Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Internet World: Neue Tools und Player Wachsender Sicherheitsbedarf im WWW eint Online-Konkurrenz

27.04.1995

CW-Bericht, Joachim Hackmann

SAN JOSE - Am suedlichsten Rande des Silicon Valley wurde auf der Internet World 95 das World Wide Web (WWW) zum kuenftigen Superstar des elektronischen Kommerzes gekuert. Die Sicherheit und effektivere Nutzung des Internet waren wichtige Themen der Messe in San Jose - Hoehepunkt war jedoch die Ankuendigung der Terisa System Inc., die Sicherheitsstandards S-HTTP und SSL zu verschmelzen.

Die Tragweite der Terisa-Ankuendigung laesst sich aus der Liste der beteiligten Unternehmen ermessen. Das Joint-venture der Enterprise Integration Technologies Corp. sowie der RSA Data Security Inc. hat als finanzkraeftige Investoren die vier untereinander konkurrierenden Online-Anbieter Compuserve, American Online, IBM, am Markt praesent mit ihrem Global Network, und deren Tochter Prodigy

gewinnen koennen. Die Partner stecken Geld in die Initiative, um ein einheitliches und marktdominierendes Sicherheits-Tool auf den Markt zu bringen. Durch ihr Engagement werden die vier Konkurrenten neben den beiden Gruendern gleichberechtigte Anteilseigner an Terisa. "Es wird jedoch nicht nur investiert", so John Patrick, Vice-President der IBM Internet Applications Group, "sondern auch Know-how transferiert."

Fuer die groesste Ueberraschung sorgte allerdings die Beteiligung der Netscape Communications Corp., Entwickler und Anbieter des neben dem Terisa-Produkt Secure Hypertext Transfer Protocol (S-HTTP) zweiten am Markt etablierten Sicherheitsprotokolls Secure Sockets Layer (SSL). Das Unternehmen investiert in gleicher Weise in Terisa und stellt ebenso eigene Techniken und Know-how zur Entwicklung eines aus den beiden bestehenden aktuellen verschmolzenen Sicherheitsprotokolls zur Verfuegung. Damit ist die Basis zur Gestaltung einer einheitlichen Loesung geschaffen, die die Interoperabilitaet der darauf aufsetzenden Programme sicherstellt. Bereits im Juni dieses Jahres soll ein erstes Toolkit am Markt erscheinen, das zusaetzlich mit der Verschluesselungstechnologie von RSA ausgestattet wird.

Ausgefeilte Sicherheitsmechanismen sollte das Internet unbedingt bieten, denn die Kommerzialisierung und auch der Transfer kritischer Daten haben in der "Mutter aller Netze" nach wie vor Hochkonjunktur. Sinnbildlich fuer die verlorene Unschuld des Internet war die Professionalitaet und Vermarktung der Internet- Messe durch den Veranstalter Mecklermedia, der in Hollywood-Manier einen Internet-Award vergab. In zwei der sieben Preisklassen kuerte die Jury die Yahoo Inc. zum Sieger, ein kleines, von zwei Studenten der Stanford-Universitaet gegruendetes Unternehmen. Die beiden Youngster gewannen den Internet-Oskar in der Sparte "Outstanding Service" und in der Koenigskategorie "Best of Internet".

Ueberzeugt wurde das Preisgericht von dem Tool "Yahoo", das dem wachsenden WWW-Server-Aufkommen und der daraus folgenden Informationsflut mit ausgekluegelten Suchmechanismen begegnen soll (zu finden unter http://www.yahoo.com). Anders als vergleichbare Online-Fuehrer wie etwa der "Global Network Navigator" von O´Reilly

& Associates oder die "WWW Virtual Library", die Textmuster auf verschiedenen WWW-Servern entdecken, bewertet und sortiert Yahoo die zusammengetragenen Informationen.

Bei den Service-Providern, die fuer Internet-Interessenten bisher Anlaufstellen fuer den Zugang zum Netz waren, sorgte der kalifornische Online-Event fuer boese Vorahnungen: Es wird Konkurrenz von groesserem Kaliber als die bisherigen Player im Internet-Markt geben. Online-Anbietern wie Compuserve, American Online, Prodigy oder auch IBM Global Network sind die enormen Zuwachsraten der Internet-Gemeinde nicht entgangen. Um sich das Geschaeft nicht durch den Internet-Boom verderben zu lassen, schwimmen sie der Einfachheit halber mit der Masse mit und bieten ihren Kunden neben dem eigenen Online-Service auch einen Internet- Account, notfalls auch ausschliesslich letzteren, an.

Dennoch sollte die Groesse und Marktpraesenz nicht zu dem alles entscheidenden Kriterium fuer die Wahl eines Service-Providers werden. "Suchen Sie sich den Provider aus, der ihren Belangen entspricht", riet Catherine Smith, President bei Uunorth International, den Messebesuchern waehrend einer Konferenz, "denn die Internet-Dienstleister bieten nicht nur den Internet-Zugang an." Im Portfolio der Anbieter sind beispielsweise Services wie Schulungen, Enduser-Support oder auch das Design und die Realisierung der Home-Page fuer den Kunden enthalten.

Gewarnt wurde vor schwarzen Schafen unter den Internet- Dienstleistern. So berichtete ein vom Anbieter getaeuschter Konferenzbesucher ueber seine speziellen Erfahrungen mit einem Service-Provider. Dieser versprach dem Geprellten Hochgeschwindigkeits-Zugriffe auf das Internet, so dass sich der Anwender eine T1-Leitung mietete, um keinen Flaschenhals beim Informationstransfer ins eigene Haus zu bekommen.

WWW als Medium fuer Marketing und Verkauf

Nach einer Phase des Staunens ob der langsamen Geschwindigkeit, mit der die Daten das eigene Unternehmen erreichten, stellte der Anwender fest, dass der Internet-Anbieter selbst ueber keine Hochgeschwindigkeits-Infrastruktur verfuegte. "Besuchen Sie den Anbieter persoenlich", warnte der Geprellte die Teilnehmer der Konferenz, "und lassen Sie sich die Raeumlichkeiten sowie die IT- Installation zeigen."

Die Erfahrungen des US-Anwenders sollten jedoch nicht davon abschrecken, das Internet zu nutzen, denn gerade das WWW wurde auf der Messe als Marketing- und Verkaufsmedium der Zukunft gehandelt. So gab es neben der Ausstellung mit knapp 180 Teilnehmern und etwa

17000 Besuchern zahlreiche Foren, in denen die Referenten Tips und Tricks fuer die effektive Werbung und den Handel im weltweiten Netz vermittelten. Vorrangiges Problem fuer den Anwender mit einer Home- Page, der mit diesem grafisch gestalteten WWW-Dienst Kunden informieren, werben und zum Kauf animieren moechte, ist es, die Aufmerksamkeit des Internet-Surfers zu erregen. Bei immer mehr WWW-Servern und dem staendig wachsenden Angebot ein schwieriges Unterfangen.

Beispielhaftes Marketing gestand Jill Ellsworth, Senior Partner bei Oak Ridge Research, dem US-Carrier Sprint zu, der seine Adresse zusammen mit den Ergebnissen der Fussball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA ins Netz stellte. Auch Kunstwerke animieren den Info-Suchenden, die WWW-Seiten anzuwaehlen, allerdings ist die Zugangsfrequenz allein kein Erfolgsmass fuer eine Home-Page, wichtig ist es, den Besucher zu halten. Die Home-Page sollte daher viele Informationen bieten, auf keinen Fall jedoch ueberladen werden.

Auch grafische Elemente muessen genau dosiert werden, denn Besucher, die minutenlang auf den Bildschirmaufbau warten muessen, werden abgeschreckt. Ausserdem sollte der eigene Uniform Resource Locator (URL), die WWW-Adresse, ueberall praesent sein. "Beteiligen Sie sich an Diskussionsrunden und sorgen Sie fuer die Aufnahme in Listen wie ´Whats hot´ oder ´Whats new´", forderte Ellisworth die Messebesucher auf. Wichtig sei es auch, WWW-Werbung mit Marketing- Massnahmen in anderen Medien zu verbinden und so fuer die Verbreitung der URL zu sorgen.

Eine interessante WWW-Adresse duerfte die von Commercenet sein (http://www.commerce.net), einem Konsortium, das in verschiedenen Arbeitsgruppen die Realisierung von Electronic Data Interchange (EDI) via Internet und den sicheren Transfer von Daten wie Kreditkartennummern zum Ziel hat. Ferner veroeffentlichte die Non- Profit-Organisation ein Pilotprojekt, das die Verschluesselungstechnik von RSA, dem Terisa-Mitbegruender, verwendet und darauf basiert, dass sich beide Kommunikationspartner gegenseitig zum Datenaustausch autorisieren.

"Heute lassen sich Datenuebertragungen mit SHTTP oder SSL sichern, wenn Sie mich allerdings fragen, ob Kreditkarten-Informationen gestohlen werden koennen, muss ich mit ´Ja´ antworten", sagte Andrew Parker, Director bei der Spyglass Inc. Die gesamte Sicherheitsdiskussion werde derzeit theoretisch gefuehrt, was Unternehmen jedoch nicht davon abhaelt, demnaechst elektronische Geschaefte via Internet abzuwikkeln. Vermutlich muessen noch viele Internet-Surfer Lehrgeld zahlen, bevor die Sicherheitstechniken ausgereift sind.