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12.02.1999 - 

Interview

Interview "Datenbanken sind keine Commodity-Produkte"

Mit Robert Finocchio, President, CEO und Chairman der Informix Software Inc., sprach CW-Redakteur Alexander Deindl

CW: Seit Ihrem Amtsantritt Anfang 1998 laufen die Geschäfte bei Informix anscheinend wieder besser. Wie können Sie sich den Umschwung erklären, zumal sich an der Produktlinie selbst kaum etwas verändert hat?

FINOCCHIO: Die Strategie für unsere Produkte ist klarer als früher. Heute wissen wir einfach, was wir sein wollen, wenn wir groß sind.

CW: Und das wäre?

FINOCCHIO: Früher hat Informix ständig versucht, Oracle nachzueifern. Jetzt versuchen wir, anders als Oracle zu sein.

CW: Inwiefern?

FINOCCHIO: Oracle ist ein Generalist. Die Company konkurriert mit SAP, Baan, Microsoft, Peoplesoft und dem Rest der Welt. Wir dagegen bleiben unserem Datenbankfokus treu. Applikationen und klassische Middleware beispielsweise sind nicht unser Metier.

CW: Kann man denn mit einer derart eingleisigen Strategie auf die Zukunft hoffen? Datenbanken sind doch heute nur noch Commodity- Produkte, oder?

FINOCCHIO: Nein, diese Ansicht teile ich nicht. Viele Menschen behaupten, Datenbanken seien Commodity, aber das stimmt nicht. Blicken Sie doch auf das letzte Jahr zurück. Wir hatten ein großes Jahr, Oracle geht es wieder besser, und auch Sybase hat ein lukratives viertes Quartal hingelegt.

CW: Trotzdem mutet die Strategie von Informix, auf nur wenige Produkte zu setzen, wie Sekt oder Selters an, oder?

FINOCCHIO: Das stimmt, und das ist Absicht. Oracle hat doch bislang nichts mit seinen Applikationen verdient. Das Geschäft mit Finanz- und ERP-Software machen die SAP und Peoplesoft. Wieviel Erfolg hat Oracle mit Middleware? Keinen. Bea sitzt da dick im Geschäft. Wer führt im Bereich Human Resources? Peoplesoft. Wer beherrscht das Geschäft mit Sales Force Automation? Siebel.

CW: Aber die Zahlen der vergangenen Jahre sprechen eine andere Sprache. Das Wachstum der Datenbankhersteller sank oder stagnierte, und Analysten behaupten, der Markt sei gesättigt. Stimmt das denn nicht?

FINOCCHIO: Ich glaube, die Marktforscher liegen falsch. Oracle schreibt wieder satte Gewinne im Datenbank-Business. Die Analysten waren im letzten Jahr sehr naiv. Zwei Dinge haben sie übersehen: Data-Warehousing und den Einfluß des Internet. Der klassische OLTP-Markt wächst nicht mehr stark, da gebe ich Ihnen recht, aber das Geschäft mit Data-Warehouses expandiert um 35 bis 40 Prozent.

CW: Wie würden Sie die Zukunftsaussichten für die objektrelationale beziehungsweise für die relationale Datenbanktechnologie beschreiben?

FINOCCHIO: Objektrelationale Technologie richtete sich bislang an Spezialisten. OO-Datenbanken werden jedoch bald in den Mainstream drängen. Dies hängt mit dem Internet zusammen, in dem diese Produkte effektiv eingesetzt werden, um unterschiedliche Datentypen unter einen Hut zu bringen.

CW: In welchen Bereichen nützt diese Technologie konkret?

FINOCCHIO: Nun, beispielsweise bei geografischen Informationssystemen.

CW: Mit der Universal Data Op- tion bieten Sie eine relationale Datenbank an, in deren Engine multimediale Informationen nach Wunsch verarbeitet werden können. Braucht denn heute überhaupt jemand die OO-Technologie?

FINOCCHIO: Wir haben heute rund 2000 OO-Kunden.

CW: Und wie viele für die relationale Technologie?

FINOCCHIO: Oh, sehr viel mehr.

CW: Kein gutes Omen für Ihre objektrelationalen Pläne, oder?

FINOCCHIO: Aber die objektrelationale Datenbank ist neu.

CW: Nein, die hat doch schon der frühere Informix-Chef Phil White vor mehr als drei Jahren anläßlich der Übernahme von Illustra in den Himmel gelobt und innerhalb weniger Monate "Tausende von Datablades" versprochen. Davon ist bis heute nicht viel zu sehen.

FINOCCHIO: Phil White hat viel versprochen.

CW: Ihr derzeitiger Vice-President Michael Stonebraker dagegen hat vor wenigen Monaten eingeräumt, daß der Markt noch nicht reif für die objektrelationale Technologie sei. Was stimmt denn nun?

FINOCCHIO: Ich glaube, er meinte, daß wir mit dieser Technologie einfach unserer Zeit voraus waren. Aber das ist der Preis, den ein Innovator zahlen muß.

CW: Wie wird Red Brick in das Unternehmen eingebunden?

FINOCCHIO: Die Red-Brick-Technologie wird künftig unsere primäre Data-Mart-Engine.