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10.12.1999 - 

Compaq, HP und Dell bleiben innovative Konzepte schuldig

Internet-Rechner: Der PC wird neu verpackt

MÜNCHEN (ba) - Hersteller wie Compaq, Hewlett-Packard und Dell wollen mit sogenannten Internet-PCs das alte Konzept des Netzrechners neu beleben. Einfach zu bedienende Computer, die speziell für den Internet-Zugang ausgelegt sind, sollen Kunden locken. Bei genauer Betrachtung unterscheiden sich die Geräte aber kaum von herkömmlichen Billig-PCs.

Die Idee des schlanken Netzrechners ist nicht neu. Bereits vor einigen Jahren brachten Unternehmen wie Sun und Oracle einen "dummen" Network Computer (NC) heraus. Die Rechner ohne Festplatte und eigenes Betriebssystem waren darauf ausgelegt, Daten aus dem Netz darzustellen. Die PC-Branche reagierte mit sogenannten Net-PCs, die den Kunden niedrigere Betriebskosten (Total Cost of Ownership) versprachen. Damals gingen die Kunden nicht darauf ein. Weder der NC noch der Net-PC haben sich bislang durchsetzen können. Die PC-Branche boomte und Käufer ließen sich nur durch immer leistungsfähigere Rechner anlocken. Ein flügellahmer Netzrechner paßte nicht in den Markt.

Wegen der wachsenden Bedeutung des Internet sieht die Situation heute anders aus. Mit einem Mal zaubern fast alle großen PC-Hersteller sogenannte Internet-Appliances aus ihrem Produktportfolio hervor. Darunter verstehen Compaq, Hewlett-Packard, Dell und Co. einfach zu bedienende Rechner, deren Hauptaufgabe es sein soll, von zu Hause und vom Büro aus den Weg ins Netz zu ebnen.

Den Anfang machte Compaq mit dem "Ipaq". Der Rechner, der mit seinem Design auffällig an Compaqs Windows-based Terminals "T-1000" und "T-1500" erinnert, soll im Januar für knapp 500 Dollar auf dem US-Markt erscheinen. Ein Monitor ist im Preis nicht mit inbegriffen. In Deutschland plant Compaq die Markteinführung zur CeBIT 2000. Der Preis steht noch nicht fest.

Unterschiede zu einem herkömmlichen PC gibt es wenige. Der Ipaq arbeitet mit Intel-Prozessoren (Celeron oder P-III mit 500 Megahertz Taktrate), einer 6-GB-Festplatte und soll mit Microsofts neuem Betriebssystem Windows 2000 ausgerüstet werden. Lediglich ISA- und PCI-Steckplätze fehlen. Außerdem stattet Compaq seinen Ipaq in der Standardvariante nur mit USB-Schnittstellen aus.

Wenn ein Kunde jedoch serielle oder parallele Schnittstellen haben möchte, bekommt er sie auch. Über den "Multibay"-Wechselschacht lassen sich CD-ROM-, DVD- oder ein LS-120-Laufwerk an den Rechner anschließen. Damit besteht die Möglichkeit, Floppy-Disks einzulesen und zu beschreiben.

Noch im Februar dieses Jahres schilderte der Hersteller in einem Konzeptpapier ein Gerät wie den jetzt vorgestellten Ipaq als Hybridrechner, der im Grunde einen PC ohne Floppy-Laufwerk und Erweiterungsschächte darstellt.

Außerdem schleppe dieses Modell die typischen PC-Krankheiten weiter mit sich herum, heißt es dort: Die Hardware veralte relativ schnell, Komponenten wie zum Beispiel die Festplatte seien fehleranfällig, und weil Applikationen wie Daten lokal gehalten werden, könne man auch nicht auf die entsprechende Administration vor Ort verzichten, auch wenn diese remote über das Netz funktioniert.

Andreas Lechner, Direktor der Commercial Personal Computing Group (CPCG) bei Compaq, verteidigt sein jüngstes Kind. Mit der Netzfähigkeit und der lokalen Rechenleistung erfülle man die Anforderungen des Marktes. Die Kunden verlangten nach wie vor, daß beispielsweise das Office-Paket lokal auf dem Rechner läuft, erzählt der Manager.

Als Vorteil des Compaq-Rechners wertet Thomas Reuner, Analyst der Gartner Group, den Versuch der Texaner, Unternehmen für zwölf Monate eine stabile Plattform ohne Treiberwechsel oder Updates zu garantieren. Dieses Argument, das Anwendern deutlich geringere Betriebskosten verspricht, könnte dem Ipaq bei seinem Marktstart helfen. Inwieweit Compaq sein Versprechen einhalten kann, muß man jedoch erst einmal abwarten, sagt Reuner. In preisempfindlichen Bereichen habe das Gerät aber durchaus Chancen.

HPs Initiative bleibt vorerst undurchsichtigHewlett-Packard will mit dem "E-PC" im Frühjahr nächsten Jahres ein ähnliches Modell herausbringen. Der Rechner soll kleiner und günstiger als ein herkömmlicher Desktop-PC sein. Genauere Spezifikationen liegen bislang noch nicht vor. Aus firmeninternen Quellen verlautete, das Gerät lasse sich nicht aufrüsten, werde mit einem bunten Design ausgestattet und etwa so groß wie ein Wörterbuch sein.

Die HP-Strategie "E-PC Corporate Appliance Initiative" bleibt allerdings schwammig. Der E-PC soll "ein einfacher zu bedienendes, zuverlässigeres und mehr auf die spezifischen Bedürfnisse der Anwender ausgerichtetes PC-Gerät" sein. Wie dieser Vorsatz verwirklicht werden soll, darüber schweigt sich HP aus. Angesichts der Ähnlichkeit des E-PCs mit dem herkömmlichen PC-Modell mit Prozessor, Festplatte und eigenem Betriebssystem sind Zweifel an den Marketing-Aussagen durchaus angebracht.

Compaq und Hewlett-Packard adressieren mit den neuen Rechnern die professionellen Anwender. Nach Einschätzung von Compaq funktioniert der Internet-Zugriff in den Unternehmen momentan zu 90 Prozent über herkömmliche PCs. Spezielle Netz-Appliances machen die übrigen zehn Prozent aus. Bis zum Jahr 2005 soll sich dieses Verhältnis umkehren, glauben die Verantwortlichen in Houston. Eine Begründung für diese Trendwende bleiben die Compaq-Manager allerdings schuldig.

Pluspunkte sammeln der Ipaq und E-PC durch ihre geringe Größe, glaubt Reuner. Der Einfluß des Formfaktors, der vor allem in Japan eine große Rolle spielt, werde auch in Europa in Zukunft immer wichtiger. Auch das Design beeinflusse die Kaufentscheidung immer mehr.

Dieses Argument will Wolfgang Widmann, DV-Leiter der Stadt Neckarsulm, so nicht gelten lassen. Das Äußere des Rechners sei unwichtig. Ergonomische Aspekte dagegen würden durchaus berücksichtigt. Hier spielt die Größe des Geräts eine Rolle, aber auch andere Faktoren wie zum Beispiel störende Geräusche durch Lüfter. Mit den Celeron- und Pentium-III-Chips wird man da beim Compaq-Gerät wohl Abstriche hinnehmen müssen.

Wie sich das Geschäft mit den Netzrechnern auf das übrige PC-Business auswirken wird, darüber können die Hersteller noch nichts sagen. Compaq-Manager Lechner räumt ein, daß es eindeutige Überschneidungen gibt und der Ipaq dem Desktop-Markt Anteile wegnehmen wird. Wieviel, wisse man jedoch noch nicht.

Anders als Compaq und HP, die das Unternehmensgeschäft bedienen wollen, visiert Dell mit seinem "Web-PC" den Consumer-Markt an. Dieses Segment ist Neuland für den im texanischen Round Rock ansässigen Direktanbieter. Für die Vermarktungsstrategie des mit Intel-Prozessoren, Festplatten und einem Windows-Betriebssystem ausgestatteten Rechners haben die Texaner bei Apple abgekupfert. So wird es den Web-PC in fünf Farben geben. Der I-Mac läßt grüßen. Außerdem erinnert der Werbespruch "I was born to think" eindeutig an Apples "Think different".

Auch der Dell-Rechner hinterläßt keinen innovativen Eindruck. Mit seiner Hardware- und Software-Ausstattung entspricht das Gerät einem herkömmlichen PC. Die bunten Farben machen noch kein neues Konzept aus. Genausowenig revolutionär ist der im Preis inbegriffene Zugang zum Dellnet und der sogenannte E-Support, über den sich die Anwender laut Hersteller per Knopfdruck mit den Supporttechnikern verbinden lassen können.

Den Web-PC, der in den USA bereits zu haben ist, gibt es in festgelegten Konfigurationen zwischen 1000 und 2400 Dollar. Ab nächstem Jahr soll der neue Dell-Rechner weltweit vermarktet werden. Die Verantwortlichen in Texas versprechen sich von dem neuen Geschäftsbereich "Web Products Group" in den nächsten Jahren Einnahmen in Höhe von zehn Milliarden Dollar.

Andreas Mahl, Produkt-Manager bei Dell, relativiert jedoch die Pläne seines Firmenbosses. Für den deutschen Markt müsse man die Positionierung des Web-PC noch einmal genau prüfen. In diesen Äußerungen schwingt die Befürchtung mit, der Web-PC könnte ein zu schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

John Gold, Analyst der Meta-Group, bezeichnet den Web-PC als großes Experiment für Dell. Unverständlich sei jedoch, warum der Direktanbieter auf Windows 2000 als zukünftiges Betriebssystem setze. Damit reihe sich Dell in die PC-Evolution ein, die zu überfrachteten und schwer bedienbaren Systemen geführt habe. Viele andere PC-Hersteller hielten mittlerweile die Augen nach Alternativen zu Windows offen.

Tony Bonadera, Produkt-Manager für den Web-PC, verteidigt die Dell-Strategie. Man dürfe die Kunden nicht mit zuwenig Leistung enttäuschen. Deshalb setze der Direktanbieter auf Intel-Prozessoren und Windows, erklärt Bonadera. Mit seiner These läßt der Manager jedoch die eigene Marketing-Blase platzen. Denn diese Argumente kennt man nur zu gut aus dem PC-Geschäft.

Gartner-Analyst Reuner glaubt dennoch, daß der Dell-Rechner eine Chance haben könnte. Die entscheidenden Faktoren seien die PC-Funktionen, die der Web-PC nach wie vor mitbringt, sowie das ansprechende Design. Der I-Mac habe gezeigt, daß das Äußere des Rechners eine wichtige Rolle spielen kann, erklärt Reuner.

Hat IBM die bessere Strategie?

Auch IBM plant bereits für die sogenannte Post-PC-Ära. Allerdings verzichten die Armonker auf großes Marketing-Getöse. Die Eon-Strategie (Eon = Edge of the network) wirkt durchdachter als die der Konkurrenz. Big Blue definiert Eon als Kombination von Hardware, Netzverbindungen und Services.

Der Weg in das neue Zeitalter soll drei Stationen haben: Im ersten Quartal 2000 soll das Konzept offiziell eingeführt werden. Darauf folgt eine Stufe, während der verschiedene Nicht-PC-Designs im Markt ausprobiert werden sollen. Das soll in der zweiten Jahreshälfte 2000 geschehen. Produkte, die diese Testphase bestehen, sollen in der dritten Stufe 2001 auf den Markt kommen.

Analysten befürchten jedoch, daß sich der Hersteller in fruchtlosen Konzeptstudien verlieren wird. IBM-Verantwortliche weisen diesen Vorwurf zurück. Bereits im April 2000 soll das Eon-Projekt starten und erste Produkte herauskommen. IBM will stärker vom alten PC-Konzept abrücken als die Konkurrenz. So sollen neue Sicherheits-Features eingebaut werden, und die Geräte sollen über drahtlose Verbindungen miteinander kommunizieren können. Auch Zukunftskonzepte wie "Wearable PCs" sollen in das Projekt eingebunden werden. Und zuletzt will Big Blue verstärkt nach Alternativen zum Windows-Betriebssystem Ausschau halten.

Konsolen - die neue Konkurrenz

Die Idee, mit einfach zu bedienenden Geräten die Verbreitung des Internet zu forcieren, ist ebenfalls nicht neu. Set-top-Boxen, Webpads und andere Geräte sollen das Internet aus den Arbeits- in die Wohnzimmer bringen. Doch ein Patentrezept haben die Hersteller bislang noch nicht gefunden.

Neue Konkurrenz kommt aus der Entertainment-Ecke. Unternehmen wie Sony und Nintendo haben angekündigt, die zukünftigen Generationen ihrer Spielekonsolen mit Internet-Funktionen auszurüsten. Da diese Geräte weit verbreitet sind, beurteilen Experten die Chancen der Konsolen, sich als zukünftiges Internet-Zugangsgerät im Wohnzimmer zu etablieren, als vielversprechend. Peter Glaskowsky vom "Microprocessor Report" glaubt, daß dem TV-Gerät als Informationszentrum im neuen Jahrtausend eine noch größere Rolle zukommen wird. "Und wer weiß: Vielleicht erinnert sich in zehn Jahren niemend mehr daran, daß das Internet zuerst die Domäne der PCs gewesen ist", lautet die für das PC-Geschäft düstere Vorhersage von Glaskowsky.