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Standards lassen noch auf sich warten


13.12.1996 - 

Internet-Banking befindet sich auf dem Vormarsch

"Theoretisch besteht natürlich die Möglichkeit, mit der entsprechenden Rechnerleistung auch die stärkste Verschlüsselung zu knacken - doch die Hardware dazu ist enorm teuer. In der Praxis sehe ich da keine Gefahr." So äußerte sich Michael McChesney, CEO von Security First Technologies (S1), kürzlich gegenüber Vertretern der Presse. S1 ist eine Tochtergesellschaft der Security First Network Bank (SFNB) und bietet Finanzinstituten unter anderem Lösungen zum sicheren Internet-Banking.

Auch bei der Bank für Arbeit und Wirtschaft AG (Bawag) in Wien, die Internet-Banking anbietet, gibt man sich in dieser Hinsicht optimistisch. Nach Meinung von IT-Leiter Hans Günter Schanznig, reicht ein kombiniertes Verfahren aus 64-Bit-Verschlüsselung, gegenseitiger Authentizität zwischen Bank und Kunde über "Verisign", Identifikation über Personal Identification Number (PIN) sowie Sicherung der Transaktion über spezielle Nummern (TANs) völlig aus, um die Sicherheit des Bankverkehrs im Internet zu gewährleisten. Die Wahrscheinlichkeit, daß eine Übertragung abgefangen und der Code geknackt wird, schätzt Schanzig als "sehr gering" ein. Außerdem, so fügt er hinzu, könne ein Hacker damit lediglich eine einzige Transaktion manipulieren.

Zum Angebot der Bawag gehört unter anderem die Möglichkeit, den Kontostand abzufragen, Zahlungen zu veranlassen und Buchungen einzusehen. Auch Kredite lassen sich online beantragen: Die Bank verspricht Kunden, die diesen Service beanspruchen, daß sie schon am nächsten Tag den auf Grundlage der eingegebenen Daten erstellten Vertrag unterschreiben und das Geld in einer Bawag-Zweigstelle ihrer Wahl abholen können, vorausgesetzt, sie erfüllen die Bedingungen für die Kreditvergabe.

Da die Bawag ihre Dienstleistungen auf Microsofts Finanzsoftware "Money 97" aufbaut, besteht auch die Möglichkeit, Daten in MS-Money-Files zu importieren. Kunden der Bank erhalten einen Gutschein, der beim Erwerb des Microsoft-Programmes einen Preisnachlaß garantiert.

Außerdem existieren Kooperationen mit Service-Providern, wodurch der Bawag-Klientel der Internet-Zugang vergünstigt wird.

Alle Internet-Transaktionen erfolgen über einen Web-Server mit Microsofts Open-Financial-Connectivity-(OFC-)Funktionalität und werden dann über das bereits bei der Bank bestehende System für ETB (Electronic Telebanking) und BOB (Bawag Online Banking) weitergeleitet (siehe Abbildung). Indiz für das Interesse der Kunden am Online-Angebot der Bank sind 10000 Kunden, die ihr Internet-Banking nutzen. 50 Prozent hatten zuvor kein Konto bei der Bawag.

Fehlende Standards bremsen Entwicklung

Diese Zahlen stimmen Freunde des Online-Bankings vielleicht optimistisch, doch sollte man nicht vergessen, daß ein wichtiges Thema die immer noch fehlenden Standards auf diesem Gebiet sind. Es gibt keine einheitliche Software für das Abwickeln von Zahlungen, das System der Bawag ist letztlich proprietär, wenn es Microsoft auch wohl gerne sehen würde, wenn sich die Money-Software etablieren könnte.

Geldtransfers über Ländergrenzen hinweg sind ebenfalls in keinster Weise geregelt. Unbedingt geklärt werden müssen auch Fragen, wie die rechtliche Absicherung bei Online-Transaktionen aussieht und welche Gesetze überhaupt zur Anwendung kommen sollen. Das Internet kümmert sich nicht um Landesgrenzen, daher müssen Zuständigkeiten dringend geklärt werden, bevor an globales Internet-Banking auch nur im entferntesten gedacht werden kann.

Aus eben diesem Grund ist Mitte November in Nizza das Open Banking Consortium (OBC) ins Leben gerufen worden, das sich unter anderem das Entwickeln und Etablieren von Standards für Internet-Banking auf die Fahnen geschrieben hat. Daneben ist geplant, über das OBC das Interesse der Öffentlichkeit an Open Banking und an neuen Zahlungsformen wie zum Beispiel E-Cash zu fördern. Obwohl der Schwerpunkt der Arbeit des OBC klar im Bereich Banking liegt, sollen verwandte Finanzsektoren wie beispielsweise Versicherungs- oder Maklerwesen nicht ausgeklammert werden.

Eines der Gründungsmitglieder des OBC ist Unisys. Das Unternehmen engagiert sich stark auf diesem Gebiet, da man sich wohl ausrechnet, hier ein neues Geschäftsfeld erschließen zu können. Darum präsentiert die Financial Division von Unisys auch gut aufbereitete Informationen zum Thema Internet-Banking auf einer erst kürzlich eingerichteten Web-Seite (siehe Screenshot).

Unter http://internet-banking.com findet sich unter anderem ein "Internet Banking Barometer", das den derzeitigen Entwicklungsstand des Banking via World Wide Web messen will.

Daneben bietet Unisys auf diesen Seiten interessante Links zu anderen Sites rund ums Thema Banking, Material zu E-Commerce sowie Beurteilungen bereits existierender Bankseiten im Internet (im Moment beschränkt auf Großbritannien und Irland, Frankreich und Deutschland sollen jedoch in Kürze folgen). Hierbei sind die einzelnen Finanzinstitute je nach Engagement eingeordnet in die Kategorien Netzpräsenz, Interaktivität, Home-Banking und Internet-Banking.

Es besteht auch die Möglichkeit, über eine Feedback-Funk- tion selbst Beiträge zum Thema Internet-Banking an Unisys zu schicken, die gegebenenfalls auf den Seiten veröffentlicht werden.

Auf Microsoft gesetzt

Wesentlicher Bestandteil des Internet-Banking-Programmes der Bawag ist der Web- und Open-Financial-Connectivity-Server, der die Daten über das bestehende Electronic-Telebanking- und Bawag-Online-Banking-System an den Host weiterleitet. Quelle: Bawag