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Thema der Woche


20.02.1998 - 

Internet-Bandbreite mit Garantie gibt es nur auf Teilstrecken

"Gibt es im Internet einen Rechtsanspruch auf die Übertragung von Daten?" fragte der Vorstand eines deutschen Technologiekonzerns seine DV-Verantwortlichen, als das Unternehmen ein bundesweites Intranet plante. Beantworten läßt sich diese Frage nur mit "Nein".

Zwar handelt es sich beim weltumspannenden Netz in puncto Ausfallsicherheit um ein zuverlässiges Gebilde, doch eine Garantie oder ein einklagbares Recht für das Eintreffen einer Information in einer bestimmten Zeitspanne gibt es nicht (siehe Kasten "Internet ist kein Festnetz"). Vielmehr gilt die Devise, "wer zuerst kommt, mahlt zuerst."

Anwender mit hohen Ansprüchen an eine gleichbleibende Bandbreite müssen sich mit solchen Problemen auseinandersetzen. Zu dieser Kategorie zählen Unternehmen, die das Internet für professionelle Zwecke nutzen, etwa zur Anbindung von Niederlassungen an eine Firmenzentrale, das Betreiben von Online-Diensten sowie das Verarbeiten von Transaktionen und Host-Sitzungen. Eine wichtige Rolle spielen konstante Übertragungsraten auch bei Anwendungen mit kontinuierlichen Datenströmen wie Audio, Video und Internet-Telefonie.

Während private Surfer sich lediglich über lange Wartezeiten beim Zugriff auf Web-Sites ärgern, resultieren Verzögerungen bei einer remoten Sitzung auf einem Host-System oder beim Bedienen einer kaufmännischen Anwendung in finanziellen Einbußen.

Deshalb legen Anwenderunternehmen, die beispielsweise ihr SAP-R/3-System ans Web anbinden, ein besonderes Augenmerk auf die Netzqualität. Die Unternehmensberatung KPMG etwa testet zur Zeit die Einbindung des SAP-Systems ins Internet. Gemeinsam mit Hewlett-Packard will die Consulting-Firma Intranet-Dienste im R/3-Umfeld anbieten.

Bei diesem Pilotprojekt kommunizieren Web-Clients über das TCP/IP-Netzwerk mit der Business-Software. Robert Brunner, Berater im Bereich Informationssysteme, nennt als Anwendungsgebiet die Abfrage von aktuellen Preisen und Verfügbarkeiten von Lieferanten.

Der größte Engpaß zeigte sich schnell: Wenn die maximale Anzahl der gleichzeitigen Zugriffe sich nicht vorhersagen läßt, wird die zuverlässige Transaktionsverarbeitung zum Glücksspiel. Eine dynamische Aufstockung der Bandbreite ist nach Aussage des Beraters nicht möglich. Um dennoch genügend Übertragungskapazität für den SAP-Zugriff bereitzustellen, muß die Anzahl der Anwender bekannt sein.

Bei einer geschlossenen Benutzergruppe läßt sich der Bandbreitenbedarf ziemlich genau ermitteln. Dann kann der Netzverantwortliche die Kapazität so einrichten, daß alle potentiellen Web-User genügend Übertragungsrate erhalten. Gleichzeitig werden diese User bestimmten Anwendungs-Servern zugewiesen, damit die Rechner nicht überlastet werden. Natürlich kommt es bei diesen Überlegungen auch darauf an, ob die Anwender nur mal kurz Informationen aus der Business-Anwendung abfragen oder häufig Eingaben tätigen.

Mit der technischen Realisierung der SAP-R/3-Integration ins Web hat auch Nils Landmann Erfahrung. Er ist einer der Geschäftsführer der auf Internet-Anbindung von R/3-Systemen spezialisierten Unternehmensberatung Heid Landmann & Partner aus Eschborn. Um genügend Bandbreite für die Anbindung von Händlern an die Business-Software eines Fertigungsunternehmens bereitzustellen, wurden Web-Server, SAPs "Internet Transaction Server" (ITS) und eine Firewall beim Internet-Service-Provider (ISP) installiert. Dabei vermittelt der ITS zwischen dem Internet auf der einen und dem SAP-R/3-System auf der anderen Seite (siehe Grafik auf Seite 10).

Der Anwendungs-Server steht beim Kunden. Web-Transak- tions-Server und Applikationsrechner tauschen über eine direkte Verbindung Applikationsdaten aus. Dabei handelt es sich nicht um eine Standleitung, sondern um eine Verbindung zwischen zwei Routern über Layer-2-Tunneling. So lassen sich Daten schnell übertragen, da keine Layer-3-Information (Routing-Daten) ausgewertet werden muß. Außerdem erlaubt diese Lösung eine hohe Skalierbarkeit. Dennoch spart das Unternehmen gegenüber einer Standleitung Kosten ein.

SAP-Anwender, die über das Web mit dem System arbeiten, greifen über das Provider-Netz auf das System zu. Auf diese Weise genügt den Internet-Usern eine geringe Datenrate. Der Grund: Zwischen Transaktions-Server und dem Web-Client wird nur HTML-Code verschickt, während die zeitkritischen Daten über den Hochgeschwindigkeits-Link zwischen Provider und Kunde fließen.

Um zumindest eine gewisse Bandbreite für SAP-Benutzer, die über das Web mit dem System arbeiten, garantieren zu können, wird diesen empfohlen, sich über ISDN-Knoten des Providers in das Internet einzuwählen. Der Datenverkehr bleibt so innerhalb der Netzstrukturen eines ISPs, ohne lange Wege über Übergangspunkte (Peering Points) mit den Netzen anderer ISPs gehen zu müssen. Nach den Worten des Beraters Landmann bietet sich eine derartige Lösung insbesondere für geschlossene Nutzergruppen an, wie sie im Bereich Business-to-Business in der Regel vorliegen.

Offenbar hat sich die Bandbreitenproblematik bis nach Walldorf durchgesprochen. Standardmäßig steht der Session-Timeout des Internet Transaction Server auf 20 Minuten. So lange hält das Server-System die Sitzung mit dem remoten Web-User aufrecht, wenn dieser keine Eingabe tätigt - oder seine Daten im Stau steckenbleiben.

Zum Leidwesen mancher Kunden realisierte SAP das Speichern dieser Statusinformation Client-seitig über ein Cookie. Solche Dateien verwenden viele Betreiber von Web-Sites auch dazu, Kundeninformationen auf dem Rechner des Surfers zu speichern und bei einem erneuten Connect auszuwerten. Wenn ein User sowohl einen Web-Zugriff auf SAP R/3 benötigt als auch im Internet surft, wird er von solchen Cookies überschüttet.

Doch nicht nur SAP-Anwenderunternehmen befassen sich mit der Bandbreitenproblematik im Web. Hohe Ansprüche an die Verfügbarkeit der Netzverbindungen hat auch der Betreiber des Internet-Katalogs Dino Online http://www.dino-online.de , die Göttinger Firma Axon Internet Services GmbH. Dieser Online-Service betreibt einen Web-Katalog mit Suchmaschine.

Da sich der Dienst ausschließlich über Werbung finanziert, legen die Verantwortlichen großen Wert auf eine gute Erreichbarkeit im Web, damit die "Einschaltquote" stimmt. Aus diesem Grund entschied sich das Unternehmen, den Dino an den 155-Mbit/s-Backbone des ISPs Nacamar anzubinden.

Damit jeder potentielle Anwender ohne langes Warten auf den Web-Katalog zugreifen kann, muß Nacamar breitbandige Übergänge zu den Netzen angrenzender Diensteanbieter unterhalten. Schließlich sind nicht alle Dino-Benutzer auch gleichzeitig Kunden des ISPs.

Nach den Erfahrungen von Dino-Geschäftsführer Martin Ortlepp verfügt Nacamar über ein direktes Peering zu den meisten Providern und sehr kurze Routing-Wege. Spürbar wird dies besonders für T-Online-Kunden, die einen großen Teil der Internet-Katalog-Benutzer ausmachen.

Nacamar garantiert seinen Kunden jedoch nur innerhalb seines Backbones und an den Austauschpunkten eine bestimmte Datenrate.

Wollte ein Online-Anbieter allen Usern eine bestimmte Datenrate zuweisen, müßte er zwischen sich und den Nutzern über Standleitungen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen einrichten. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten macht ein solches Netz keinen Sinn, wohl aber für ein firmeneigenes Intranet. Beispielsweise kann so ein Industrie-Unternehmen seine Niederlassungen an eine Zentrale anbinden.

Doch Standleitungen sind eine kostspielige Lösung. Einige Internet-Service-Provider bieten deshalb Dienstleistungen an, die es Firmen erlauben, ihren Intranet-Datenverkehr über das Netz des Anbieters zu leiten. Zu diesen ISPs gehört die in Karlsruhe ansässige Firma Xlink. Deren Kunden vereinbaren ein bestimmtes Datenvolumen, das sie pro Monat über das Backbone-Netz versenden und empfangen dürfen. Beispielsweise bezahlen Firmen für 20 GB im Monat eine Gebühr von 6670 Mark. Überträgt das Anwenderunternehmen mehr Bytes als vereinbart, muß nachgezahlt werden. So beanspruchte laut Michael Rotert, Geschäftsführer bei Xlink, ein Kunde einmal 300 GB im Monat, obwohl lediglich 50 GB vertraglich vereinbart waren.

Damit diese unvorhergesehene Mehrbelastung nicht den Netzbetrieb beeinträchtigt, baut der ISP Sicherheiten ein. So führt Xlink Statistiken über das Nutzerverhalten. Plötzliche Lastspitzen fängt der Provider ab, indem er seinen Backbone viel größer auslegt. Eine weitere Maßnahme sind Bandbreitenbegrenzungen am Router des Kunden. Hierbei wird eine entsprechende Eigenschaft der Übertragungstechnik Frame Relay genutzt.

Auch Xlink garantiert somit keine Bandbreite, sondern stellt lediglich sicher, daß für die Kunden Leistungseinbußen sehr unwahrscheinlich sind. Nach den Worten von Michael Rotert, Geschäftsführer von Xlink, akzeptieren Kunden heute technische Unzulänglichkeiten. Die Vorteile der Internet-Technik gleichen dieses Manko wieder aus.

Oft wissen die Firmenkunden gar nicht, wieviel Übertragungskapazität sie in ihrem Intranet benötigen und wie sich dieser Bedarf in Zukunft steigert, beobachtet das Debis Systemhaus in Stuttgart. Der Dienstleister betätigt sich unter anderem als Outsourcer für Intranets. Kalkuliert ein Unternehmen mit einer bestimmten Leitungskapazität für die professionelle Nutzung des Intranet, weiß niemand, ob die Verbindungen auch dann noch ausreichen, wenn gleichzeitig viele Anwender im Web surfen. Zwar habe das Systemhaus Erfahrungswerte, wie hoch der Bedarf sein kann. Letztendlich liege es aber in der Hand des Kunden, ob die Netzverbindungen ausreichten.

Eine mögliche Variante, den Intranet-Betrieb geschäftskritischer Applikationen sicherzustellen, bietet die Priorisierung verschiedener Dienste oder User. Hierzu wird für jede Anwendung eine bestimmte Bandbreite definiert.

Zum Reservieren von Bandbreite in einem TCP/IP-Netz wurden bereits spezielle Verfahren entwickelt. Cisco Systems entwickelte beispielsweise das "Reservation Protocol" (RSVP). Diese Funktion integrierte der Hersteller in seine Router.

Mediaways, ein Internet-Service-Provider aus Gütersloh, integriert RSVP-fähige Router in sein deutschlandweites Backbone-Netz. Hintergrund dieser Maßnahme: Ab der CeBIT sollen Anwender über das IP-Netz telefonieren können. Gleichzeitig erhalten Firmenkunden nun auch die Möglichkeit, Bandbreiten für geschäftskritische Anwendungen zu reservieren. Allerdings müssen sich alle Benutzer im Netz des Anbieters befinden.

Diese Lösung macht zum Beispiel beim Web-Zugriff auf einen Mainframe Sinn. Steht eine Übertragungsrate fest zur Verfügung, dürften auch sensible 3270-Sitzungen über das Internet kein Problem sein. Host-Systeme verlangen die strikte Einhaltung von Antwortzeiten. Trifft eine Rückbestätigung des zugreifenden Web-Clients zu spät ein, schließt der Großrechner die Sitzung wieder.

Natürlich hat auch die Reservierung von Übertragungskapazität ihren Preis. Nach Aussage von Arnd Scharpegge, Unternehmenssprecher bei Mediaways, kostet eine Bandbreitengarantie fast soviel wie eine Standleitung, wobei letztere lediglich eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung herstellt. "Mit RSVP kann aber den Kunden von Mediaways ein Übertragungsmodus angeboten werden, der auch über Wählleitungen Sinn macht", meint Scharpegge.

Und was passiert, wenn trotz dieser Garantie die Bandbreite mal nicht zur Verfügung steht? Nach Aussage des Mediaways-Sprechers gibt es kein vorgefertigtes Vertragswerk, in dem Konventionalstrafen im Falle von Ausfällen geregelt sind. Auch bei anderen deutschen ISPs müssen solche Dinge im Einzelfall geklärt werden.

Provider in den USA sind da schon weiter. Uunet zum Beispiel bietet seinen dortigen Kunden unter dem Produktnamen "Extralink" bereits garantierte Antwortzeiten an. Wenn der Anbieter diese Leistungen nicht erfüllt, erhält der Klient einen Teil des Geldes zurück. Solche Zusagen gehen den Verantwortlichen bei Uunet in den USA leichter über die Lippen als in Deutschland.

Hierzulande ist die Netzinfrastruktur von Uunet nicht großzügig genug ausgelegt, daß der Provider solche Verpflichtungen eingehen könnte. Längerfristig wollen die Dortmunder aber auch ihren Kunden garantierte Bandbreite anbieten.

Hiesige Anbieter tun sich schon deshalb schwer mit der Garantie von Übertragungsraten, weil ihnen das Netz in der Regel nicht gehört. Die Firma Uunet mietet ihre Leitungen bei der Telekom und ist auf die Servicequalität des Carriers angewiesen.

Im Gegensatz dazu besitzt der Provider Psinet ein eigenes Netzwerk. Deshalb sieht sich das Unternehmen auch im Stande, eine 99prozentige Verfügbarkeitsgarantie zu geben. Eine immer konstante Übertragungsrate wird allerdings nicht zugesichert.

Nach Auffassung von Harald Beutlhauser, Systemingenieur bei Psinet, macht es für einen Provider in wirtschaftlicher Hinsicht auch keinen Sinn, einen Teil seiner Bandbreite fest zu reservieren. Trotzdem stehe immer genügend Übertragungsrate im Backbone zur Verfügung, so der Netzexperte. Der Grund: Psinet überwacht seine Leitungen ständig. Steigt die Auslastung eines Links auf über 50 Prozent, wird die Kapazität erhöht.