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08.08.2003 - 

200 Mitarbeiter müssen gehen

Intershop greift zum letzten Strohhalm

MÜNCHEN (CW) - Der E-Business-Spezialist Intershop hat seine Anfang Juli angedeuteten Pläne konkretisiert, mit denen das drohende Ende aufgehalten werden soll. Außer Entlassungen hat die Company jedoch keine Optionen aufzeigen können.

Das Problem der Jenaer ist die Geschwindigkeit, mit der die einst üppigen Bargeldreserven schrumpfen. So startete die Company in den vergangenen Berichtszeitraum mit einer Gesamtliquidität von 16,7 Millionen Euro, Ende Juni verfügte Intershop nur noch über 10,8 Millionen Euro. Würde der Verbrauch nicht gedrosselt, wäre rechnerisch spätestens im vierten Quartal Schluss - da ein Großteil der Reserven jedoch Berichten zufolge als Mietkaution gebunden ist, droht das Ende bereits im laufenden Quartal.

Als Rezept gegen die Insolvenz hat sich Intershop für Entlassungen entschieden. Von den zuletzt knapp 450 Mitarbeitern sollen nur rund 250 an Bord bleiben. Für den Rest errichtet das Unternehmen eine Beschäftigungsgesellschaft in Jena. Ziel ist es, die Gesamtbetriebskosten im Schlussquartal auf etwa sieben Millionen Euro zu drücken. Die Aufwendungen beliefen sich im zweiten Quartal auf 12,6 Millionen Euro, zwei Millionen Euro weniger als noch in der ersten Berichtsperiode des Jahres und mehr als fünf Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum.

Allerdings sanken nicht nur die Kosten, sondern auch die Umsätze der Softwerker drastisch. Von April bis Juni nahm Intershop nur noch 5,6 Millionen Euro ein nach 6,4 Millionen Euro im direkten Vorquartal. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte sich der Umsatz noch auf 12,1 Millionen Euro belaufen. Von den zuletzt eingenommenen 5,6 Millionen Euro stammten 1,5 Millionen Euro aus dem Lizenzgeschäft, der Rest wurde mit Services erwirtschaftet.

Ähnlich düster sieht es beim Ergebnis aus. Zwar konnte der Nettoverlust gegenüber dem direkten Vorquartal um 22 Prozent reduziert werden, das Minus betrug dennoch 6,6 Millionen Euro. Dies war sogar mehr als vor genau einem Jahr; das Nettodefizit hatte sich im zweiten Quartal 2002 auf 5,8 Millionen Euro belaufen.

Für das Gesamtjahr stellte das Unternehmen einen Umsatz von 25 Millionen Euro in Aussicht. Auf Seite der Gesamtbetriebskosten sollen 40 bis 45 Millionen Euro anfallen - das Verhältnis erinnert an beste New-Economy-Zeiten. Um das drohende Ende abzuwehren, sucht Intershop weiter nach einem Geldgeber, der die Liquidität und Kapitalausstattung des Unternehmens verbessert. Man spreche mit einer Anzahl von internationalen Finanz- und strategischen Investoren, sagte Intershops neuer Vorstandsvorsitzender Jürgen Schöttler. (ajf)

Abb: Ein schlechtes Quartal nach dem anderen

Kaum noch Substanz übrig: Intershop musste in den vergangenen Berichtszeiträumen stets große Teile seiner Geldreserven einsetzen. Quelle: Intershop