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19.01.1996

Interview/"Alle unsere Produkte werden auf das WWW ausgerichtet"

CW: Borland Inc. konzentrierte sich in letzter Zeit wieder auf seine Entwicklungswerkzeuge und zog sich aus dem Applikationsgeschaeft zurueck. Das Unternehmen will sich nun mit Internet-Software ein zusaetzliches Standbein verschaffen. Wie muss Borland seine Produktstrategie aendern, damit es mit seinen Internet-Ambitionen erfolgreich sein kann?

Gross: Wir betrachten das Internet nicht getrennt von LANs und Client-Server-Technologie, sondern sehen starke Ueberschneidungen zwischen diesen Bereichen. Uns interessiert das Netz vor allem als neue Entwicklungsplattform. Es besteht nach unserer Ueberzeugung eine enorme Nachfrage nach der Entwicklung von Internet- Anwendungen.

Fuer die Programmierung von solchen Applikationen werden wir uns auf zwei Schwerpunkte konzentrieren: Der eine liegt auf Java- basierten Tools, der andere auf unserer Datenbanktechnologie. Letztere umfasst Interbase und die Borland Database Engine. Fuer Interbase sehen wir gute Chancen als Internet-taugliche Datenbank.

CW: Wie werden die Java-Tools aussehen?

Gross: Wir arbeiten unter dem Codenamen "Latte" an einer Java- Entwicklungsumgebung, mit der sich netzwerkzentrierte Anwendungen erstellen lassen. Sie wird Delphi darin gleichen, dass sie mit den gleichen visuellen Programmiermethoden Rapid Application Development (RAD) unterstuetzt. Die Entwicklung erfolgt wieder auf der Basis von Formularen, auf die per Drag and drop Kontrollelemente plaziert werden koennen. Der Programmierer unterlegt anschliessend diese Elemente mit dem dazugehoerigen Code. Es wird fuer C++- und Delphi-Anwender nicht schwierig sein, auf dieses Tool umzusteigen. Die Programmiersprache selbst ist naeher mit C++ als mit Object Pascal verwandt.

CW: Wie will Borland bestehende Tools wie beispielsweise Delphi fuer das World Wide Web einrichten?

Gross: Unsere Internet-Strategie besteht darin, alle unsere Entwicklungswerkzeuge so anzupassen, dass Web-Browser-Funktionen einfach in jede Anwendung integriert werden koennen. Zusaetzlich sollen unsere Programmier-Tools fuer die Anbindung an Windows-NT- basierte Web-Server erweitert werden. Damit sollen sich fuer Web- Server Datenbankzugriffe abwickeln und bei Bedarf dynamische Hypertext-Markup-Language-(HTML)-Seiten einrichten lassen.

Alle unsere Produkte werden auf das World Wide Web ausgerichtet, denn es ist von wesentlicher strategischer Bedeutung fuer unsere Kunden.

CW: Soll aus Interbase ein Web-Server werden ?

Gross: Wir sind nicht der Meinung, dass sich Borland in das Web- Server-Geschaeft begeben sollte. Uns liegt daran, dass wir unsere Tools auf die Web-Server anderer Hersteller abstimmen, um deren Wert durch nahtlos angepasste Zusatzprogramme zu erhoehen. Fuer unsere traditionellen Programmierwerkzeuge wie Dbase, Paradox, C++ und Delphi ergibt sich im Internet die Chance, die Funktionalitaet von Web-Servern auszubauen.

CW: Wo sehen Sie nach dieser Vorstellung den Platz fuer Visual Dbase und Paradox?

Gross: Die beiden Produkte zielen auf verschiedene Anwendungsbereiche. Visual Dbase ist weiterhin fuer den Xbase- Programmierer gedacht. Man koennte es auch als das moderne PC- Aequivalent zu Cobol betrachten.

Paradox hingegen wendet sich an eine breitere Anwenderschicht als Dbase. Das Produkt ist so ausgelegt, dass es fuer Nutzer vom Endanwender ueber den Poweruser bis hin zum Entwickler geeignet ist. Nach unserer Meinung gibt es einen Synergieeffekt zwischen Paradox und Delphi. Wir haben festgestellt, dass Paradox-Anwender zunehmend auf Delphi umsteigen. Sie entwickeln dann die eigentliche Anwendung in Delphi, benutzen Paradox aber weiterhin, um Eingabemasken zu generieren und um Funktionen einzubauen, mit denen die Endanwender das Aussehen des Programms und Reports veraendern koennen. Entsprechend werden wir versuchen, diesen Synergieeffekt zu verstaerken. Die naechsten Versionen von Paradox werden durch eine staerkere Verschmelzung mit Delphi gekennzeichnet sein, wobei sich fuer den Poweruser ein geradezu natuerlicher Uebergang zu Delphi ergeben soll.

CW: Sie wollen aber beide Produkte beibehalten?

Gross: Ja, definitiv.

*Mit Borlands Vice-President fuer Forschung und Entwicklung, Paul Gross, sprach Mike Ricciuti von der CW-Schwesterzeitschrift "Infoworld".