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11.04.1997 - 

Gelingt der Vorstoß in den Business-Markt?

Internet-Telefonie befindet sich am Scheideweg

Das Vorhaben, mit Internet-Telefonie-Produkten in den Business-Bereich vorzudringen, steckt noch in den Anfängen und stößt nicht auf ungeteilten Optimismus. "Internet-Telefonie ist im Moment nur etwas für Privatkunden", äußerte beispielsweise Klaus Pfleiderer, Geschäftsführer bei PP Com, einem Hersteller von Nachrichten-Vermittlungs-Systemen in Alsdorf. Die Übertragungsqualität im Internet lasse noch zu wünschen übrig.

Viele sehen die Probleme bei der Internet-Telefonie nicht in der angebotenen Software. "Zuerst müssen die Provider optimal miteinander kommunizieren", sagte Hartmut Bauer, Marketing-Manager bei Computime, Landsberg. Ansonsten könne der Verbindungsaufbau sehr lange dauern. Sobald der Kontakt stabil sei, werde auch Computime Internet-Telefonie-Lösungen ins Angebot aufnehmen.

Derlei Schwierigkeiten erwartet der ABC Bücherdienst aus Regensburg allerdings nicht: Die Online-Buchhandlung will ab April 1997 die Betaversion einer Intranet-Telefonie-Lösung von Lucent Technologies Inc. für die Vernetzung der Telefonsysteme zwischen Deutschland und den USA einsetzen. Das Unternehmen verfügt über eine Internet-Standleitung von 2 Mbit/s in Regensburg und 43 Mbit/s in Boca Raton, Florida. "Für eine Firma, die diese Leitungen erst anschaffen müßte, würde es sich wohl nicht rentieren", vermutet Michael Gleissner, Geschäftsführer der Niederlassung in Florida.

Bei einem Test hat er keinen Unterschied zu einem normalen Telefongespräch bemerkt. Der Versuch sei allerdings auch nur innerhalb von New Jersey unternommen worden, schränkt Gleissner ein. Als Grund für die gute Qualität nennt er, daß das Lucent-Produkt mit eigenen Chips zur Sprachkompression arbeitet, während PC-Produkte diese rechenintensive Aufgabe mit Hilfe von Software auf Intel-Prozessoren vollziehen, die dafür gar nicht optimiert seien.

"Die Lösung ist in erster Linie für den Kontakt mit Kunden gedacht", erläutert Gleissner. Nach 18 Uhr sollen deren Anrufe automatisch in die USA vermittelt werden, ohne daß für die Transatlantik-Verbindung Kosten anfallen. In Deutschland sei es nämlich schwierig, nachts geeignetes Personal zu bekommen. Auf die weiteren Erfahrungen mit dem Projekt ist auch er gespannt: Falls Bandbreiten-Engpässe auftreten, würden Gespräche unterbrochen. Gleissner zeigt sich jedoch optimistisch, weil das Unternehmen über Leitungen mit verhältnismäßig großer Bandbreite verfüge.

Das Lucent-Produkt ist nicht das einzige, das den Business-Bereich ansprechen soll: Vocaltecs "Telephony Gateway" sowie die Voice-over-IP-Produkte von Micom Communications zielen in die gleiche Richtung. Das Telephony Gateway ermöglicht Anrufe von einem Telefon zum anderen, indem es die Lücke zwischen Public Switched Telephone Network (PSTN) und dem Internet überbrückt. Das Produkt verknüpft nach Angaben der israelischen Company die Bequemlichkeit des herkömmlichen Telefonierens mit den geringeren Kosten der Internet-Telefonie.

Seine Funktionsweise läßt sich wie folgt darstellen: Der Benutzer wählt das Gateway von einem beliebigen Telefon aus an. Ein Interactive-Voice-Recording-(IVR-)System fordert zur Eingabe der gewünschten Telefonnummer auf, leitet den Anruf über das Internet an ein zweites Gateway und von dort zum Zieltelefon weiter. Vorausgesetzt, die Telefone an beiden Enden sind mit ihren Gateways über eine Nebenstellenanlage verbunden, fallen laut Vocaltec außer für die Internet-Verbindung keine Gebühren an. Zusätzlich zur Verbindung von Telefon zu Telefon sind auch Anrufe von Telefon zu Computer, von Computer zu Telefon und von Web-Browser zu Telefon möglich.

Die Voice-over-IP-Lösung "V/IP" von Micom Communications aus Kalifornien kann in Deutschland über die Telemation Netzwerk AG, Oberursel, bezogen werden. V/IP richtet sich primär an Unternehmen, die bereits IP-Netzwerke (basierend auf Router-Technologie) zur Verbindung von Außenstellen und Zentrale einsetzen. Durch die Installation von V/IP können diese Firmen nach Auskunft von Telemation ihr Intranet auch zur Übertragung von Sprache und Fax nutzen und damit Kosten sparen. V/IP kommt entweder auf einem PC unter DOS oder im File-Server unter Netware oder Windows NT zum Einsatz. Das Produkt besteht aus einer Einbaukarte, die die Hardware zur Sprachkomprimierung enthält, und der Call-Routing-Software. Mit V/IP von Micom werden bestehende TK-Anlagen in das IP-Netz integriert. Von jeder Nebenstelle aus kann der Benutzer dann über das IP-Netz telefonieren und faxen, die Bedienung bleibt die gleiche.

Bei Angeboten wie Faxen über das Internet oder Voice-Mail spielen Faktoren wie die Übertragungsqualität und -geschwindigkeit keine so große Rolle wie beim Telefonieren. Deshalb haben diese Produkte zunächst bessere Chancen, Einzug in die Unternehmen zu halten. Sie könnten dort als Wegbereiter für die Internet-Telefonie dienen.

Faxdienste via Internet vor dem Durchbruch

Die Meinung, dem Faxdienst über Internet werde schnell der Durchbruch gelingen, vertritt auch die Unternehmensberatung Arthur D. Little, Berlin. "Die bis zu zwei Sekunden Verzögerung, die bei Gesprächen über das Internet auftreten, sind für den Faxversand irrelevant", nimmt Werner Knetsch, Vice-President von Arthur D. Little, Stellung. Besonders der Auslandsmarkt sei für Sprach- und Faxübermittlung via Internet wichtig. Das Marktforschungsunternehmen IDC sieht in nächster Zeit die größten Potentiale in den Anwendungen für Fax über das Internet und Sprache über das Unternehmens-Datennetz.

Die allgemeine Situation auf dem Markt für Internet-Telefonie ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich. In den Vereinigten Staaten habe sich der Markt für Internet-Telefonie und Video-Conferencing im vergangenen Jahr - zumindest für ihr Unternehmen - positiv entwickelt, konstatiert Brigitte Fontaine, International Marketing Communications Manager bei White Pine Software. Das Unternehmen stellt die Video-Conferencing-Software "CU-See Me" her. "Die Deutschen sind allerdings vorsichtiger mit neuen Technologien", dämpft sie den Optimismus. Eine Revolution steht in deutschen Unternehmen demnach nicht gleich an, auf lange Sicht hat die Internet-Telefonie aber zumindest für spezielle Anwendungen Vorteile.

Abzuwarten bleibt, welchen Einfluß die vollständige Öffnung des TK-Marktes in Deutschland auf die Entwicklung der Preise hat. Prinzipiell jedenfalls ist Internet-Telefonie nach Informationen des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation auch schon vor dem 1. Januar 1998 erlaubt: Das Gesetz beschränke lediglich die Sprachvermittlung in Deutschland. Finde diese im Ausland statt, könne niemand etwas dagegen einwenden. Zum anderen gelte Internet-Telefonie nicht als Echtzeitverfahren, auch wenn die auftretenden Verzögerungen sehr gering seien.

Trotzdem scheint die Deutsche Telekom AG, Bonn, den Neuentwicklungen auf dem Gebiet des Telefonierens über das Internet gelassen gegenüberzustehen. Auf absehbare Zeit werde Telefonverkehr über das weltweite Computernetz nur eine "kleine Alternative" zum herkömmlichen Telefonat bleiben, äußerte ein Telekom-Sprecher. Bereits jetzt gilt das Internet als überlastet. Kämen Millionen Telefonkunden dazu, würde es noch enger, begründete er.