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26.09.2008

INTERVIEW/Gildemeister will auch künftig Marktanteile gewinnen

26.09.2008
BIELEFELD (Dow Jones)--Die Gildemeister AG strebt auch künftig weiteres Wachstum an. Zwar müsse man damit rechnen, dass sich angesichts der aktuellen Finanzmarktkrise im kommenden Jahr nicht die gleiche Wachstumsdynamik fortsetzen lasse. Aber Gildemeister werde sich "auch 2009 deutlich besser als die Wettbewerber entwickeln," sagte der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Kapitza in einem Interview mit Dow Jones Newswires. Für das laufende Geschäftsjahr seien die Ziele des Bielefelder Werkzeugmaschinenherstellers sicher.

BIELEFELD (Dow Jones)--Die Gildemeister AG strebt auch künftig weiteres Wachstum an. Zwar müsse man damit rechnen, dass sich angesichts der aktuellen Finanzmarktkrise im kommenden Jahr nicht die gleiche Wachstumsdynamik fortsetzen lasse. Aber Gildemeister werde sich "auch 2009 deutlich besser als die Wettbewerber entwickeln," sagte der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Kapitza in einem Interview mit Dow Jones Newswires. Für das laufende Geschäftsjahr seien die Ziele des Bielefelder Werkzeugmaschinenherstellers sicher.

Insgesamt hat sich der Konzern für 2008 vorgenommen, erstmals einen Auftragseingang von über 2,0 Mrd EUR nach 1,865 Mrd EUR im Vorjahr zu erzielen. Beim Umsatz plant das MDAX-Unternehmen mit 1,8 (2007: 1,562) Mrd EUR. Das Vorsteuerergebnis (EBT) und der Jahresüberschuss sollen zum Vorjahr um jeweils 50% zulegen. 2007 betrug das EBT 84,3 Mio EUR und der Jahresüberschuss 50,1 Mio EUR.

"Wir wollen weiter Marktanteile gewinnen", sagte der Manager. Derzeit hält Gildemeister nach Angaben von Kapitza, der seit 1996 an der Spitze des Unternehmens steht, 6,5% Marktanteil weltweit im Bereich spanender Werkzeugmaschinen. In Deutschland und den angrenzenden europäischen Ländern seien es über 25%. Weitere Wachstumspotenziale sollen mit einer gezielten Vertriebs- und Servicestrategie erschlossen werden, die von den weltweit verteilten Technologiezentren aus gesteuert werde.

Als besonders dynamische Wachstumsfelder schätzt der Vorstandsvorsitzende die Branchen Medizintechnik, in der beispielsweise Maschinen zur Herstellung künstlicher Hüftgelenke angeboten werden, und die Aerospace-Industrie ein. Immer stärker nachgefragt würden zudem Dienstleistungen rund um die Maschinen, wie etwa zu Werkzeugen oder der Programmierung von Software. Dieser Bereich erwirtschafte schon jetzt die Hälfte des Gewinns und werde voraussichtlich auch 2009 ein "leichtes Wachstum" erzielen.

Weiteres Wachstum erwartet Kapitza auch von der Würzburger Solartochter a+f, die 2008 einen Umsatzbeitrag von 250 Mio EUR leisten werde. 200 Mio EUR davon entfielen auf das nachführende Photovoltaik-System "SunCarrier", 50 Mio EUR kämen aus dem Bereich Komponenten hinzu.

Für 2008 rechnet Kapitza mit dem Verkauf von rund 7.000 Dreh- und Fräsmaschinen, die in einer Preisspanne von bis 38.000 USD bis 2 Mio EUR angeboten werden. Sehr dynamisch entwickele sich zudem der Bereich Automatisierung, dessen Umsatz sich 2009 auf 50 Mio EUR von 25 Mio EUR in diesem Jahr verdoppeln soll. Eine genaue Konzernprognose für das nächste Jahr werde traditionell Ende November erstellt.

Mit dem gegenwärtigen Auftragseingang sei die Produktion jedoch bereits bis Mitte 2009 ausgelastet. Fest stehe zudem, dass im nächsten Jahr ein Montagewerk in den USA hinzukommen soll. So lang der Dollar um rund 1,45 USD zum Euro notiere, müsse man die Planungen nicht beschleunigen, sagte der Vorstandsvorsitzende. Wichtig sei bei der Standortfrage vor allem, Logistikwege und damit die Kapitalbindung zu reduzieren. Für 2008 sei er mit dem Amerika-Geschäft "sehr zufrieden".

Zudem setzt das Traditionsunternehmen auf die neue Maschinengeneration Ecoline, die speziell für die Schwellenländer entwickelt wurde. Auf rund 90% bezifferte Kapitza den Anteil der Neukunden. Damit habe Gildemeister erst einmal einen "Fuß in der Tür" und die Wahrscheinlichkeit steige, dass die Kunden im Anschluss auch komplexere Maschinen kauften. Die Ecoline-Maschine biete im Vergleich zur Standardmaschine 20% weniger Leistung für einen 40% geringeren Preis.

Die dafür notwendigen Kosteneinsparungen erziele Gildemeister durch die starke Standardisierung der Maschinen sowie durch die lokale Fertigung in China und Polen für die asiatischen und osteuropäischen Märkte. Regional gingen die stärksten Wachstumsimpulse derzeit von Osteuropa und Asien aus, die ihren Nachholbedarf in der Industrieproduktion deckten. Gleichwohl hält der Vorstandsvorsitzende aufgrund der zunehmenden Automatisierung der Fertigung auch die etablierten Märkte nicht für gesättigt.

Bei seiner Wachstumsstrategie vertraut der MDAX-Konzern primär auf organisches Wachstum. Als Zukäufe kämen allenfalls kleinere Arrondierungen in Betracht, wie beispielsweise Spezialisten zur Integration von Robotern oder in der Solartechnik, wenn sich durch die Akquisition Entwicklungszeit sparen ließe. Für Gildemeister selbst fürchtet Kapitza trotz 100% Streubesitzes keine feindliche Übernahme. Aufgrund der hohen Beteiligung an der Hauptversammlung pflege man einen engen Kontakt zu den Aktionären.

Wiederholte Marktgerüchte über das Interesse russischer Investoren an Gildemeister bezeichnete Kapitza als "nicht dienlich". Am Donnerstag hatte das Gerücht, der russische Investor Rustan Tariko bereite ein Übernahmeangebot vor, die Aktie bis auf 14,85 EUR getrieben. Am Freitagmittag liegt sie bei 12,86 EUR.

Webseite: http://www.gildemeister.com/ -Von Dorothee Tschampa, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 114; dorothee.tschampa@dowjones.com DJG/dct/smh

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