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29.03.1996

Interview/"Bandbreite muss bezahlbar sein"

CW: Wie beeinflusst der Trend zu Internet und Intranets kuenftig die klassischen IS-Abteilungen?

Gates: Der Begriff des Internet wird in absehbarer Zeit endgueltig zum Synonym fuer die Aussenbeziehungen eines Unternehmens zu Kunden und Lieferanten werden. Innerhalb der kommenden zwei Jahre duerfte jedoch noch etwas ganz anderes fuer Furore sorgen - naemlich Intranets als neue Basis fuer das Information-Sharing innerhalb der einzelnen Firmen.

CW: Wie laesst sich dieses Szenario realisieren?

Gates: Ganz einfach. Mit der WWW-Sprache HTML hat sich bereits ein, wenn man so will, neues Datenkommunikations-Protokoll etabliert, und kuenftige Betriebssystem-Generationen werden ein umfassendes Directory mit Sicherheits-Tools beinhalten.

CW: Einige Ihrer Wettbewerber fuehren ins Feld, dass die Begriffe Internet und Intranet im Prinzip nichts anderes als Server- orientiertes Computing mit vergleichsweise dummen Clients bedeuten, Microsoft aber gerade in diesem Marktsegment wenig zu bieten hat.

Gates: Wir verkaufen deutlich mehr Lizenzen fuer Server-Software als alle diejenigen, deren Aussagen hier zitiert werden. Im uebrigen kann ich das Gerede von der angeblichen Renaissance des dummen Terminals beim besten Willen nicht nachvollziehen. Web- Browser sind heute die gefragtesten Anwendungen auf dem PC. Wer mit Audio-Files im Internet arbeitet, benoetigt mehr Memory- Kapazitaet als bei den sogenannten produktivitaetsorientierten Applikationen. Wir waeren also als Software-Unternehmen schlecht beraten gewesen, diesem Trend nicht Rechnung zu tragen. Nicht umsonst hat Microsoft bei Windows 95 Browser und Betriebssystem in einer Oberflaeche integriert.

CW: Wenn Internet-Browser zu einem standardmaessigen Feature von PC- Betriebssystemen avancieren, was geschieht dann mit den traditionellen Application-Suites? Werden es die Anwender mit einem Wirrwarr an Subsets zu tun bekommen?

Gates: Nein. Die Anwender sind nicht im geringsten daran interessiert, sich ihre Systemkomponenten von irgendwoher zusammenzukaufen, ohne ein hinreichendes Mass an Funktionstuechtigkeit und Supportgarantie. Das waere genauso, als wenn man ab morgen dazu uebergehen wuerde, die Automobilbranche als einen Komponentenmarkt zu begreifen - frei nach dem Motto: Hier kaufe ich als Privatmann meine Vorderachse, dort meinen Bordcomputer, und dann lass uns mal sehen, wie daraus ein Auto wird.

CW: Weil die Bandbreite nicht ausreicht, reden viele IS-Manager im Zusammenhang mit dem Internet vom beruehmten Flaschenhals.

Gates: Hier gilt es zunaechst, Ursache und Wirkung voneinander zu trennen. Viele Anwender migrieren derzeit zu Fast Ethernet und ATM. Ein Schritt uebrigens, zu dem man sie nur beglueckwuenschen kann. TCP/IP als Uebertragungsprotokoll, 100-Mbit/s-Ethernet im Front-end-Bereich sowie ATM als LAN-Backbone - der beruehmte Flaschenhals wird also eher im Wide Area Network zu suchen sein.

CW: Was koennen die oeffentlichen Netzbetreiber tun, um dort die Situation zu verbessern?

Gates: Zunaechst einmal koennten sie ihre Preise, zum Beispiel fuer ISDN, senken. Ich gebe zu, ein frommer Wunsch. Genauso wie der, dass Intel immer schnellere Chips baut.

CW: Das loest aber doch nicht das eigentliche Problem.

Gates: Doch, zumindest wenn man davon ausgeht, dass Bandbreite nicht nur vorhanden, sondern auch bezahlbar sein muss.

CW: Wird das Internet zur Gefahr fuer die grossen internationalen Carrier?

Gates: So weit wuerde ich nicht gehen. Allerdings duerften die Grenzen zwischen oeffentlichen und privaten Wide Area Networks oder auch unternehmensweiten Corporate Networks immer fliessender werden. Beide Netzkategorien werden in zunehmendem Masse Internet- Protokolle verwenden, und das World Wide Web kann sicherlich mehr als heute die Rolle einer oeffentlichen Kommunikations- Infrastruktur uebernehmen. Vieles wird davon abhaengen, inwieweit die Sicherheitsprobleme geloest und die Anwender auf fuer sie massgeschneiderte Services im Internet zugreifen koennen. Gelingt dies, werden immer mehr IS-Manager feststellen, dass es auch ohne Mietleitungen funktioniert.

Mit Microsoft-Chef Bill Gates sprachen die IDG-Redakteure Sandy Reed und Michael Vizard.