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22.01.1999 - 

Interview

Interview "Lucent schließt die Servicelücke von Ascend"

Mit Daniel Stanzione, Vice-President und Chief Operating Officer (COO) von Lucent Technologies Inc., sprach CW-Redakteur Martin Seiler

CW: Die Akquisition von Ascend macht Lucent zum Primus der Netzwerkbranche. Was war der Grund für die doch recht kostspielige Übernahme - hätte eine Kooperation, wie sie zwischen Siemens und 3Com vereinbart wurde, nicht ausgereicht?

STANZIONE: Unserer Erfahrung nach verlangen die Anwender zunehmend Integrationsmöglichkeiten aus einer Hand. Das läßt sich zwar auch im Rahmen einer Kooperation für eine Zeitlang realisieren, es wird aber sehr schwer, mit zwei getrennten Unternehmen langfristig zu planen.

CW: Letztes Jahr kursierten Gerüchte über eine mögliche Kooperation zwischen Cisco und Lucent. Führte das Scheitern dieser Gespräche zu dem Merger mit Ascend?

STANZIONE: Nein, das hat damit nichts zu tun. Daß wir mit Cisco nicht zusammenkamen, lag daran: Wir konnten uns nicht auf einen Weg einigen, den Markt so anzugehen, daß beide von den Wachstumsbereichen profitieren. Wir fühlten uns von den Vorschlägen, die Cisco machte, zu sehr benachteiligt, und Cisco erging es umgekehrt wahrscheinlich genauso.

CW: Welche strategischen Ziele verfolgt Lucent in der nahen Zukunft? Werden Dienstleistungen und Lösungen für Ihr Geschäftsmodell wichtiger werden?

STANZIONE: Wir konzentrieren uns auf fünf Schlüsselbereiche: intelligentes Switching, neue Zugangstechniken, Hochgeschwindigkeits-Übertragungsverfahren, neue Software für Services und das Netz-Management sowie fünftens Lösungen - oder Anwendungen, wie wir es nennen - und Dienstleistungen. Vor allem der Service-Aspekt ist für viele Anwender sehr wichtig. Auch wenn ihnen die Qualität der Ascend-Produkte bewußt ist, haben sie zuweilen Zweifel, was das Integrationsvermögen und den laufenden Support angeht. Lucent kann diese Lücke schließen.

CW: Wie wird sich der Merger auf Ascends Kooperation mit Alcatel auswirken?

STANZIONE: Alcatel ist in vielerlei Hinsicht Mitbewerber von Lucent, aber auch unser Kunde. Wir beliefern ihn mit Halbleitern und Komponenten für seine optischen Übertragungssysteme. Die Entwicklung wird dahin gehen, daß man zwischen den Situationen trennt, in denen man konkurriert, und solchen, in denen man eine Kunde-Lieferanten-Beziehung hat. Aber es stimmt, dieser Bereich ist sehr empfindlich - eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen.

CW: Lassen Sie uns über die Konvergenz der Sprach- und Datennetze reden - Sie sind der Meinung, der Merger habe das Potential, diese Entwicklung voranzutreiben...

STANZIONE: Genau, denn wir verstärken damit unser Know-how in den Bereichen ATM-Core-Switching, Voice over Internet Protocol (VoIP) und Voice over Frame Relay. Es ist ein weiterer Schritt in Richtung Verschmelzung der Netze.

CW: Obwohl viele Carrier vor nicht allzu langer Zeit in traditionelles Sprachübertragungsequipment investiert haben?

STANZIONE: Natürlich passiert so etwas nicht von heute auf morgen. Die Geschichte zeigt uns aber, daß es diese Übergangsphasen von einer Technologie auf eine neue schon immer gegeben hat - in der Regel dauern sie etwa 15 bis 20 Jahre. Die Digitalisierung des deutschen Telefonnetzes, die in den frühen achtziger Jahren begann, ist ein gutes Beispiel hierfür. So lange wird der angesprochene Übergang nicht dauern, eher sieben bis zehn Jahre. Die großen Carrier müssen da mitziehen, denn nur so werden sie auch weiterhin in der Lage sein, neue Services anzubieten.

CW: Welche Folgen wird der Merger für die Angestellten haben - drohen Stellenstreichungen?

STANZIONE: Höchstens räumlich begrenzt, aber nicht viele.

CW: Lucent ist mit fast 140000 Angestellten weltweit mittlerweile ein ziemlich großes Unternehmen. Welche Strategie verfolgen Sie, um nach wie vor schnell auf Veränderungen des Marktes reagieren zu können?

STANZIONE: Wir erreichen das über die Kombination von zwei Dingen: Zum einen haben wir vor knapp eineinhalb Jahren damit angefangen, für wichtige Bereiche Unterorganisationen zu bilden. Diese insgesamt elf Einheiten ermöglichen es uns, flexibel zu bleiben. Außerdem baut Lucent auf den Grundsatz, ein Prozent der Einkünfte in Forschung zu investieren. Dadurch haben wir ein klares Verständnis davon, welches der gegenwärtige Stand der technologischen Entwicklung ist und - was noch viel wichtiger ist - wie es weitergeht.