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COO Beeck: "Man darf keine Wunder erwarten"


16.03.2001 - 

Intershop rechnet mit langsamer Besserung

FRANKFURT/M. (ajf) - Die Softwarefirma Intershop hat begonnen, das finanziell schlechte Jahr 2000 zu verdauen. Neben strategischen Umstrukturierungen gibt es auch einen Wechsel im Management. Trotzdem werden für 2001 weiterhin hohe Verluste erwartet.

Auch wenn es in der Berichterstattung so geklungen hat: Intershop-Gründer und CEO Stephan Schambach zieht sich nicht aus dem Unternehmen zurück. "Das Gegenteil ist der Fall", meinte Ex-Finanzvorstand Wilfried Beeck auf der Bilanzpressekonferenz des Softwarehauses vergangene Woche in Frankfurt. "Ex-Finanzvorstand" ist Beeck deshalb, weil er ab sofort als Chief Operating Officer (COO) für das Tagesgeschäft von Intershop verantwortlich sein wird (weitere Informationen zum Wechsel siehe Seite 157).

Der Grund für die Personalie um die COO-Position war das schlechte vierte Quartal des letzten Geschäftsjahres. In den Monaten Oktober bis Dezember brach das amerikanische Geschäft von Intershop ein, was von der Führungsriege scheinbar zu spät erkannt wurde. Allein im vierten Quartal gab das Softwarehaus in den USA noch 1025 Euro für Marketing-Aktivitäten aus, um 1000 Euro Umsatz zu erzielen.

Plus und Minus in RekordhöheAuf dem Papier blieben weltweit für Intershop im Jahr 2000 Umsätze von 123 Millionen Euro stehen, die Verluste beliefen sich auf 38,9 Millionen Euro. Dabei wurden beide Werte auf einen neuen "Rekord" gesteigert, denn im Vorjahr konnten 46,3 Millionen Euro umgesetzt werden, und das Minus hatte 18,4 Millionen Euro betragen. Im Ergebnis enthalten sind Forderungsausfälle in Höhe von 6,1 Millionen Euro, davon 3,5 Millionen Euro in den USA durch bankrotte Kunden.

Verantwortlich für die USA-Krise war laut Beeck die nachlassende Konjunktur sowie das Dotcom-Sterben. Die jungen Firmen hätten im Internet-Bereich Druck auf die Konzerne der Old Economy ausgeübt, wodurch diese gezwungen gewesen seien, im Web nachzuziehen. Dies habe sich Beeck zufolge nun verzögert, weshalb er auch im ersten Halbjahr nicht mit steigenden Umsätzen in Nordamerika rechnet. Eine schnelle Besserung sei dort nicht in Sicht: "Man darf in den USA keine Wunder erwarten", denn die Kunden verhalten sich immer noch zurückhaltend. Wie lange die Durststrecke andauern wird, wollte Beeck nicht prognostizieren.

Da die globalen Kunden von Intershop aber eine weltweite Präsenz des Unternehmens verlangten, werde man sich nicht aus dem US-Markt zurückziehen und zudem das Asien-Geschäft forcieren. Allerdings lege man laut Beeck künftig mehr Wert auf Partnerschaften, um die Software an den Anwender zu bringen. Rund 200 Mitarbeiter in den USA sind deshalb bereits entlassen worden, für das gesamte Unternehmen strebe Intershop um die 1200 Mitarbeiter und damit etwas mehr als gegenwärtig an.

Für das laufende Jahr rechnet die Softwarefirma mit Umsätzen zwischen 120 und 140 Millionen Euro. Davon sollen rund 20 Prozent in den USA gemacht werden. Der Verlust - gestiegen durch Abfindungen für entlassene Mitarbeiter - werde ähnlich wie im vergangenen Jahr um die 40 Millionen Euro betragen. Zu eventuell anhängigen Sammelklagen enttäuschter Investoren in den USA äußerte sich Beeck zurückhaltend. Er habe davon nur aus der Presse erfahren, eine konkrete Klage liege dem Unternehmen noch nicht vor.