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15.05.1998 - 

AOL übernimmt den Web-TV-Konkurrenten Netchannel

Internet-Fernsehen: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte

15.05.1998

Die vergangenen Monate müssen sowohl den Kunden als auch den Mitarbeitern der Netchannel Inc. wie eine Achterbahnfahrt vorgekommen sein. Bereits kurz nach der Gründung im September 1997 geriet das junge Unternehmen finanziell ins Schlingern. Netchannel konnte nur eine bescheidene Zahl von 10 000 Kunden für seine Fernseh-Decoder gewinnen. Eine bittere Pille, da der Markt vom Beratungsunternehmen IDC bis zum Jahr 2001 weltweit auf über sieben Millionen Nutzer geschätzt wird. Ihnen ließe sich allein Hardware für 1,2 Milliarden Dollar verkaufen. Web-TV kann auf einen stolzen Bestand von immerhin schon 300000 US-Abonnenten verweisen. Nicht zuletzt deshalb blätterte Microsoft für das junge Unternehmen nahezu 425 Millionen Dollar auf den Tisch.

Netchannel nahm die Suche nach einem starken Partner auf und wurde bei AOL fündig. Der Online-Dienst wollte sich schon länger eine erweiterte Plattform für sein Angebot erschließen. Den schon perfekt scheinenden Deal bliesen die AOL-Verantwortlichen jedoch zunächst wieder ab, da ihnen die von Netchannel verwendete Set-top-Box des französischen Herstellers Thomson angeblich zu wenige Features bot. Daraufhin entließ Netchannel-Boß Philip Monego 16 der 88 Angestellten und verkaufte die englische Niederlassung Mitte April an den New Yorker Kabelnetzbetreiber NTL Inc. Gerüchte über ein baldiges Ende wurden jedoch dementiert - Umstrukturierung hieß das Zauberwort.

Nur zwei Wochen später kam dann das endgültige Aus. Netchannel kündigte die Einstellung seiner Services an und versprach seinen Kunden Ausgleichszahlungen. Eine weitere Woche danach trat AOL erneut in Aktion und schluckte das Restunternehmen nun problemlos für eine ungenannte, aber sicher nicht zu hohe Summe. Auf den ersten Blick dominiert jetzt Microsoft mit Web-TV den Markt. Allerdings könnte AOL bei einem bestehenden Abonnentenstamm von zwölf Millionen schnell zu einem ernstzunehmenden Gegner werden - sofern es gelingt, bisherige PC-Nutzer für den Fernseher zu begeistern. Auch werden sich die großen Kabelnetzbetreiber das Geschäft mit dem Internet-Zugang via TV sicher nicht entgehen lassen.