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26.04.1996 - 

Sicherheits- und Transferprobleme muessen geloest werden

Internet kann als Katalysator bei der EDI-Verbreitung wirken

Literatur und Praxis kennen eine Vielzahl von Definitionen und Abgrenzungen zu EDI. Sie unterscheiden sich im wesentlichen in dem jeweils zugrundeliegenden Verstaendnis zu Einsatzbreite und Einsatzmoeglichkeiten von EDI. Allgemein akzeptiertes, charakteristisches Merkmal von EDI ist die soft- und hardwareneutrale Weiterverarbeitung elektronisch uebermittelter Daten und Informationen in unternehmensinternen Anwendungssystemen ohne erneute Dateneingabe. Die meisten Aussagen ueber EDI beziehen sich auf den Austausch standardisierter, die Geschaeftsabwicklung begleitender, rein kommerzieller Dokumente wie zum Beispiel Rechnungen, Auftraege, Auftragsbestaetigungen etc.

Da die zugrundeliegende Problematik bei allen Kommunikationsinhalten prinzipiell dieselbe ist, erscheint es sinnvoll, auch den Austausch technischer Daten sowie freier Texte und Abbildungen unter den Begriff EDI zu subsumieren.

Das Internet boomt auch in Unternehmen

Deshalb liegt den folgenden Ueberlegungen bewusst eine breitere EDI- Auffassung zugrunde: EDI steht fuer eine bestimmte Form der zwischenbetrieblichen Kommunikation. Dabei werden geschaeftliche und technische Daten sowie allgemeine Geschaeftsdokumente nach standardisierten Formaten strukturiert und zwischen den Computern verschiedener Unternehmen unter Anwendung offener elektronischer Kommunikationsverfahren ausgetauscht. Dieser Definition zufolge ist der Einsatz von EDI prinzipiell an jeder Schnittstelle moeglich. Elektronische Kommunikationspartner koennen saemtliche Geschaeftspartner sein. Hierzu zaehlen Kunden, Lieferanten, Wettbewerber, Speditionen, Transporteure, Banken, Versicherungen, oeffentliche Verwaltung, Post, Distributoren und Dienstleistungsunternehmen. Voraussetzung fuer eine reibungsfreie EDI-Kommunikation sind neben organisatorischen und personellen Vorkehrungen vor allem entsprechende Standards auf der Nachrichten- und Uebertragungsebene.

Das Internet ist ein weltweites Computernetzwerk mit staendig steigenden Nutzerzahlen, an das derzeit rund 40 Millionen Rechner angeschlossen sind. Ein wesentliches Merkmal des Internet ist seine dezentrale Struktur. Es gibt weder eine zentrale Organisationsinstitution noch einen zentralen "Steuerrechner". Dieses dezentrale Organisationsprinzip beruht auf dem militaerischen Ursprung des Internet im Jahre 1969. Ziel war es, das Netzwerk durch das Fehlen zentraler Angriffspunkte unverwundbar zu machen.

Im Anschluss an die ausschliesslich militaerische Nutzung dehnte sich der Teilnehmerkreis in einer zweiten Entwicklungsphase auf den wissenschaftlichen und oeffentlichen Bereich aus. Seit der Zugang zum Internet auch fuer Privatpersonen und kommerzielle Unternehmen moeglich ist, rollt die dritte Nutzungswelle. Sie fuehrt zu einem rapiden Anstieg der kommerziellen Teilnehmer.

Waehrend bisher die E-Mail-Funktion im Internet im Vordergrund stand, gehen Schaetzungen davon aus, dass in zwei Jahren rund 100000 Firmen und bis Ende 1999 sogar eine Million Firmen das Internet fuer kommerzielle Anwendungen nutzen werden. Angeblich basieren heute schon 60 Prozent des Datenaufkommens auf kommerziellen Nutzungen. Unterstuetzt wird diese Entwicklung durch Initiativen wie zum Beispiel Commercenet, die die kommerzielle Nutzung des Netzes explizit in den Vordergrund stellen. Die zunehmende Kommerzialisierung fuehrt unweigerlich zu der Frage, welche Potentiale das Internet fuer kommerzielle Anwendungen bietet und wie Unternehmen diese Potentiale konkret umsetzen koennen.

Prinzipiell sind drei Moeglichkeiten einer kommerziellen Internet- Nutzung zu unterscheiden:

1. Internet als Informations- und Kommunikations-Infrastruktur: Viele Faktoren wie zum Beispiel ein gutes Preis-Leistungs- Verhaeltnis, die einfache Handhabung, starke Zuwachsraten sowie die Moeglichkeiten der direkten, unproblematischen Anbindung unterschiedlicher Netze fuehren dazu, dass sich das Internet zunehmend zu einer weltweit funktionierenden und offenen Informations- und Kommunikations-Infrastruktur entwickelt. Diese Tendenz foerdert nicht zuletzt auch die Globalitaet des Internets. Sie hat mehrere Dimensionen.

Die raeumliche Globalitaet besagt, dass prinzipiell jedermann, der ueber einen Telefonanschluss verfuegt, direkten Zugang zum Internet erhalten kann. Die technische Globalitaet erlaubt die direkte Kommunikation der Computer verschiedener Welten. Die Teilnehmer koennen sowohl aus der DOS/Windows-, der OS/2-, Apple- oder Unix- Welt stammen. Moeglich wird dies durch das Protokoll TCP/IP, auf dem das Internet basiert. Die teilnehmergruppenbezogene Globalitaet gilt sowohl fuer die Anzahl der Teilnehmer als auch fuer die Heterogenitaet der Gruppe. Die mediale Globalitaet zielt schliesslich auf die Moeglichkeit zur Uebertragung multimedialer Informationen ab. Sie besagt, dass neben Textinformationen auch Ton-, Bild- und Bewegtbilddateien transferiert werden koennen. Gerade im Zusammenhang mit dem im folgenden zu zeigenden kommerziellen Anwendungspotential spielt sie eine wesentliche Rolle.

2. Internet als Medium fuer Marketing und Vertrieb: Ueber das Internet lassen sich Produkte und Dienstleistungen anbieten, vermarkten und vertreiben. Die grosse und steigende Nutzerzahl weist auf einen enormen potentiellen Kaeuferkreis hin. Waehrend im Mittelpunkt dieser Aktivitaeten bisher eher Buecher, CDs oder Zubehoer fuer PCs stehen, ist zu erwarten, dass sich das Angebot kurz- oder mittelfristig auf andere Bereiche ausdehnen wird.

3. Internet als Informationsquelle: Eine dritte Moeglichkeit besteht schliesslich darin, das vielfaeltige Informationsangebot fuer kommerzielle Projekte und Einsatzfelder zu nutzen.

Dieses kommerzielle Potential von Internet koennen Unternehmen auf unterschiedliche Weise konkret umsetzen. Denkbar ist zunaechst, lediglich eine Verbindung zum Internet herzustellen, um das Infoangebot zu nutzen. In einer naechsten Stufe bietet sich die Vorstellung des eigenen Unternehmens im Internet zum Zwecke des Marketings und der Imagepflege an. Die steigende Zahl der Unternehmen mit eigenen Homepages, die ueber sich und ihre Produkte informieren, weisen auf die starke Nutzung dieser Moeglichkeit hin.

Waehrend diese beiden Einsatzfelder in erster Linie auf dem Potential Internet als Informationsquelle basieren, ist ein darueber hinausgehender Zugang zum Internet denkbar, der auch die beiden anderen angesprochenen Potentiale staerker umfasst, naemlich die Integration der Internet-Verbindung in bestehende und zukuenftige Geschaeftsprozesse. Konkrete Beispiele sind die Geschaeftskommunikation ueber E-Mail, die Zahlungsabwicklung ueber virtuelle Banken im Internet oder das Produkt-Marketing ueber das WWW.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie EDI und Internet sich annaehern und ergaenzen koennen.

Vor dem Hintergrund der jeweiligen Staerken beider Konzepte lassen sich folgende Ansatzpunkte fuer eine sinnvolle und effiziente Ergaenzung erkennen: - Internet als Informations- und Kommunikations-Infrastruktur fuer EDI-Anwendungen,

- EDI-unterstuetzte Produktvermarktung via Internet und

- auf EDI und Internet basierende Formen der zwischenbetrieblichen Zusammenarbeit.

Wie bereits angedeutet, bietet Internet eine offene, zumeist zuverlaessige Kommunikations-Infrastruktur, die direkte Verbindungen zu einer steigenden Anzahl von potentiellen Geschaeftspartnern erlaubt. Damit kann Internet eine Infrastruktur fuer die Uebertragung von EDI-Nachrichten zur Verfuegung stellen, die bislang nicht in vergleichbarem Mass vorhanden ist.

Effiziente EDI-Anwendungen scheitern haeufig an einer unzureichenden Infrastruktur fuer die Uebertragung der Nachrichten. Internet kann hier ansetzen und quasi die Rolle eines Mehrwertdienstes spielen. Insbesondere die oben angesprochenen raeumlichen, technischen und teilnehmerbezogenen Dimensionen eroeffnen ein Potential an Kommunikationsbeziehungen, das durch herkoemmliche Mehrwertdienste mit tendenziell geschlossenen Nutzergruppen in kaum vergleichbarer Weise realisierbar ist. Damit ist die Anzahl der durch eine EDI-via-Internet-Kommunikation erreichbaren Geschaeftspartner um ein Vielfaches hoeher als bei einer herkoemmlichen EDI-Kommunikation ueber VANs oder Punkt-zu- Punkt-Verbindungen.

Ein weiterer Faktor, der fuer Internet als Transportmedium spricht, sind die Uebertragungskosten. Das Versenden der EDI-Nachrichten ueber Internet ist billiger als ueber Mehrwertdienste. So stellte beispielsweise die Firma Avex Electronics vom VAN auf Internet um und konnte dadurch die Kosten fuer die EDI-Kommunikation erheblich senken. Damit scheint das Internet ein geeignetes und effizientes Transportmedium fuer EDI-Anwendungen zu sein. Allerdings gibt es auch Gruende, die dagegen sprechen. Dazu zaehlen - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt - Internet-immanente Unwaegbarkeiten wie das Sicherheitsproblem und moeglicherweise auftretende Schwierigkeiten bei der Uebertragung.

Datenstau gefaehrdet Just-in-time-Sendung

Elektronische Daten und Informationen werden auf ihrem Weg vom Sender zum Empfaenger in vielen Servern zwischengespeichert. Sie sind immateriell und lassen sich unter Umstaenden lesen und veraendern, ohne Spuren zu hinterlassen. Dies ist technisch unproblematisch und wird moeglicherweise weder vom Sender noch Empfaenger bemerkt. Wie kann aber gewaehrleistet werden, dass eine EDI-Message wirklich von demjenigen stammt, der vorgibt, Urheber zu sein? Wie ist sicherzustellen, dass die EDI-Bestellung nicht auf dem Weg zum Empfaenger veraendert wurde? Diese und aehnliche Fragestellungen tauchen unwillkuerlich auf und werfen bekannte rechtliche und sicherheitstechnische Probleme der EDI- Kommunikation wieder auf.

Moegliche Loesungsansaetze liegen zum einen in sogenannten Firewalls, die nur die Datenpakete in das unternehmensinterne Netz passieren lassen, die gewissen Kriterien wie zum Beispiel bestimmten Absenderadressen, genuegen. Eine andere Moeglichkeit, die Daten zu schuetzen, besteht in kryptografischen Barrieren, die eine Verschluesselung der EDI-Nachrichten erlauben. An einem entsprechenden Standard, der es erlaubt, das TCP/IP-Protokoll kryptografisch abzusichern, wird gegenwaertig gearbeitet.

Ein weiteres nicht zu vernachlaessigendes Problem stellt die Datenuebertragung dar. Sie erfolgt in verschiedenen Paketen, deren Uebertragungswege ueber die einzelnen Netzknoten und Server weder vorhersehbar noch nachvollziehbar sind. Problematisch ist nicht nur die Unsicherheit, ob die Datenpakete vollstaendig zusammengesetzt den Empfaenger erreichen. Auch die Gefahr, dass die Pakete im Internet verlorengehen, ist nicht von der Hand zu weisen. Gerade bei EDI-Bestellungen, die Just-in-Time-Sendungen ausloesen, kann der haeufig zitierte "Stau auf der Datenautobahn" erhebliche negative Konsequenzen haben. Bei allen Vorteilen des Internet als offenes Transportmedium fuer EDI-Nachrichten muessen diese hier nur kurz angesprochenen und vielleicht auch weitere, bisher noch nicht absehbare Probleme und Unsicherheitsfaktoren bei der Einfuehrung der Internet-Nutzung beruecksichtigt werden.

Eine andere Moeglichkeit, das Internet in bestehende Geschaeftsprozesse zu integrieren, liegt in der Verwendung als Medium fuer Marketing und Vertrieb. Die Potentiale reichen von reiner Produktinformation und -angeboten bis hin zum Marketing ueber elektronische Kataloge im WWW. EDI kann diese Prozesse sinnvoll unterstuetzen. Voraussetzung ist eine direkte Kopplung der elektronischen Produktkataloge mit dem EDI-System.

Hat sich der Kunde per WWW ueber das Produktangebot informiert und fuer ein Produkt entschieden, wird seine Bestellung automatisch in eine EDI-Nachricht ueberfuehrt und als EDI-Bestellung versendet. Nach der Bestellung und Lieferung kann der Kunde Beschwerden ueber E-Mail an den Lieferanten schicken und somit direkt mit ihm elektronisch interagieren. In einem weiteren Schritt ist die Anbindung des Zahlungsverkehrs per EDI denkbar, so dass auch die mit der Bestellung verbundenen Zahlungsvorgaenge per EDI automatisch durchgefuehrt werden.

Diese Varianten sind insbesondere fuer Unternehmen interessant, die mit ihren Geschaeftspartnern ohnehin per EDI kommunizieren. Sie koennen ihren Kunden einerseits durch elektronische Produkt- oder Teilekataloge im WWW multimediale Produktinformationen geben und koennen anderseits mit ihnen ueber E-Mail kommunizieren. Theoretisch laesst sich das Internet hier als Medium fuer elektronische Produktkataloge, als Kommunikationsplattform und als Uebertragungsweg fuer die dazugehoerigen EDI-Bestellungen nutzen.

Ein dritter Ansatzpunkt fuer eine sinnvolle Ergaenzung beider Konzepte liegt schliesslich in innovativen Formen der Zusammenarbeit, die beide Konzepte effizient unterstuetzen koennen. Internet erlaubt verschiedene Formen einer Kooperation ueber das Netz. Von sogenannten offenen Formen der Zusammenarbeit ist die Rede, wenn jeder Internet-Teilnehmer Mitglied einer Arbeits- oder Diskussionsgruppe werden kann. Ziel dieser Gruppen ist die Diskussion aktueller Problemstellungen und die Erweiterung des Fachwissens.

Das Internet ist kein reines Transportmedium

Im Zusammenhang mit EDI sind diese Formen der Zusammenarbeit weniger relevant. Interessanter sind vielmehr Formen der geschlossenen Zusammenarbeit. Der Zugang und die Teilnahme an diesen Arbeits- und Diskussionsgruppen ist anhand unterschiedlicher Kriterien festgelegt. Vorstellbar ist hier, dass sich Wege der Zusammenarbeit herausbilden, wo der reine standardisierte Datenaustausch ueber EDI erfolgt, der individuelle Problemloesungs- oder Abstimmungsbedarf jedoch ueber E-Mail oder Diskussionsgruppen im Internet laeuft. In diesem Fall fungiert das Internet als Medium zur Kommunikation und Kooperation einerseits sowie als Uebertragungsmedium fuer EDI-Nachrichten andererseits.

Fazit: Gerade die beiden zuletzt angesprochenen Ansatzpunkte fuer eine wechselseitige Ergaenzung beider Konzepte verdeutlichen, dass Internet nicht nur als Transportmedium zu sehen ist, sondern, dass eine Verbindung beider Ansaetze innovative Anwendungen eroeffnet, die zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht noch gar nicht absehbar sind. Dies gilt insbesondere, wenn beide Konzepte staerker in bestehende oder zukuenftige Geschaeftsprozesse integriert werden.

Sicherlich reduziert sich gegenwaertig der Einsatz von Internet auf den Faktor des "Zur-Verfuegung-Stellens" einer offenen Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, die immer mehr potentielle Kommunikations- und Geschaeftspartner vernetzt. Damit leistet das Internet unweigerlich eine sinnvolle Ergaenzung zu EDI. Sollten sich das Netz als infrastrukturelle Basis durchsetzen und die oben in diesem Zusammenhang angesprochenen Schwierigkeiten loesbar sein, kann es durch den offenen und problemlosen Zugang sogar einen erheblichen Schub fuer die EDI-Anwendung und EDI- Ausbreitung geben.

*Dr. Rahild Neuburger ist Mitarbeiterin am Institut fuer Organisation der Ludwig-Maximilians-Universitaet in Muenchen.