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02.04.1999 - 

Interview der Woche

Interview der Woche "Das Internet ist der ultimative Gleichmacher"

Mit Masood Jabbar, Sun Microsystems, sprachen die CW-Redakteure Martin Bayer und Kriemhilde Klippstätter

CW: Wird Sun tatsächlich den Quellcode für das Betriebssystem "Solaris" offenlegen?

Jabbar: Es wird kein offener Code sein, so wie Linux. Aber jeder Entwickler kann sich den Sourcecode kostenfrei herunterladen. Lizenzgebühren fallen erst an, wenn der Code für kommerzielle Zwecke benutzt wird.

CW: Wie kontrollieren Sie das?

Jabbar: Wir vertrauen den Leuten.

CW: Hahaha...

Jabbar: Nein, tatsächlich. Wir behandeln den Code als "Community Source". Jeder kann Besseres daraus machen, und wenn ein verkäufliches Produkt entsteht, fallen Lizenzgebühren an. So wird das in Zukunft generell laufen. Das sehen Sie am Beispiel Linux.

CW: Zwingt Sie der Erfolg von Linux zu diesem Schritt?

Jabbar: Nein, wir sind nicht gezwungen.Wir glauben nur, daß das der richtige Schritt ist. Wir haben es bei Java vorexerziert. Java ist ebenfalls eine Community Source.

CW: Unterscheiden sich Community und "normaler" Code?

Jabbar: Es ist der gleiche Sourcecode, aber User des kostenlosen Programms haben nicht die gleichen Rechte wie reguläre Kunden.

CW: Sie legen auch die Architektur der "Pico-Java-II"-CPU offen.

Jabbar: Das haben wir bereits angekündigt.

CW: Der Bauplan für "Microsparc" und "Ultrasparc" wird folgen?

Jabbar: Wir veröffentlichen Teile unserere Technologie und stellen sie der Gemeinschaft zur Verfügung. Aber das ist kein soziales Experiment. Wir sind nach wie vor ein profitorientiertes Unternehmen, und wir wollen auch weiterhin mit den Prozessoren Geld verdienen.

CW: Was bedeutet das für die Architekturen von Microsparc und Ultrasparc?

Jabbar: Ultrasparc wird kein Community-Produkt. Aber Sie können fast alles von Sun in Lizenz nehmen, und wir haben immer die Schnittstellen offengelegt.

CW: Wer portiert Solaris auf den "IA-64"-Chip von Intel?

Jabbar: Diese CPU ist noch nicht verfügbar, aber wenn sie kommt, werden wir portieren.

CW: Welchen Ihrer Konkurrenten fürchten Sie am meisten?

Jabbar: Ich fürchte jeden. Am meisten aber frage ich mich, aus welcher Ecke der nächste Konkurrent kommen könnte. Beispielsweise spielen heute die Unternehmen, die sich auf drahtlose Datenübertragung spezialisiert haben, die Rolle einer Bank: Kunden können in einen Laden gehen und ihre Einkäufe mit der nächsten Abrechnung des Mobiltelefons bezahlen. Ich mache mir keine Sorgen um den Mitbewerber, den ich kenne, sondern um den noch unbekannten.

CW: Mit der Übernahme von Digital ist aber beispielsweise Compaq zu einem starken Wettbewerber geworden. Schreckt Sie das nicht?

Jabbar: Nein, sie müssen zu viele Betriebssysteme pflegen. Dieses Mal hat Houston ein Problem.

CW: Haben Sie Angst vor dem Jahr 2000?

Jabbar: Ich glaube, das Problem wird überschätzt. Dennoch stelle ich sicher, daß unsere Lieferanten heil über die Jahrtausendwende kommen und die Zulieferer unserer Lieferanten ebenso.

CW: Können Sie mir den Erfolg von Solaris in den letzten zwei, drei Jahren erklären? Früher war es nur ein Unix-Derivat unter vielen.

Jabbar: Das liegt am Internet. Die Ausweitung des Web erfordert vom Betriebssystem eine Robustheit und Skalierbarkeit, die kein anderes Betriebssystem hat. Für uns ist die Internet-Explosion und die wachsende Anzahl an Service-Providern ein großes Glück.

CW: Wann erwarten Sie die ersten Geräte auf Basis von Jini?

Jabbar: Bis jetzt habe ich noch nichts Robustes gesehen. Aber Sie können innerhalb der nächsten sechs Monate damit rechnen - und es wird aus Japan kommen.

CW: Die Jini-Technik soll insbesondere in den privaten Haushalten Einzug halten. Wie wollen Sie die Technikfeindlichkeit vieler Konsumenten überwinden?

Jabbar: Die PC-Ära wird vergehen. In drei Jahren werden wir mehr netzfähige Geräte haben als PCs. Alles wird im Netz abgelegt sein, nichts mehr lokal. Wir werden eine Browser-basierte Welt haben, in der jeder seine persönliche Web-Seite hat. Das hat auch sozialpolitische Auswirkungen: Wenn heute ein Mitarbeiter zu mir kommt, und er will, sagen wir, ein Entwicklungsbüro in Indien eröffnen, weil die Löhne dort niedriger sind, dann verweigere ich das. Denn der Lohnvorteil wird verschwinden. Wenn er aber Zugang zu den Talenten dort sucht, dann wird das Büro eröffnet. Das Internet ist der ultimative Gleichmacher.