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15.02.2002 - 

Ein Drittel der Belegschaft muss gehen

Intershop: katastrophale Verluste

MÜNCHEN (CW) - Der ehemalige Shooting-Star der IT-Szene, die Intershop Communications AG aus Jena, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001 Verluste von 131,8 Millionen Euro bei einer Umsatzhalbierung auf 68,65 Millionen Euro zu verzeichnen. Die Belegschaft von weltweit 733 Mitarbeitern wird bis Ende des zweiten Quartals 2002 auf 500 reduziert.

Intershop-Mitgründer und Chief Operating Officer (COO) Wilfried Beeck sowie Europa-Chef Michael Tsifidaris müssen ebenfalls gehen. Ziemlich sicher scheint zu sein, dass der Standort Hamburg aufgegeben wird und alle Aktivitäten auf Jena konzentriert werden. Intershop hat im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres (Ende: 31. Dezember 2001) den Umsatzerlös gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres fast gedrittelt und auf 11,66 Millionen Euro reduziert. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen und sonstigen Aufwendungen belief sich auf minus 25 Millionen Euro.

Im Jahr zuvor hatte der Quartalsverlust noch bei 33,4 Millionen Euro gelegen. Der Konzernverlust nach Abschreibungen und Aufwendungen im Quartal summiert sich auf 24,69 Millionen Euro (2000: 32 Millionen Euro). Für das Gesamtjahr muss Intershop katastrophale Zahlen bekannt geben. Die Verluste vor Aufwendungen und Abschreibungen betragen 133,5 Millionen Euro und sind damit mehr als dreimal so hoch wie noch im Vorjahr (40,75 Millionen Euro). Der Konzernverlust nach Aufwendungen und Abschreibungen im Jahr 2001 beträgt 131,8 Millionen Euro (2000: 38,9 Millionen Euro). Der Verlust pro Aktie für das gesamte Jahr 2001 hat sich auf 1,57 Euro mehr als verdreifacht (2000: 0,46 Euro).

Schon vor der Bekanntgabe der Ergebnisse war in dem schwer angeschlagenen Unternehmen Beeck und Tsifidaris der Stuhl vor die Tür gesetzt worden. Offiziell nennt Intershop das zwar beschönigend "eine Verschlankung der Organisation von der obersten bis zur untersten Ebene", die mit einer "Verflachung der Management-Hierarchien einhergeht und schlankere, effizientere Abläufe ermöglicht".

Doch trotz aller Beteuerungen Beecks im Vorfeld der Ergebnisbekanntgabe, sein Ausscheiden habe nichts mit einem zu erwartenden schlechten Quartalsergebnis oder einer gescheiterten Geschäftsstrategie zu tun, stellen sich die Begleiterscheinungen seiner Demission etwas seltsam dar: Nach den vorliegenden Informationen hat es einen unternehmensinternen Machtkampf zwischen Beeck und seinem Gründungskompagnon Stephan Schambach gegeben. Danach soll der Aufsichtsrat, dem der ehemalige Compaq-CEO Eckhard Pfeiffer vorsteht, mit Blick auf die unbefriedigende Geschäftsentwicklung personelle Konsequenzen gefordert haben. Die Rede war auch davon, Intershop-CEO Schambach zu ersetzen. Letzterer hat sich offensichtlich zumindest vorerst retten können. Er wird Beecks Aufgaben übernehmen.

Neben Beeck nimmt auch Europa-Chef Michael Tsifidaris seinen Hut. Die Aufgaben des Ex-IBMers übernehmen Schambach und zum Teil Bernhard Marbach, der nach einer krankheitsbedingten einjährigen Pause nun zu Intershop zurückkehrt. (jm)