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08.01.1999 - 

Interview

Interview "Für die IS-Abteilungen ist das Web eine große Chance"

Mit Bran Ferren, technischer Visionär bei Walt Disney Imagineering, sprach Art Jahnke von der "CIO"

CW: Sie bezeichnen sich als einen Geschichtenerzähler, und Ihrer Ansicht nach besteht auch der Sinn des World Wide Web darin, Geschichten zu erzählen.

Ferren: Ja, aber viele Unternehmen nehmen es in dieser Funktion nicht ernst. Die Erfahrungen mit dem Web sind oft frustrierend. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich eine Ewigkeit darauf gewartet habe, daß irgendwelche blöden Grafiken heruntergeladen wurden. Andererseits bequemt sich kaum eines der im Web vertretenen Unternehmen, eine Telefonnummer zu nennen, unter der ich sofort mit dem President, mit einem Verkäufer oder mit jemanden aus dem Marketing sprechen kann.

CW: Woran mag das liegen?

Ferren: In den meisten Unternehmen wird das Web als ein merkwürdiges und unnatürliches Ding betrachtet, dessen Design in keinem Zusammenhang mit dem übrigen Unternehmen steht. Hier gibt es einen Generationenkonflikt, weil viele Entscheidungsträger nicht online sind. Sie beurteilen etwas, auf das sie selbst niemals zugreifen, und sie wissen nicht, wie die Leute das Web nutzen, weil sie nicht Teil dieser Kultur sind.

CW: Was muß also geschehen?

Ferren: Die Schlüsselfiguren in den Unternehmen müssen ihre Isolation überwinden und an diesem Spiel teilnehmen. Anstatt stolz darauf zu sein, daß sie keinen Computer auf ihrem Schreibtisch haben, sollten sie dringend einen anschaffen. Leider gibt es immer noch Unternehmen und IS-Abteilungen, die die Leute vom Web fernhalten wollen. Die Manager fürchten, ihre Mitarbeiter könnten dort spielen, einkaufen oder Porno-Seiten herunterladen. Ich habe von CIOs gehört, die jede Woche Dutzende von Stunden damit verbringen, den Internet-Mißbrauch zu verfolgen. Ersetzen Sie "Internet" durch "Zeitung" oder "Post"! Wenn jemand während der Mittagspause die Gebrauchtwagen-Anzeigen in der Zeitung liest, ist das in Ordnung. Wenn er dasselbe im Internet tut, ist es falsch.

CW: Wie sollte ein Unternehmen also damit umgehen?

Ferren: Es sollte die Eigenverantwortung der Mitarbeiter fördern und ihnen sagen: "Wir geben euch dieses Werkzeug an die Hand. Wir wollen, daß ihr lernt, damit umzugehen und es zu verstehen. Aber wir würden es begrüßen, wenn ihr es genauso verantwortlich benutzt wie die anderen Werkzeuge und die Freiheiten, die ihr bekommt." Es gibt noch ein anderes Argument: "Wir müssen all diese Bandbreite zur Verfügung stellen." Dazu sage ich nur: Ja, das müssen Sie - genau wie ein System für die Post und eine Telefonanlage.

CW: Was kann ein Unternehmen im Gegenzug erwarten?

Ferren: Im Spiel zu bleiben. Wer das nicht tut, ist draußen. Und wenn Sie drin sind, hängt alles von den Fähigkeiten und von der Kompetenz Ihrer Leute ab, von der Art, wie Sie sich organisieren, und davon, wie die Unternehmensführung ihre Vision vom Web kommuniziert. Wie, wann, wo und warum wird sich das Internet auswirken? Darauf hat noch niemand eine Antwort. Doch entscheidend ist: Sie können nicht mal die richtigen Fragen stellen, solange Sie nicht drin sind.

CW: Wie zieht ein Unternehmen möglichst viel Erfolg aus dem Web?

Ferren: Ich nutze das Web als Intelligenzverstärker. Meine Lieblings-Suchmaschine habe ich ständig im Zugriff. Wenn mich jemand anruft und etwas fragt, kann ich sie adressieren und mitten im Gespräch Dutzende oder Hunderte von Antworten bekommen. Das ist unmittelbar wertvoll für mich. Und ich glaube kaum, daß es allzu viele Berufe gibt, bei denen das nicht funktioniert. Die meisten Unternehmen hinken hier noch hinterher. Das müssen sie ändern: Entweder sie stoßen die Veränderung selbst an, oder der CIO ergreift die Initiative, oder es wird sich als ein langsamer, schmerzhafter Prozeß vollziehen. Aber es ist unvermeidlich - genauso, wie es unvermeidlich ist, daß die Unternehmen eine Internet-ähnliche Struktur für ihre internen Informationssysteme einziehen.

CW: Wie wirkt sich das Internet im Innern der Unternehmen aus?

Ferren: Bezüglich der internen Arbeitsweisen und Prozesse ist der Effekt keineswegs radikal. Das Internet macht dieselben Dinge, nur besser.

CW: Und was bedeutet es für die IS-Abteilungen?

Ferren: Sie sollten begreifen, daß sie jetzt eine große Chance haben: Sie besitzen die Werkzeuge, mit denen sich die Lebensqualität der Mitarbeiter merklich verbessern läßt. Wenn Sie jedem Mitarbeiter helfen, um ein einziges Prozent effektiver zu werden, hat das große Auswirkungen auf das Unternehmen. (Foto: CIO.)