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Interview/IP und ATM müssen verheiratet werden

19.07.1996

CW: Welche Herausforderung stellt der Merger mit Cisco an Sie?

Moley: Positiv auf die Fusion dürfte sich die derzeit enorme Dynamik beider Unternehmen auswirken, die sehr stark wachsen. Gegenüber anderen Übernahmen haben wir außerdem den Vorteil, daß sich die Produktlinien nicht überlappen und deshalb keine Rationalisierung erforderlich ist. Aber machen wir uns nichts vor, es werden natürlich auch einige Steine aus dem Weg zu räumen sein. Ich habe vor Jahren die Fusion von IBM und Rolm miterlebt und muß gestehen, wir sind die Sache damals sehr blauäugig angegangen. Es hat sich als nahezu unmöglich erwiesen, die Kultur eines Ost- und eines Westküstenunternehmens unter einen Hut zu bringen. Es dauerte ein Jahr, bis wir die Aussichtslosigkeit erkannten.

CW: Warum läßt sich ein so erfolgreiches Unternehmen wie Stratacom von Cisco aufkaufen?

Moley: Stratacom hätte als unabhängige Company gewiß noch eine vielversprechende Zukunft vor sich gehabt. Andererseits hat sich dieser Deal geradezu aufgedrängt. Cisco ist am Markt ein dominierender Player, dessen Portfolio unsere Produkte von der strategischen Ausrichtung her optimal ergänzen. Die Zutaten haben einfach gestimmt, warum sollten wir sie nicht zusammenwerfen?

CW: Stratacoms Fokus richtet sich auf ATM, der von Cisco immer noch auf IP und Routing. Sehen Sie darin den Synergieeffekt?

Moley: Hier prallen tatsächlich zwei Philosophien aufeinander. Während wir technologische Visionäre sind, geht Cisco zunächst ohne irgendwelche Passion für Technologien an den Markt. Cisco hört tatsächlich auf den Anwender. Diejenigen Technologien, die der Kunde wünscht, liefert Cisco. Übrigens lassen sich IP-Routing und ATM kombinieren. Wir haben bereits Projekte realisiert.

Routing ist eben ein sehr verbreitetes Verfahren, das man nicht einfach ignorieren kann. Infolgedessen müssen IP und ATM verheiratet werden. In einem ersten Schritt fahren wir bereits IP- Verkehr über ATM-Pakete und schaffen dadurch eine schnelle Verbindung zwischen IP-Punkten. Die nächste Herausforderung lautet, die IP-Performance durch rascheres Routing zu verbessern. Da läßt sich einiges machen, weil nicht jedes IP-Paket zwingend geroutet werden muß, da viele ja von einer Quelle stammen und an die gleiche Adresse gerichtet sind.

CW: Sie spielen auf die Netflow-Technik von Cisco an?

Moley: Ja, dieses Verfahren verläßt jetzt die Labors von Cisco. Im LAN ist Switching übrigens ein Verfahren, das sich lediglich vorübergehend auf die Ethernet- und Token-Ring-Protokolle konzentrieren wird. Im WAN gibt es dieses Kriterium zum Glück nicht. ATM hat im WAN freie Bahn und keinerlei technologische Konkurrenz. Die Herausforderung besteht einzig und allein darin, diese Protokolle zu adaptieren. IP und ATM repräsentieren zum Beispiel unterschiedliche Layer, die Aufgabe lautet also, ein Mapping der Adressenverzeichnisse von IP und ATM vorzunehmen.

CW: Welche Rolle räumen Sie Gigabit Ethernet ein?

Moley: Gigabit Ethernet befindet sich noch in einem embryonalen Zustand. Wenn es einmal funktioniert, könnte es aufgrund seiner simplen Methodologie im Backbone zu einem Konkurrenten von ATM werden. Allerdings wird sich ATM im WAN jetzt etablieren, es ist also unwahrscheinlich, daß Gigabit Ethernet am Ende doch noch das Rennen macht.

CW: Geben Sie 25-Mbit/s-ATM zum Desktop eine Chance?

Moley: Dieser ATM-Ansatz ist ein Versuch, die Kosten zu reduzieren, in der Annahme, ATM zum Desktop sei zu teuer. Sicherlich ist das ein Grund, aber nicht der einzige. Die Anwender sind einfach zu sehr auf ihre traditionellen Umgebungen fixiert.

CW: Sehen Sie in Virtual Private Networks über das Internet eine Alternative zu Mietleitungen?

Moley: Cisco denkt darüber nach, aber sie sind meilenweit von Sicherheits- und Firewall-Kriterien entfernt, die Netzbetreiber in ihren Netzen bieten. Ich glaube, die meisten Unternehmen sind mit ihren Intranet-Konzepten schon ganz zufrieden. Sie wollen das Beste aus beiden Welten: die Sicherheit der Corporate Networks sowie die Verfügbarkeit und Reichweite des Internet.