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16.12.1998 - 

Deutscher Carrier nimmt ISPs aufs Korn

Internet-Provider werfen der Telekom Preis-Dumping im Web-Geschäft vor

MÜNCHEN (fn) - Deutsche Internet-Service-Provider (ISPs) sehen ihre Felle davonschwimmen. Anbieter, die den Dienst "T-Interconnect" des Carriers in Anspruch nehmen, müssen eigenen Angaben zufolge viel mehr für Datenvolumen bezahlen, als die Telekom ihren eigenen Endkunden in Rechnung stellt, wenn sie selbst als ISP auftritt.

Viele deutsche Provider sind über den volumenabhängigen Dienst T-Interconnect an das Backbone der Telekom angeschlossen, da sie nicht über ein eigenes Netz verfügen. Während ISPs rund 200 Mark pro GB Datenvolumen bezahlen müssen, bietet der Bonner Konzern nun im Rahmen einer zeitlich begrenzten Sonderaktion das Paket "Web & go Startup" für Geschäftskunden feil, bei dem die Übertragung von 2 GB Daten für 69 Mark pro Monat zu haben ist. Bei diesem Preisniveau kann Ralf Burger, Geschäftsführer des im emsländischen Haren ansässigen Providers Inside Internet und T-Interconnect-Anwender, nicht mithalten. Allein um die Kosten zu decken, muß er seinen Kunden für die gleiche Leistung 400 Mark in Rechnung stellen. Nach Ansicht Burgers nutzt die Telekom ihr Monopol, um den ISP-Markt in den Griff zu bekommen. Offenkundig kalkuliere der Carrier intern mit anderen Preisen, als er gegenüber den T-Interconnect-Nutzern vorgebe.

Burger ist auf der Suche nach Leidensgenossen, um gemeinsam gegen die Telekom vorzugehen. Darüber hinaus informierte der Geschäftsführer den Internet-Verband Electronic Commerce Forum (Eco) sowie die Regulierungsbehörde. In der gleichen Situation wie Burger sieht sich Michael Lohner. Der Inhaber des Providers Uhlennet (http: www.uelzen.net) aus dem niedersächsischen Uelzen teilte mit, er habe wegen der "Kampfpreise der Telekom" bereits einen wichtigen Kunden an den Ex-Monopolisten verloren. Durch die Sonderangebote des Carriers sieht sich Lohner seiner Geschäftsgrundlage beraubt. Allerdings rechnet sich der ISP wenig Chancen aus, in einem Rechtsstreit gegen die Telekom zu bestehen. Hoffnungen setzt der Manager dagegen in die Regulierungsbehörde: "Es kann nicht angehen, daß die Behörde im Telekommunikationsmarkt für einen fairen Wettbewerb sorgt, während im Internet-Geschäft Firmen verdrängt werden."

Auch Andreas Winter, Geschäftsführer des Lüneburger Providers Sitecom (http://www. sitecom.de), ärgert sich über die "Schieflage" bei den Volumenpreisen der Telekom. Er findet sich nun in der gleichen Misere wieder wie seine Kollegen aus Haren und Uelzen. Selbst bei wohlwollender Betrachtung kommt Winter aufgrund der Preisliste für den T-Interconnect-Dienst auf eine Gebühr von rund 245 Mark für 2 GB und staunt dementsprechend nicht schlecht über den niedrigen Preis des Telekom-Sparpakets.

Telekom-Sprecher Jörg Lammers teilte in einer ersten Stellungnahme mit, daß sich die beiden Dienstleistungen des Carriers nicht vergleichen ließen. Während T-Interconnect ein breitbandiger Zugangsservice sei, handle es sich bei dem Web & go-Paket um ein Web-Hosting-Angebot. Lammers bezeichnete die Vorwürfe als "unhaltbar". Fest steht allerdings, daß mittlerweile vielerorts Telefongesellschaften planen, Internet-Services zu Dumping-Preisen zu verscherbeln. Nicht wenige vermuten hinter diesen Aktionen die Absicht, Konkurrenten vom Markt zu drängen, denn letztendlich wird die Luft für kleine, aber auch für mittelgroße Provider dünn.