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Schwedische Firmen als Stimmungsbarometer für Europa?


03.11.2000 - 

Internet-Berater können hohe Erwartungen nicht erfüllen

MÜNCHEN (CW) - Internet-Beratungsunternehmen verlieren zur Zeit nicht nur in den USA das Vertrauen der Börse. Vergangene Woche traf es auch die schwedischen Web-Agenturen, die den hochfliegenden Erwartungen der Anleger nicht mehr gerecht wurden.

Der letzte Mittwoch im Oktober war ein schwarzer Tag für die erfolgsverwöhnten schwedischen Internet-Consultants. Mit massiven Anteilsverkäufen reagierten Investoren auf schlechte Quartalsergebnisse der Web-Entwickler Framfab, Cell Network und Icon Medialab. Tiefrote Zahlen prägen das Bild einer Branche, die noch vor einigen Monaten als ein Vorbild der New Economy galt.

Icon Medialab wies für das dritte Quartal einen Verlust von 242 Millionen Schwedenkronen aus, umgerechnet rund 55 Millionen Mark. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum betrug der Fehlbetrag gerade einmal 7,5 Millionen Mark. Der Umsatz belief sich auf 110 Millionen Mark und lag damit um 367 Prozent über dem dritten Quartal 1999. Allerdings stiegen die Umsätze im Vergleich zum zweiten Quartal 2000 nur noch um zwölf Prozent. An der Börse verloren die Aktien darauf rund ein Sechstel ihres Wertes.

Aktienkurse der Berater im SturzflugÄhnlich stark erwischte es Cell Network. Hier betrug das Minus in den Monaten Juli bis September rund 29 Millionen Mark bei gleichzeitigen Umsätzen in Höhe von 73 Millionen Mark. Der Dritte im Bunde, die Firma Framfab, verlor am Mittwoch nach einer Gewinnwarnung knapp 30 Prozent an der Börse. Angeblich wird der Verlust das Ergebnis für das gesamte Geschäftsjahr in die roten Zahlen ziehen.

Dem vorausgegangen waren negative Meldungen aus den USA. Razorfish konnte im dritten Quartal den Umsatz nicht steigern, zeitgleich schrumpfte das europäische Geschäft um rund 20 Prozent. Der Konkurrent Marchfirst verfehlte die Prognosen der Analysten derart weit, dass der Aktienkurs am folgenden Tag um 60 Prozent abstürzte und die Firma rund eine Milliarde Dollar an Wert verlor.

Einer der Gründe für die schlechte Entwicklung der Web-Berater liegt im Absturz der Dotcom-Firmen, die bislang zu ihren Hauptkunden zählten. Die aktuellen Einbußen konnten im Gegenzug nicht ausreichend mit Umsätzen im Bereich der Old Economy kompensiert werden, deren Vertreter den Umstieg zum E-Business hierzulande scheinbar gemächlich angehen.

Darüber hinaus herrscht im schwedischen Heimatmarkt ein hoher Wettbewerbsdruck, so dass die Firmen gezwungen waren, nach Europa und Übersee zu expandieren. Die damit verbundenen Übernahmen beschleunigten zwar das Wachstum der Companies, vergrößerten aber auch die Probleme der Integration. Gleichzeitig müssen nun Geschäftsmodelle und Produkte entwickelt werden, mit denen die E-Business-Anforderungen traditioneller Konzerne befriedigt werden können. Hier spielt weniger die Entwicklung von Web-Seiten eine Rolle als die Verbindung der neuen Technologien mit bereits vorhandenen Systemen.

Die nötigen Manager und Berater lassen sich jedoch nur schwer mit Aktienoptionen abwerben, wenn der Kurs eines Unternehmens wie Framfab innerhalb von acht Monaten um 90 Prozent verliert. Sollte sich die Entwicklung fortsetzen, könnten traditionelle Berater à la Cap Gemini und Andersen Consulting ihre im letzten Jahr ausgeschiedenen Kollegen bald wieder an Bord begrüßen.