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25.08.2000 - 

Die Zukunft des PCs/Können alternative Netzgeräte den PC gefährden?

Internet ohne PC: Konfrontation statt Konvergenz

Welche Zukunft der E-Commerce und das Dotcom-Business haben, liegt nicht zuletzt an der Art des Internet-Zugangs. Wenn die Prognosen stimmen, dass der PC an Bedeutung verliert, stellt sich die Frage, welche der vielen angebotenen Internet-Geräte als echte Alternative gelten können. Von Frank Puscher*

Der Personal Computer ist in der Krise. Die Sättigungskurven nähern sich in fast allen großen Industrienationen ihren Grenzwerten, die Gewinnmargen schwinden. Auch wenn mit PCs derzeit noch stolze Umsätze generiert werden: Die für die Zukunft wichtigen hohen Wachstumsquoten schreibt die Branche derzeit in anderen Segmenten und streicht zudem sogar noch Gewinne ein. Handys, Spielekonsolen und PDAs sind die Computer des Jahres 2000, Settop-Boxen, Internet-Telefone und Wearables sollen nach Aussage einiger Analysten die nächsten Jahre dominieren.

Zurückgehende Zuwachsraten im PC-Verkauf bedeuten indes nicht, dass der Arbeitsplatzrechner ausstirbt. Zu gravierend sind seine Vorteile gegenüber existenten Konkurrenzgattungen, zu effizient das System der Preisgestaltung, getrieben durch eine einzigartige Konkurrenzsituation. Vielmehr zeichnet sich ein klarer Trend zum Zweit- und Drittgerät ab.

Eine wichtige Rolle bei dieser Neuorientierung spielt das Internet. Allerdings haben sich viele verrechnet, die noch vor ein bis zwei Jahren davon ausgingen, PCs könnten künftig ohne Festplatte auskommen und Applikationen aus dem Internet laden. Auf diesem Sektor wurden vor allem die großen Hoffnungen in Java enttäuscht. Die Firmen Applix und Corel standen lange Zeit an der Spitze der Java-Entwicklung, bis beide einsehen mussten, dass das Geschäftsmodell nicht taugt. Beide nennen sich heute E-Commerce-Companies und haben das Java-Business eingestellt oder ausgegliedert.

Oracle entwickelt seinen ThinClient munter weiter. Inzwischen geht das Werkzeug in die dritte Generation. Der Zielgruppenfokus liegt auf Unternehmen, welche die Hardware ihrer Mitarbeiter präziser kontrollieren wollen. Der Thin Client findet seine Nische also gegen das Internet und nicht wegen des Internet.

Dagegen hat der PC vom Internet massiv profitiert. Eine neue Hardware-Ausstattung wurde nötig, vor allem größere Festplatten. Die Leistungsfähigkeit der Systeme wurde durch Multimedia-Anwendungen in einen neuen Leistungsbereich getrieben. Keiner wird daran zweifeln, dass der Windows-PC oder der Mac heute das beste Werkzeug sind, um mit dem Internet zu arbeiten.

Das neue Kleid für die Idee des Thin Client heißt ASP, Application Service Providing. Dank verfügbarer Bandbreite dürfen ISPs in Zukunft nicht nur Leitungen, sondern auch Software vermieten. Diese Programme sind stets aktuell, und für Abstürze zeichnet der Provider verantwortlich. So weit, so gut. Das Problem der ASPs liegt aber darin, dass der Kauf von Standardsoftware häufig automatisch mit dem PC erfolgt. Selbst veraltete Versionen der Office-Serien besitzen eine Funktionsvielfalt, die vom Benutzer nicht ausgereizt wird. Kein Wunder also, dass die ASPs Settop-Boxen als idealen Client anpreisen und den bisherigen Internet-Abstinenzler als Zielgruppe.

Wo bleibt die Konvergenz?Bleibt noch der private E-Commerce, und als idealen Ort dafür haben viele Marketing-Experten das häusliche Wohnzimmer ausgemacht. Genau dort konnte sich der mausgraue PC bisher nicht durchsetzen. Doch auch die Idee vom Internet-fähigen Fernseher hat bisher wenige Freunde gefunden. Viele Hersteller von Settop-Boxen haben in den vergangenen Jahren ihre Produkte wegen mangelnder Nachfrage vom Markt wieder abgezogen. Es stellt sich also die grundsätzliche Frage, ob das Internet als E-Commerce-Plattform tatsächlich in der guten Stube seinen Platz hat. Eine Studie von Intelliquest zeigt, dass nicht E-Commerce die treibende Kraft für Neulinge ist. An erster Stelle steht Informationssuche, an zweiter Neugier. Weiterbildung wird noch von zehn Prozent der Befragten als Grund genannt und damit von fünfmal mehr als Shopping (zwei Prozent).

Dagegen halten die Marktforscher von Forrester Research an ihrer Vision fest: "Der Fernseher wird die wichtigste E-Commmerce-Plattform", erklärt Theresa Torris, die Europa-Direktorin des Instituts. 80 Millionen Nutzer werden sich bis 2005 am interaktiven Fernsehen erfreuen, schätzt man bei Forrester. Der weltweite Umsatz mit dem Medium soll bis 2004 auf knapp 30 Milliarden Dollar anwachsen.

Alle Anbieter von Settop-Boxen mussten in der Vergangenheit die bittere Erkenntnis machen, dass der Absatz der Geräte nur schleppend läuft. Im Media Markt Augsburg wurde nach einem Bericht der CW-Schwesterpublikation Computer Partner innerhalb eines Jahres gerade mal eine "Met@box" an den Mann gebracht. Grundig hat den Start seiner "WB2" erst einmal vertagt, möglicherweise kommt sie gar nicht als Stand-alone-Gerät auf den Markt, sondern als Fernseherbauteil. Inzwischen ahnen viele Anbieter, dass etwas am Konzept nicht stimmt.

Die große Unbekannte in Sachen Internet ist der Anwender. Und der sitzt bislang vor allem passiv in seinen eigenen vier Wänden. Möglicherweise genügt ihm One-way-Fernsehen am Feierabend, während er den ganzen Tag in verschiedenster Form interaktiv ist. Möglicherweise benutzt er auch ein Zweitgerät parallel zum Fernsehen, um Internet-Anwendungen abzurufen. Eine Studie von Dataquest zeigt, dass die Menge der "Doublescreens" drastisch zunimmt. Waren es 1998 erst acht Millionen Benutzer, die beide Medien nebeneinander einsetzen, stieg ihre Zahl im vergangenen Jahr schon auf 27 Millionen. 40 Prozent davon interagierten zumindest einmal pro Woche mit einer Website passend zum laufenden Fernsehprogramm. 82 Prozent der "Tele-Webber" benutzen den Fernseher einfach als Berieselung.

Konvergenz findet nicht stattDie viel beschworene Konvergenz zwischen Fernseher und PC findet heute nicht statt. Vereinzelte Versuche mit interaktiven Spielfilmen scheitern an hohen Produktionskosten und mangelnder Sehbeteiligung. Angebote gar, die Multimedia-Techniken aus der Internet-Welt sinnvoll auf den Fernseher zaubern, gibt es kaum. Met@TV, der exklusive Kanal für Met@box-Surfer, der in der Austastlücke des Fernsehsignals mitgeliefert wird, ist nicht viel mehr als ein Videotext mit bunten Bildchen. Die anderen Anbieter von Boxen oder Internet-Fernsehern wie Grundig, Philips, Loewe, betadigital und Daewoo zeigten auf jeder Funkausstellung und CeBIT-Home der vergangenen drei Jahre mehr oder minder das Gleiche.

Wer hinter die Kulissen des Internet im Wohnzimmer schaut, wird feststellen, dass es da einige Ungereimtheiten gibt. Technische Ungereimtheiten etwa, wie zum Beispiel der dringende Bedarf einer Telefonbuchse in Fernsehnähe. Bei vielen Geräten ist sogar ISDN Pflicht. Auch taugt der Fernseher kaum zur Darstellung hochauflösender grafischer Inhalte.

Was aber viel schwerer wiegt, ist die Tatsache, dass der Fernseher von der Ergonomie her nicht zur Benutzung von Internet-Seiten geeignet ist. Der User sitzt viel zu weit davon entfernt, um kleine Schriften oder Details in Fotos zu erkennen. Die Bedienung von Web-Seiten mit Hilfe einer Fernbedienung ist eine Folter.

Um diesen Widrigkeiten zu begegnen, haben sich die deutsche Fernsehbranche und einige Hardwarehersteller zusammengeschlossen und einen Fernsehstandard für Internet-Seiten entwickelt. Fraglich ist dabei aber, wie viele Web-Anbieter sich einen Nutzen davon versprechen, ihre Seiten für die Plattform Fernseher gesondert aufzubereiten.

Kein Problem mit der Internet-Integration scheinen dagegen die Hersteller von Spielekonsolen zu haben. Sie bauen die Technik einfach ein und liefern sie als "Zusatznutzen" - diejenige Nutzenart, die zur Kaufentscheidung führt. Das Gleiche gilt für die Integration von DVD-Playern. Es macht die Konsolen zu den ganz heißen Anwärtern auf Spitzenplätze im Kampf um das digitale Wohnzimmer. Preislich schenken sich Settop-Boxen und Konsolen nichts, allerdings haben letztere das wesentlich besser ausgeklügelte Geschäftsmodell. Verdient wird nämlich nicht an der Box selbst, sondern an den Spielen, für die Sony, Nintendo und Sega hohe Lizenzgebühren kassieren. Letztlich werden beide Anbieterlager ihre Boxen sogar verschenken, sofern man sich mit ihnen über einen Providervertrag oder ein Spiele-Abo einigt.

Die Spielekonsolen sind dem PC zwei Schritte voraus. Zum einen haben sie den Sprung in die Privatsphäre längst geschafft. Vor allem aber schaffen sie echtes Plug and Play. Sie kümmern sich wenig um älteren Programmbalast und bieten nur eine geringe Zahl an Schnittstellen an. Das macht sie billig und einfach zu bedienen. Diese beiden Argumente darf man getrost als "Sesam-öffne-Dich" für den Massenmarkt ansehen.

Spielekonsolen könnten das TV mit dem PC vermählenRichtig attraktiv werden die Konsolen aber erst, wenn die dahinter steckenden Konzerne die vertikale Integration voran treiben. Sony besitzt hier eine hervorragende Ausgangsposition, weil es auch Multimedia-Inhalte wie zum Beispiel Musik anbieten kann. Bertelsmann könnte sich eine ähnliche Zukunft mit Broadband vorstellen, aber das System läuft im Test in Köln nur auf dem PC. Besser aufgestellt ist AOL Time Warner. Wenn sich der Medienriese mit Sega oder Nintendo verbündet, steht nicht nur Video-on-demand auf dem Fernseher zur Verfügung, sondern auch die Online-Welt des größten Anbieters von Internet-Zugängen.

Bis dahin werden allerdings noch ein paar Daten durch die Modemkabel rauschen. Vorrangig Spieledaten, denn der primäre Einsatzzweck Internet-gebundener Spielekonsolen bleibt das Spielen. Und der große Reiz liegt im virtuellen zwischenmenschlichen Duell.

Microsoft beschreitet bei der Entwicklung seiner Spielekonsole "X-Box" Neuland. Das 2001 erhältliche System verfügt über eine Festplatte, einen Intel-Prozessor und eine Nvidia-Grafikkarte und ist daher eher PC als Spielekonsole. Für die Verbindung zum Netz sorgt eine Ethernet-Karte.

Wenn es Microsoft gelingt, ein echtes Plug-and-Play-System zu einem konkurrenzfähigen Preis auf die Beine zu stellen, dann dürfte die X-Box einen Vorteil gegenüber den bisher üblichen Spielekonsolen haben. Sie kann mit den Ansprüchen des Benutzers mitwachsen und mehr und mehr PC-Funktionalität quasi durch die Hintertür ins Wohnzimmer bringen.

Die Konsolen nutzen das Internet zur Erweiterung des eigenen Aktionsradius. Dabei bleiben die Hersteller zunächst nahe am Kerngeschäft. Blickt man auf den aktuellen Markt für Internet-Zugangsgeräte, scheint diese Strategie das probate Mittel zu sein. MP3-Player benutzen nur einen Ausschnitt des Netzes, ebenso wie digitale Bücher sich mit Texten begnügen. Auch auf PDAs und anderen Kleinrechnern dominieren mit Terminverwaltung und E-Mail Anwendungen, die zwar mit Internet-Architektur arbeiten, sich aber auf kleine grafische Interfaces beschränken.

Der Vorteil derartiger Geräte ist die Reduzierung auf wenige Funktionen. Das macht sie vor allem einfach in der Handhabung. In naher Zukunft sind weitere eindimensionale Geräte zu erwarten, etwa ein E-Mail-Telefon. Vorstellbar wären auch Touchscreens als Schreibtischunterlagen, die sich nur mit Banking und Brokerage beschäftigen.

Microsoft beschreitet mit der X-Box NeulandUnterdessen versuchen Mobilfunkanbieter, das Netz mit Internet-fähigen Handys schmackhaft zu machen. Allerdings steckt WAP noch in den Kinderschuhen, eine echte Konkurrenz zum WWW wird es wegen seiner reduzierten Darstellungsweise wohl nie werden. Erfolgversprechender scheinen da rein sprachbasierende Systeme zu sein. Solange die computergestützte Spracherkennung noch nicht ganz ausgereift ist, werden Call Center weiterhin die erste Wahl für diese Aufgaben sein. Der einfache Anruf bei einem Dienstleister, der dann die notwendige Recherchearbeit unter Zuhilfenahme des Internet leistet, dürfte wohl den höchsten Kundennutzen stiften.

Eindimensionale Geräte mit leichter HandhabungAnstelle einer Konvergenz der Medien erleben wir eine Zersplitterung der Anwendungen. Viele verschiedene Zugangsgeräte bedienen sich des Internet. Immer häufiger verschwindet dabei das WWW als Bediener-Interface, und an dessen Stelle treten haptische Knöpfe oder Software, die auf ganz einfache Benutzbarkeit mit nur wenigen Grundfunktionen zugeschnitten wurde. Was darüber hinausgeht, bleibt Domäne des PCs oder PC-ähnlicher Geräte. Zweifellos wird die Notebook-Dichte auch im Heimbereich weiter zunehmen, was die Mobilität innerhalb der Wohnung ausweiten wird.

Schlüssel zu einer derartigen Internet-Nutzung sind günstige Pauschaltarife und eine einfache Hausvernetzung. Letztere wird nicht mehr über LAN und Kabel realisiert, sondern über eine Funkvernetzung. Der Internet-Zugang kann völlig beliebig über ein Strom-, Telefon- oder Fernsehkabel erfolgen. Die schmalen Bandbreiten, die derzeit noch ein Hemmschuh sind, werden bald kein Kardinalproblem mehr sein. Überdies ist der Deutschen liebste Internet-Anwendung die E-Mail - und die kommt mit vergleichsweise geringer Datenrate aus.

*Frank Puscher arbeitet als freier Journalist und Multimedia-Berater in Hamburg.

Abb: Medienkonvergenz in Frage: Bis PC und TV verschmelzen, wird noch einige Zeit vergehen. Quelle: Strategy Analytics, Market Forecast Multimedia