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15.01.1999 - 

Interview

Interview "Auf Manager wirkt ein Data-Warehouse häßlich"

Mit Bernard Liautaud, CEO von Business Objects, sprach Redakteur Michael Vizard von der amerikanischen CW- Schwesterpublikation "Infoworld".

CW: Die Aufbereitung und Analyse von Unternehmensdaten gestaltet sich für die meisten Firmen schwierig. Wo liegen die Hauptprobleme?

Liautaud: Neben Auswahl und Installation der erforderlichen Softwarelösungen bringt vor allem die Organisation der Informationen diverse Probleme mit sich. Die Datenhaltung orientiert sich in der Regel nicht an den Bedürfnissen der Manager, sondern gehorcht den Gesetzen der IT-Abteilung, wo vornehmlich Wert auf die Performance des Systems gelegt wird.

CW: Welche Herausforderungen ergeben sich für Anwender?

Liautaud: Als erstes müssen die Daten gesammelt und bereinigt werden. Der Aufwand für die Pflege ist nicht zu unterschätzen. Zweitens muß ein Zugang zu den Informationen geöffnet werden. Daten, auf die ich nicht zugreifen kann, lassen sich auch nicht auswerten. Sind diese Probleme hinreichend beseitigt, kommt es auf zwei Aspekte an: Was kann das System leisten, und wie lassen sich Abfragen formulieren. IT-Abteilungen und Anwender müssen gemeinsam eine Umgebung erschaffen, in der beide Seiten sinnvoll mit den Informationen umgehen können.

CW: Viele Firmen ziehen daraus die Konsequenz, Datenbestände redundant vorzuhalten: einmal für die Produktion und ein zweites Mal für das Management.

Liautaud: Dieses Dilemma rührt von den unterschiedlichen Anforderungen her, die Unternehmensbereiche an die verfügbaren Informationen richten. Jede IT-Abteilung will vermeiden, daß rechenintensive Abfrageprozesse ihre geschäftskritischen Anwendungen ausbremsen. Darüber hinaus können die Manager nur selten etwas mit Daten anfangen, die sie sich umständlich aus einem Produktionssystem besorgen müssen. Sie wollen grafisch aufbereitete Analysen sowie historische Entwicklungen quasi auf Knopfdruck und legen nur geringen Wert auf Echtzeitinformationen.

CW: Sind produktive Systeme und Data-Warehouses zwei unterschiedliche Bereiche in der Unternehmens-IT?

Liautaud: Ich glaube schon. Das Thema Business Intelligence reicht weit über die reinen IT-Belange hinaus. Bereichsleiter für Entscheidungsunterstützung und Business Intelligence werden künftig im Topmanagement essentielle Funktionen ausüben. Dabei sind Unternehmensentscheidungen zu fällen, die mit den heutigen Kernaufgaben der IT-Abteilung nichts zu tun haben. Es ist jedoch wichtig, die Harmonie zwischen den beteiligten Gruppen zu gewährleisten. Der Prozeß gleicht einer Gratwanderung zwischen Kontrolle und Unabhängigkeit.

CW: Als erstes wurden Data-Warehouses entwickelt, dann kleinere Data-Marts. Wie setzt sich die Entwicklung fort, und wo sind die Lösungen von Business Objects in diesem Zusammenhang angesiedelt?

Liautaud: Wir versehen den Analyseprozeß mit einer Maske. Für den Business-Anwender ist das Gesicht eines Data-Warehouse ziemlich häßlich. Managern ist es egal, ob sie auf ein Data-Warehouse oder ein Netz von Data-Marts zugreifen - es ist alles kompliziert. Für sie geht es um die Erkenntnis, wozu das System in der Lage ist, was ihnen die Software für ihre Entscheidungen bringt. Lassen sich die Informationen aus verschiedenen Richtungen betrachten? Was ist mit Drill-down-Fähigkeiten oder Slice and dice? Für diese Anwender ist es nebensächlich, was sich im Hintergrund abspielt. Über eine zusätzliche semantische Schicht können Nutzer unserer Tools betriebswirtschaftliche Schlagworte hinterlegen und gezielt ihre Daten danach analysieren.

CW: Microsoft entwickelt unter dem Codenamen "Plato" ein eigenes Olap-Modul (Olap = Online Analytical Processing) für seine Datenbank "SQL Server". Wächst der Druck für Sie?

Liautaud: Nein, denn Microsoft konzentriert sich lediglich auf die Strukturen im Back-end-Bereich. Wir hingegen liefern ein einheitliches Front-end zu allen Anwendungen, die im Hintergrund laufen. Das ist der Mehrwert unserer Lösungen, denn die Zahl der unterschiedlichen Applikationen in Unternehmen wächst beständig weiter.

CW: Wie beurteilen Sie die Auswirkungen des Internet auf die Datenanalyse?

Liautaud: Die Veränderungen durch das Web sind gewaltig. Kein Unternehmen will mehr herkömmliche Client-Server-Lösungen einsetzen. Alle größeren Implementierungen, die mir bekannt sind, werden nachhaltig von einer Internet-Strategie beeinflußt.