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26.10.1990 - 

Anwender und Hersteller halten an TCPIP fest

Interop '90 bestätigt den Trend zum Internetworking

SAN JOSE (pg) - Klasse statt Masse wurde den Besuchern der Interop '90 im kalifornischen San Jose geboten. Bei der Anwender-orientierten Messe, die sich mehr und mehr zu der Internetworking-Institution schlechthin mausert, standen vor allem die Themen OSI, FDDI, TCP/IP und Netz-Management im Brennpunkt.

Wohltuend hat sich die Fachmesse nahe des Silicon Valley von Massenveranstaltungen wie der CeBIT unterschieden. Der Grund: Nicht die Aussteller standen im Mittelpunkt der Messe, sondern die Interessen der Anwender. In zahlreichen Workshops wurden aktuelle und akute Themen zur Interoperabilität behandelt.

Vermutlich liegt gerade in diesem Konzept des Interop-Begründers Daniel Lynch, der Erfolg der Messe. Was 1986 mit der Einladung der Top-Ingenieure von über 100 Equipment-Herstellern zu einer Konferenz über TCP/IP und Architekturen begann, hat sich in nur fünf Jahren zu einer anerkannten Fachmesse für Networking ausgewachsen. Lynch witterte damals den Bedarf und den Wunsch nach offenen Systemen und beschloß, die Konferenz fortan als Messe unter dem Motto "lnteroperabilität" zu veranstalten.

Dieser Leitlinie sind die Aussteller verpflichtet. So ist zum Beispiel für jeden Anbieter die Teilnahme am Messe-Netz Pflicht, um gegenüber dein Besucher den Nachweis der Kompatibilität zu anderen Herstellern zu führen. Wegen der jüngsten Standardisierung bestand das diesjährige Messe-Netz ans einem FDDI-Backbone und zwei 10Base-T-Netzen.

Die Hersteller haben diese Prämisse offenbar akzeptiert. Über 200 waren dieses Jahr auf der Messe vertreten, darunter alles, was im Bereich Networking Rang und Namen hat. Indiz für die zunehmende Bedeutung der Interop ist ferner, daß viele Unternehmen ihre Internetworking-Produkte nicht auf der Networld in Dallas, sondern in San Jose präsentierten.

Tatsächlich, so einige Beobachter, deutet vieles auf eine wachsende Konkurrenz zwischen beiden Ausstellungen hin. Zukünftig rechnen die Marktbeobachter mit einer Spezialisierung der Networld auf LAN-Produkte, wohingegen die lnterop das Feld des Internetworking für sich einnehmen wird. Daß Interoperabilität ein Thema der Zeit ist, beweisen die Besucherzahlen. Sie stiegen bei der Interop von 5000 im ersten

Ausstellungsjahr 1987 auf nahezu 20 000 in diesem Jahr.

Lebhaftes Interesse, so war von den Herstellern und Besuchern zu erfahren, fanden insbesondere die sogenannten Internetworking-Produkte, wie Bridges, Router und Gateways. "Wir haben Router von Cisco eingesetzt, um unsere ehemals vollig blaue Welt zu öffnen", erklärte Paul Casazza, Technikal Analyst der Versicherungsgesellschaft Liberty Mutal, die Bedeutung dieser Produkte für das Aufbrechen homogener Strukturen. Casazza weiter: "Für uns ist es einfach ökonomischer, nicht mehr nur mit den IBM-Mainframes 3090 und 9,4 MIPS zu arbeiten, sondern statt dessen die DEC-Station 3100 einzusetzen." Die bringe, so der Netz-Analyst, mit 14 MIPS mehr Leistung und sei außerdem billiger als der 1,6 Millionen Dollar teure IBM-Host.

Die meisten NeuentwickIungen dieser Produktkategorie waren, wie zu erwarten, auf die Integration der Standards FDDI und 10Base-T ausgerichtet. So Präsentierten zum Beispiel die Cabletron System Inc. und die BICC Data Networks Inc. FDDI-Ethernet-Bridges sowie die Advanced Computer Communications ein 10Base-T-Interface für seine Bridges und Router der Serie 4000. Chip-Produzent Advanced Micro Devices gab die Freigabe seines FDDI-Chips Supernet bekannt, mit dem Applikationen ohne Modifikation auch über Kupfer laufen können. Außerdem stellte die amerikanische Firma Tekelec mit Chamelan

100 eigenen Angaben zufolge das erste Test-System für LANs mit dem Glasfaser-Standard vor.

Deutlich wurde auf der Interop aber auch, daß TCP/IP als Übertragungsprotokoll weiterhin nicht wegzudenken ist. Zahlreiche Hersteller bieten in ihren Produkten zwar Migrationspfade zu OSI TP4 an, die Bereitschaft der Kunden, ihre relativ negativ TCP/IP-Installationen aufzugeben, ist allerdings sehr gering.

Trotzdem nahm OSI auf der Interop breiten Raum ein. Nahezu alle Hersteller bekannten sich zur Unterstützung offener Standards und präsentierten wenigstens ein OSI-Produkt, überwiegend X.400 und FTAM. IBM verwies auf seine September-Ankündigungen, und Unisys nutzte die Interop, um eine Woche nach der Vorstellung seiner neuen Networking Architekture erste Produkt-Prototypen vorzuführen.

SNMP im Mittelpunkt

Zweifellos stand in Sachen heterogene Spezifikationen jedoch das Simple Network Management Protocol (SNMP) ins Mittelpunkt der Messe. Das für Internetworking konzipierte Management-System auf der Basis von TCP/IP wird von Herstellern wie Ungermann-Bass, Banyan, 3Com oder Cabletron als Übergangslösung zum OSI-Netz-Management mit den Protokollen CMIP und CMIS gesehen und unterstützt.

Neben SNMP fand auf der Interop ein Produkt von Network General, das in Richtung Netz-Management geht, besondere Aufmerksamkeit. Das Unternehmen stellte seinen WAN Synchronous Sniffer Analyser vor, mit dem erstmals der Datenfluß von LAN-Applikationen in WAN-Umgebungen kontrolliert und analysiert werden kann.

Balsam für die Anwender-Seele

Es ist ja schon die Regel, daß in unaufhaltsamen Wellen der neueste Schrei aus Amerika über den größen Teich zu uns herüber in die Alte Welt schwappt. Viel Unsinn ist dabei, wenig Brauchbares. Es wäre jedoch Balsam für die geplagten CeBIT- und Systems-Seelen (oder -Füße) hierzulande, wenn ein Messekonzept - wie das der Interop - den Weg zu uns finden würde.

Klein, aber fein, unterschiedet sie sich wohltuend von jener orgiastischen Massenveranstaltungen, die rein auf die Interessen der Aussteller gerichtet sind, die Bedürfnisse der Anwender jedoch völlig aus den Augen verloren haben. Anders die Interop in San José. Dort profitiert der User erstens von der Spezialisierung der Messe auf das DV-Bedürfnis der Gegenwart schlechthin, nämlich auf die Interoperabilität.

Zweitens werden in Seminaren laufend brandaktuelle Theme und Probleme des Networkings im Detail erörtert. Drittens schließlich sind die Aussteller gezwungen, dem Kunden im Messe-Netz die Kompatiblität ihrer Produkte unter Beweiß zu stellen.

Die Spezialisierung kommt aber offentsichtlich auch bei den Herstellern gut an. Nicht umsonst tummelte sich auf der Interop alles, was in der Szene Rang und Namen hat, und bekannten sich alle Austeller zu offenen Standards und heterogenen Systemen. Natürlich schossen dabei einige Hersteller in ihrer "OSI-Schönfärberei" über das Ziel hinaus. Die Behauptung von IBM zum Beispiel, SNA sei nach den OSI-Ankündigungen im September eine offene Architzektur, trieb selbst den eingefleischtesten IBM-Jüngern die

die Schamesröte ins Gesicht. Ebenso ist die Behauptung von Unisys mit Vorsicht zu genießen, die neue Networking Architekture sei OSI-konformer als die der Konkurrenz. Aber wenn die Kirche auch nicht immer im Dorf gelassen wurde, so stimmt doch die Quintessenz der Interop optimistisch: Der Aufbruch in die offene Systemwelt hat begonnen.

pg