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12.04.1996

Interview/Einheits-Unix hemmt Innovationen

CW: Analysten sagen immer wieder ein heftiges Duell zwischen den Konkurrenten Windows NT und Unix voraus. Wie sehen Sie die Zukunft der beiden Betriebssysteme?

Michels: Windows NT ist eine voellige Abkehr vom traditionellen, Unix-basierten Computing-Modell. Einige der damit umgesetzten neuen Ideen sind interessant und werden sicher auch im Unix- Bereich oder auf anderen Plattformen Eingang finden. Bei geschaeftskritischen Anwendungen mit komplexen Loesungen, die fuer mehrere 100 User verfuegbar sein muessen, wird uns NT jedoch nicht das Wasser reichen koennen.

CW: Wenn beide Systeme nicht fuer dieselben Aufgaben konzipiert sind, warum hoert man dann staendig von Faellen, in denen Unix durch NT ersetzt wird?

Michels: Microsoft ist geschickt und laesst den Anwender glauben, dass er das nicht braucht, was NT nicht kann. So wird mit NT zum Beispiel kein Time-sharing geboten. Natuerlich kann ich eine Client-Server-Applikation auch ohne diese Funktion realisieren. Das bedeutet aber, dass ich statt kleiner Endgeraete, Terminals oder Kassensysteme an jedem Arbeitsplatz einen komplett ausgestatteten PC und leistungsstarke Netze einsetzen muss, um auf den NT-Server zugreifen zu koennen.

CW: Wie wird Unix in den naechsten Jahren aussehen?

Michels: Wir muessen kuenftig auf dem Client neue Techniken wie OLE- Automation (OLE = Object Linking and Embedding, Anm. d. Red.) und Open Database Connectivity (ODBC) unterstuetzen. Gesucht werden Wege, wie sich ein Windows-Client aehnlich gut in eine Unix- Umgebung einbinden laesst, wie dies in einer reinen Windows-Welt, also mit einem NT-Server, moeglich ist. Das sind jedoch nur Nebenkriegsschauplaetze. Unsere Staerke wird weiterhin sein, dass wir das Ohr in den MIS-Abteilungen haben. Und da hoeren wir immer wieder die Schlagworte: Performance, Skalierbarkeit, Sicherheit und Verfuegbarkeit - nicht zuletzt auch deshalb, weil sich IT- Verantwortliche mit solchen Features ihren Job sichern. Unsere eigentliche Aufgabe wird also die Entwicklung einer neuen Unix- Generation sein. Sie muss Unterstuetzung bieten fuer Clustering, verschiedene Multiprozessor-Architekturen und automatische Server- Spiegelung, also fuer fehlertolerante Systeme.

CW: Glauben Sie, dass im Zuge der kommenden Unix-Generation auch eine Vereinheitlichung der zahlreichen Implementierungen stattfinden wird?

Michels: Was grundsaetzliche Dinge angeht, forcieren wir ein gemeinsames Vorgehen auf Schnittstellen-Ebene. Dazu gehoert zum Beispiel das Oeffnen, Schliessen, Lesen oder Schreiben von Dateien verschiedener Unix-Derivate. Im Rahmen von Unix 95 arbeiten wir hier an der API-Standardisierung. Zu einem Einheits-Unix wird es aber hoffentlich nie kommen. Das wuerde das Ende jeglicher Innovation bedeuten. Wir brauchen zwar einen Standard, davon aber eine begrenzte Auswahl an Implementierungen. Sonst geht es uns wie Microsoft: wenig Wettbewerb, keine Wahl fuer den Anwender, kaum Innovation.

CW: Worin besteht die groesste Gefahr fuer Unix?

Michels: In der Stagnation. Wenn die jemals eintreten sollte, dann gewinnen sehr wahrscheinlich Single-Vendor-Loesungen e la Microsoft, die ohnehin nur aufeinander abgestimmte Komponenten anbieten. Tritt diese Situation ein, zieht der Anwender den kuerzeren. Microsoft hat zwar ausreichend Geld und Ressourcen, um vieles zu kopieren. Wenn Gates jedoch will, dann steht alles still. Und genau das ist es, was der Anwender ueberhaupt nicht brauchen kann.

CW: Was sind denn Ihrer Ansicht nach die aktuellen Schluesselprobleme etwa eines System- oder Netzwerkadministrators?

Michels: Wenn wir heute in ein Unternehmen mit verteilter Unix- Umgebung kommen, hoeren wir immer die gleichen Argumente: Die Systemkontrolle sollte moeglichst von zentraler Stelle aus erfolgen. Nahezu alle Administratoren, mit denen wir sprechen, aeussern sich besorgt, wenn es um Techniken wie remotes System- Management oder Fern-Monitoring geht. In DV-Landschaften mit Mainframes, Unix-Servern und Windows-PCs werden Tools gesucht, die sich in Management-Plattformen wie Openview, Netview oder Unicenter einbinden lassen. Zur Kontrolle der Windows-Front-ends ist Unix gefragt. u

Mit Doug Michels, Mitbegruender und Chefentwickler der Santa Cruz Operation Inc. (SCO), sprach Dan McLean von der "Computerworld Canada" in Toronto.