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05.01.1996

Interview/"Groessere Angst vor Info-Highway als vor der Autobahn"

CW: Was hat die Deutsche Telekom bewogen, sich im Markt fuer Online-Lernen und Teleworking zu engagieren?

Hultzsch: Die Ausbildung unserer Kinder bestimmt die Zukunftsfaehigkeit unserer Gesellschaft. Schulen und Hochschulen stellen somit die Weichen fuer unsere Zukunft. Doch gerade im Bildungsbereich beklagen wir gegenwaertig einen grossen Mangel an Innovationskraft. Beispielsweise haben in Deutschland zur Zeit nur rund 40 von ueber 3000 Gymnasien Zugriff auf T-Online und auf das Internet. Vor diesem Hintergrund hat sich die Deutsche Telekom entschlossen, unsere Kinder mit den notwendigen Werkzeugen fuer die Lehrplaene des 21. Jahrhunderts auszustatten.

CW: Die Deutsche Telekom ist kein Anbieter von Inhalten. Wer soll diese liefern, und wie soll die Zusammenarbeit funktionieren?

Hultzsch: Wir sind uns sehr wohl der Tatsache bewusst, dass das Bereitstellen einer leistungsfaehigen Netze- und Diensteplattform allein nicht ausreicht. Es kommt darueber hinaus entscheidend darauf an, die Anwendungsfelder fuer das Telelernen aufzuzeigen und gemeinsam mit Partnern und den Anwendern zu erschliessen. Um dies zu ermoeglichen, haben wir mit dem Bundesministerium fuer Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie das Projekt "Schulen ans Netz" aus der Taufe gehoben. Ferner haben wir mit den beiden fuehrenden deutschen Schulbuchverlagen Cornelsen und Klett das "Deutsche Bildungsnetz" initiiert. Weitere Verlage sind eingeladen, sich an diesem Projekt zu beteiligen.

CW: Was muss Ihrer Ansicht nach passieren, damit diese neue Form des Lernens und des Arbeitens den Durchbruch schafft?

Hultzsch: Erst eine uebergreifende Beteiligung aus allen Bereichen - Bund, Laender, Netzbetreiber, Endeinrichtungen und Anbieter von Inhalten - schafft die Basis fuer einen nachhaltigen Erfolg dieses Projektes. Die Deutsche Telekom ist bereit, ihren Beitrag hierfuer zu leisten, und wird in den naechsten drei Jahren etwa 35 Millonen Mark bereitstellen.

CW: Wo liegen die Hindernisse, die dazu fuehren, dass sich in diesem Umfeld letztlich doch alles recht langsam bewegt?

Hultzsch: Leider stehen immer noch zu viele Bundesbuerger den Moeglichkeiten der Telekommunikation und der Informationsgesellschaft skeptisch gegenueber. Sie haben offenkundig weniger Angst davor, mit 200 Stundenkilometern auf der Autobahn zu rasen, als mit 64 Kilobit pro Sekunde auf der Infobahn Informationen auszutauschen. Ich denke, dass den Schulen und Hochschulen beim Abbau dieser Vorurteile eine entscheidende Rolle zukommt.

CW: Der Geschaeftsfuehrer der IBM-Bildungsgesellschaft Rolf Apitzsch meinte auf einer Veranstaltung, dass die aktuellen Telekom-Tarife der Tod des Telelernens sind. Wie wuerden Sie diese Aussage kommentieren?

Hultzsch: Die juengste OECD-Untersuchung belegt, dass die Deutsche Telekom mit ihren Preisen im internationalen Vergleich einen Platz im Mittelfeld einnimmt. Vor allem unsere Privatkunden telefonieren schon heute guenstiger als jene in Frankreich, Grossbritannien oder den USA. Mit dem Tarifkonzept 1996 machen wir das Telefonieren in vielen Bereichen in Deutschland noch guenstiger. Das Tarifniveau wird nochmals um fuenf Prozent gesenkt.

CW: Wer soll die Inhalte nutzen? Eine Studie der Georgia-Tech University kommt zu dem Schluss, dass zwei Drittel der Netzteilnehmer nach Spass und Unterhaltung suchen.

Hultzsch: Ich erwarte, dass durch das aktive, das interaktive Agieren des Telelernenden auch der Spass am Lernen wesentlich gefoerdert wird. Das ist eine wichtige Voraussetzung fuer den Erfolg des Projektes "Schulen ans Netz". Darueber hinaus koennten sich Studien- und Ausbildungszeiten verkuerzen und die sehr gut ausgebildeten Lehrkraefte erheblich oekonomischer eingesetzt werden.

Mit Hagen Hultzsch, Vorstand Technik und Dienste der Deutschen Telekom AG, sprach CW-Redakteur Hans Koeniges.