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29.01.1999 - 

Interview

Interview "Ein natürlicher Akt sozialen Verhaltens"

Mit MIT-Forscher Richard Stallman, dem Gründer des GNU- Projektes (GNU = GNUs not Unix) und einem der Väter der Open- Source-Bewegung, sprach die amerikanische CW-Schwester "Network World"

CW: Was geht in Ihnen vor, wenn Sie überall lesen, Linux sei vor acht Jahren von Linus Torvalds entwickelt worden?

STALLMAN: Das ist nicht korrekt. Torvalds hat einen wichtigen Job erledigt - dafür gebührt ihm Anerkennung. Aber letztendlich hat er nur den Kernel für das GNU-Projekt entwickelt, zu dem noch andere Komponenten gehören.

CW: Heißt das, ohne das GNU-Projekt wäre Linux nicht das, was es heute ist?

STALLMAN: So ist es. Es gäbe kein vollständiges Betriebssystem, wenn wir es nicht entwickelt hätten. Torvalds hat eine wichtige und zentrale Komponente beigetragen - nicht mehr und nicht weniger.

CW: Stammen abgesehen vom Kernel alle Linux-Zutaten von GNU?

STALLMAN: Außer dem Kernel kommen auch andere Bestandteile des Systems nicht von GNU. In dem Projekt ging es darum, ein komplettes, frei verfügbares System zu schaffen. Da ist es nur logisch, daß wir alles genutzt haben, was uns an geeigneten Individualprogrammen zur Verfügung stand. Es war nie unser Ziel, jeden Bestandteil explizit neu zu entwickeln.

CW: Was halten Sie von den diversen Linux-Distributionen?

STALLMAN: Red Hat macht ordentlichen Job. Sie verdienen Geld, indem sie freie Software distribuieren, und sie geben es aus, indem sie wieder freie Software entwickeln. Leider haben sie auch einiges an nicht freier Software auf ihren Disks. Daher empfehle ich, die "Red Hat Power Tools" zu kaufen, eine CD, auf der nur Freeware zu finden ist.

CW: Wie steht es mit Caldera?

STALLMAN: Nicht so gut. In ihrer Linux-Distribution spielt die proprietäre Software eine zu wichtige Rolle. Am schlimmsten hat sich bisher Suse verhalten. Ihre Politik war es, freie und nicht freie Software so zu vermischen, daß die Grenzen verschwimmen. Angeblich hat sich das aber nun geändert. Wie ich hörte, soll eine neuere Version Anwendern ermöglichen, ausschließlich freie Software zu installieren. Die beste Distribution ist aber Debian - sie haben eine klare und festgeschriebene Politik, was die Offenheit ihrer Produkte betrifft.

CW: Erzählen Sie uns von den Ursprüngen des GNU-Projekts.

STALLMAN: Xerox weigerte sich Anfang der 80er Jahre, uns den Sourcecode der Software für die Steuerung eines Druckers auszuhändigen. Wir beim MIT brauchten ihn aber, um die Ge- räte so umzurüsten, daß Mitar- beiter automatisch informiert wurden, wenn der Drucker wegen Papiermangels oder -stau nicht lief. Ich fand den richtigen Ansprechpartner bei Xerox, aber er lehnte es ab, mir den Quellcode zu geben. Das war der Moment, in dem mir die Nachteile proprietärer Software so richtig bewußt wurden.

CW: Aber wovon sollen die Hersteller leben, wenn sie ihre Produkte nicht schützen können?

STALLMAN: Den Lebensunterhalt zu sichern kann keine Entschuldigung für unsoziales Verhalten sein. Wer sich als Programmierer zu unredlichem Verhalten gezwungen sieht, sollte sich einen anderen Job suchen.

CW: Sie sind aber nicht gegen den Verkauf von Software?

STALLMAN: Entscheidend ist die Definition des Begriffs Verkaufen. Software veräußern heißt eine Kopie gegen Geld tauschen. Dagegen habe ich nichts. Doch die meisten Firmen, die das tun, verbinden den Verkauf mit Nutzungsrestriktionen - und dagegen habe ich etwas. Software von Anbietern, die ihre Benutzer einschränken, würde ich weder bezahlen noch verwenden.

CW: Sie hätten also kein Problem mit Microsoft, wenn die Programme als Open Source verfügbar wären?

STALLMAN: Wenn Microsoft eine freie Softwarefirma wäre und sein Geld nur noch mit dem Verkauf von Supportleistungen verdienen würde, wünschte ich ihnen Erfolg. Ich bin auf Microsoft nicht schlechter zu sprechen als auf andere Softwarehäuser: Sie machen keine freie Software - deswegen mag ich sie genauso wenig wie alle anderen Anbieter. Anwender haben das Recht, Software miteinander zu teilen.

CW: Warum?

STALLMAN: Das ist ein natürlicher Akt sozialen Verhaltens. Im übrigen bin nicht ich in der Situation, deutlich machen zu müssen, warum wir dieses Recht haben. Die andere Seite muß erklären, warum sie uns Restriktionen auferlegen will.

Das komplette Interview finden Sie im Internet unter www.cowo.de.