten. Durch intensive Überzeugungsarbeit und aktive Unterstützung konnte Weng die Zahl der EDI-Partner von 197 Ende 1997 auf derzeit 551 steigern. Bis Ende des laufenden Jahres sollen es 600 sein. Angesichts von 20000 bis 30000 Warenlieferanten eine bescheidene Zahl - jedoch mehr als der Tropfen auf dem heißen Stein: Immerhin 50 Prozent des Auftragsvolumens können nun automatisiert abgewickelt werden. Unumwunden gibt Weng zu, daß man Partnern oftmals die Pistole auf die Brust setzen müsse. Karstadt mache das aber ohne die anderswo übliche Androhung von Strafen.

Kleinere Unternehmen, die nur geringe Transaktionsvolumina aufzuweisen haben, beklagen den unverhältnismäßigen Arbeits- und Kostenaufwand eines EDI-Projekts. Ingeborg Burger-Balogh, Director Electronic Commerce bei Siemens und ihres Zeichens Vorstandsvorsitzende der Deutschen EDI-Gesellschaft (Dedig), weiß um diese Probleme. Oft sei aber nicht der Installationsaufwand der entscheidende Faktor. Vielmehr stoße ein EDI-Projekt häufig auf hohe mentale Barrieren. Gerade in kleinen Unternehmen sind laut Burger-Balogh viele Abteilungen und Mitarbeiter betroffen, wenn die Geschäftsprozesse im Hinblick auf automatisierte Abläufe neu bewertet werden. Und nicht selten befürchten manche Verantwortliche gar, sich selbst und die Mitarbeiter wegzurationalisieren.