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27.03.1998 - 

Interview

Interview "Ein Ausbruch der SAP"

CW: Die SAP ist im Umbruch, eine Reihe neuer Produkte wurde angekündigt. Inwieweit sind diese noch Teil des R/3-Systems?

Plattner: Im R/3-Kernsystem sind im wesentlichen die stark vernetzten Business-Prozesse angesiedelt - Funktionen, bei denen der hohe Integrationsgrad einen klaren Vorteil darstellt.Andere Systeme werden zwar ebenfalls mit den Kernprozessen gekoppelt, haben aber die Tendenz, zeitweise autonom zu laufen.Diese Produkte fassen wir unter dem Sammelbegriff "New Dimension" zusammen.

CW: Sie sprechen die "Scope"-Initiative an, in deren Rahmen Sie neue Produkte ausliefern?

Plattner: So ist es.Zunächst werden wir die Softwareprodukte APO (Advanced Planning and Optimization), SFA (Sales Force Automation) und Business Information Warehouse fertigstellen.Diese Systeme kennen sich untereinander, arbeiten miteinander, sie sind über ALE (Application Link Enabling) und das BAPI-Konzept (Business Application Programming Interface) verbunden.

Geplant sind auch Produkte für Electronic Commerce, Treasury etc.Mitte des Jahres werden sie angekündigt.Wir orientieren uns daran, welche Softwarebedürfnisse unsere Kunden außerhalb des Kern-SAP-Systems haben. Warehousing ist da ein wichtiges Stichwort, auch Transport-Optimierung, Produkt-Daten-Management etc.Wir werden unsere Produktpalette ganz erheblich ausweiten und mit den Spezialanbietern in Wettbewerb treten.

CW: Sie entwickeln alles selbst?

Plattner: Ja.Es macht keinen Sinn, so zu kooperieren, daß andere unsere Schnittstellen nutzen dürfen und wir ihnen auch noch dabei helfen, unsere BAPIs anzuwenden.

CW: Werden die neuen Produkte unabhängig von R/3 entwickelt?

Plattner: Eigenständige Profit-Center kümmern sich darum.Die Lösungen werden auch mit ERP-Systemen der Konkurrenz sowie mit Legacy-Systemen des Kunden zusammenarbeiten.Sie bekommen entsprechende Schnittstellen.

CW: Wollen Sie die neuen Produkte über die hohe installierte R/3-Basis im Markt unterbringen?

Plattner: Wir haben immer gesagt, alle R/3-Module müssen für sich im Wettbewerb auf den Plätzen eins bis drei stehen.Sie sollen sich im direkten Wettbewerb mit fünf oder zehn Konkurrenzprodukten behaupten und auszeichnen. Bessere Funktionalität, kostengünstigere Einführung und Wartung, geringere Betriebskosten sind ein Muß - und auch die Integration mit dem R/3-System ist wichtig, wenngleich sie nicht der Verkaufsgrund sein sollte.

Als das R/3-System 1992 auf den Markt kam, war das Entwicklungsteam kleiner als die Mannschaft, die sich heute mit den neuen Produkten beschäftigt.Daran erkennen Sie, wie wichtig das Ganze für uns ist.Es ist ein Ausbruch der SAP aus ihrem bisherigen Lager - nun müssen wir beweisen, daß wir es können.

CW: SAP ist dabei, das R/3-Kernsystem aufzuteilen.Zunächst wurde die Personalkomponente herausgelöst, Logistik und Finanzkomponente sollen ebenfalls voneinander getrennt werden.Ist das Ende der Fahnenstange danach erreicht?

Plattner: Hier noch weiter zu gehen wäre wahrscheinlich nicht der richtige Weg.Anwender können das Modul Human Resources jetzt als selbständige Einheit betreiben, sie haben Wahlfreiheit.Wir werden aber beispielsweise sicher nicht den gesamten Bestellprozeß bis hin zur Projektabwicklung aus dem R/3-Block herausreißen.Es kann sein, daß wir Teile herauslösen, wo es uns sinnvoll erscheint.Aber wir werden den großen Nukleus des R/3-Systems kurzfristig - das heißt in den nächsten fünf Jahren - nicht in kleine Komponenten zerschlagen.

Ziel ist, daß das Kernsystem seinen eigenen Auslieferungsrhythmus hat und die anderen Produkte ebenfalls als einzelne CDs mit eigenem Lieferzyklus angeboten werden.Beim Kernsystem können wir keinen schnelleren Takt schlagen als pro Jahr ein Release.Im Bereich Sales Force Automation kann ich alle sechs Wochen ein neues Release herausbringen.

CW: Wie stark sehen Sie das Entwicklungspotential von Unternehmen wie Siebel oder Vantive, die sich im Markt für Sales-Force-Automation-Produkte tummeln und durch Akquisitionen wachsen?

Plattner: Die Vorreiter in diesem Markt verfolgen eine Höchstpreispolitik.Wir werden bei gleicher Leistung deutlich günstiger anbieten.Es geht nicht an, daß für eine solche Komponente mehr verlangt wird als für eine R/3-Lizenz.Wenn das Autoradio mehr kostet als das ganze Auto, dann hat das vielleicht in der Manta-Welt funktioniert, aber sonst nicht.Die Autoindustrie bietet heute standardmäßig Radios mit an.