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28.05.1999 - 

Die Object World steht auf dem Abstellgleis

Internet World Berlin: Der Mittelstand hatte das Sagen

MÜNCHEN (CW) - Mittlerweile ist das Online-Interesse offenbar auch im Mittelstand groß genug, um eine ganze Messe zu tragen. Die diesjährige Internet World in Berlin jedenfalls konzentrierte sich auf kleinere Unternehmen und Startups. Diese zeigten, daß sie durchaus im internationalen Wettbewerb bestehen können - sofern sie starke Partner finden.

Lange Zeit drehte sich beim Internet-Business alles um wenige große Namen wie Amazon.com, Dell, IBM, Microsoft, Intershop und andere. Mittlerweile aber wird das Internet als Vertriebskanal nicht nur bei den großen Playern ernst genommen, sondern zunehmend auch im Mittelstand. Kleinere Unternehmen brauchen jedoch häufig keine aufwendigen und teuren Gesamtkonzepte. Sie suchen nach praxisorientierten Lösungen, mit denen sie ohne großes Risiko neue Geschäftsfelder testen können und die sich flexibel und ohne Aufwand in bestehende Infrastrukturen integrieren lassen.

Selbstverständlich waren auch in Berlin die großen Player vertreten. Geprägt aber wurde die Messe von kleineren deutschen Anbietern, die sich nur durch innovative Ideen und flexible Lösungen am Markt behaupten können und ihr Publikum im Mittelstand suchen. Im Mittelpunkt standen Shopping-Produkte, die einen kostengünstigen Einstieg in den E-Commerce ermöglichen. Die Aeon Virtual Shopping Services GmbH aus Stuttgart beispielsweise präsentierte ebenso wie Beans Industry aus Weilheim eine Java-basierte Shop-Lösung.

Martin Fischer, Gründer und Geschäftsführer von Beans Industry, sieht deutsche Shop-Anbieter auf dem europäischen Markt klar besser positioniert als die US-Konkurrenten. "Amerikanische Hersteller richten ihre Produkte meist vollkommen auf ihren Heimatmarkt aus", so Fischer. Deutsche Hersteller hingegen seien vertraut mit den besonderen Gegebenheiten des gerade erst zusammenwachsenden europäischen Markts und den damit verbundenen E-Commerce-Bedürfnissen hiesiger Anbieter. Sie zeichneten sich daher durch höhere Flexibilität ihrer Produkte aus. Dadurch, daß eine Shop-Software mit bestimmten Grundmodulen relativ einfach zu entwickeln ist, haben die Käufer allerdings auch die Qual der Wahl. Zur Zeit streiten sich viele kleine Fische um die Häppchen, die der Branchenriese Intershop liegenläßt. Langfristig haben Anbieter von Standard-Shop-Software daher nur eine Chance, wenn sie sich national und auch international etablieren können. Und dazu brauchen sie Geld.

Beans selbst war nach Angaben von Fischer schon "beinahe die Luft ausgegangen", als die Firma in der LBB Seed Capital Fund GmbH aus Berlin einen Geldgeber fand, der über die Durststrecke des ersten Jahres hinweghalf. Dann ging alles sehr schnell. Sechs Monate nach der Firmengründung wurde Beans im Juli 1998 von Bundespräsident Roman Herzog als erfolgversprechendstes Startup-Unternehmen ausgezeichnet und ist mittlerweile mit Vertriebspartnern in Großbritannien und Schweden international präsent. Für Anfang kommenden Jahres ist der Börsengang geplant.

Die Messeveranstalter hatten mit der "Capital Venture World" im Rahmen der Internet World in Berlin auf den Trend zur Risikofinanzierung reagiert, um zusammenzuführen, was zusammengehört: Geldgeber und Gründer mit innovativen Konzepten. Die Stimmung dort war von großem Optimismus geprägt. Nach allgemeiner Bekundung sind die Rahmenbedingungen für Existenzgründungen hierzulande, auch was Venture-Kapital betrifft, so gut wie nirgendwo sonst in Europa. Laut "Handelsblatt"-Redakteur und Messe-Moderator Andreas Bohne ist das Internet zu mindestens 80 Prozent das zentrale Geschäftsfeld der neuen Gründergeneration. Für Interessenten hält der Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK, www.bvk-ev.de) Informationen bereit.

Weniger rosig war die Stimmung auf der in die Internet World integrierten Object World. Die Veranstaltung rund um objektorientierte Produkte und Lösungen geriet in ihrem achten Jahr endgültig zur Randerscheinung - diesmal in Form eines vielleicht 250 Quadratmeter großen Pavillons mit begleitendem Kongreßprogramm. Von den angekündigten 70 Ausstellern waren lediglich etwa 15 mit eigenen Ständen vor Ort. Susanne Teichert, zuständig für Corporate Communications bei der Micram Object Technology GmbH, Bochum, übte sich in Galgenhumor: "Es war auf jeden Fall besser als im letzten Jahr." Deutlich mehr Besucher hätten ihren Stand besucht - allerdings wären sie wohl kaum allein wegen der Object World gekommen, so Teichert. Das spricht für die Integration in die Internet World. Nicht zufrieden zeigte sich dennoch Roberto Zicari, President des Object-World-Organisators Log-On. Er rückt das von den Messehallen räumlich getrennte Kongreßprogramm in den Mittelpunkt und wünscht sich für das kommende Jahr eine größere Nähe von Kongreß und Ausstellung, um mehr direkte Object-World-Besucher anzulocken.

Hier sind die Organisatoren der Internet World am Zug, die sich ein gewisses Chaos vorwerfen lassen müssen. So hatten die Aussteller es schwer, einen Ansprechpartner für ihre Probleme zu finden. Auch gab es einigen Unmut wegen der undurchsichtigen Vergabe von Räumlichkeiten, für die der Veranstalter Communic die Messegesellschaft Berlin verantwortlich machte. Aber auch Besucher hatten Grund zur Klage. Beispielsweise war es bis zuletzt nicht möglich, ein Verzeichnis der einzelnen Veranstaltungsräume zum Kongreßprogramm zu erhalten. So kam es, daß Aussteller sich über den Zulauf frustrierter Kongreßbesucher freuen durften.