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28.06.2002 - 

Ist der Anwender zu begriffsstutzig für Microsofts Lizenzpolitik?

Interview mit Microsoft-CEO Steve Ballmer

MÜNCHEN (CW) - Microsofts Chief Executive Officer (CEO), der Vorstandsvorsitzende Steve Ballmer, hat sich in einem Interview in der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" zu den umstrittenen Lizenzstrategien geäußert, die ab Juli 2002 für alle Anwender von Microsoft-Produkten gelten.

CW: Warum hat Microsoft seine Lizenzspolitik verändert?

Ballmer: Wir wollten das Lizenzgeschäft vereinfachen. Unsere Kunden waren nämlich ziemlich verunsichert, was sie denn eigentlich kaufen sollten. Mit dem neuen System haben wir eine ganze Reihe von Optionen über Bord geworfen.

Einige Leute haben uns kritisiert, dass viele Kunden mit dem neuen Lizenzverfahren viel mehr Gebühren an uns zahlen müssten. Die Wahrheit ist: Viele unserer Kunden haben nach dem alten Modell viel mehr gezahlt, weil sie nicht wussten, was sie wirklich an Softwarelizenzen brauchen. Der Grund dafür war, dass sie kein Lizenz-Management betrieben. Mit dem neuen Gebührensystem sorgen wir jetzt für alles.

Abgesehen davon ist es ja nicht so, dass wir mit unserem neuen Lizenzmodus das Rad erfunden haben: Unser System gemahnt doch wohl eher an ein Vorgehen, das auch Oracle und andere klassische Server-Softwareanbieter bevorzugen. Wir haben deren Modell nur kopiert.

CW: Unter dem neuen Software Assurance Maintenance Program verlangt Microsoft auf jährlicher Basis zusätzlich 25 Prozent der gesamten anfallenden Lizenzgebühren für die Server-Software und noch einmal 29 Prozent extra für die Desktop-Software. Kunden erhalten damit die Garantie, jedes Software-Update zu bekommen, das während der Laufzeit des Lizenzvertrages herauskommt. Das scheint ganz schön happig.

Ballmer: Die Preise sind angemessen.

CW: Viele Anwender sagen aber, dass andere Anbieter niedrigere Lizenzgebühren verlangen.

Ballmer: Dazu sage ich nur: Wir verlangen keine so unerhört hohen Preise für Enterprise-Software, wie andere das tun.

CW: Wer zum Beispiel?

Ballmer: Das werde ich Ihnen jetzt nicht sagen.

CW: Oh doch, das sollten Sie schon...

Ballmer: Oracle etwa.

CW: Kunden empfinden es als Nachteil, dass Microsoft sein Versions-Upgrade-Programm (VUP) aufgegeben hat. Zu Discountpreisen konnte man dabei von einer Produktversion auf eine andere wechseln.

Ballmer: Um diesen Punkt gab es die meisten Diskussionen. Aber unser ganzes jetzt etabliertes .NET-Programm samt dessen Wartungsvertragswesen gibt nur dann Sinn, wenn wir gleichzeitig das VUP-System aufgeben.

CW: Aber mit dem neuen Lizenzverfahren fallen eine Menge Upgrade-Optionen weg. Gerade die schätzen Anwender jedoch.

Ballmer: Nein, da stimme ich Ihnen überhaupt nicht zu. Ich glaube nicht, dass Anwender Wahlmöglichkeiten lieben. Sie wollen einen guten, niedrigen Preis. Wir haben zu diesem Thema Kunden befragt. Als größten Missstand und Grund für die meiste Unzufriedenheit empfanden Kunden die Komplexität unserer bisherigen Lizenzpreismodelle.

CW: Ihr neues Lizenzverfahren haben Sie ja auch eher unglücklich kommuniziert. Wie kann das sein, wenn Sie doch behaupten, alles sei so einfach?

Ballmer: Es ist sogar super einfach. Was ich im Laufe der Diskussion gemerkt habe, ist allerdings, dass die meisten Kunden gar nicht wissen, wie es um ihr Softwarelizenz-Management bestellt ist.

CW: Das hört sich so an, als ob Anwender etwas dumm seien. Geht es bei Ihrem neuen Lizenzmodell darum, dumme Anwender an die Hand zu nehmen?

Ballmer: Nein, die Anwender sind natürlich nicht dumm. Lizenzmethoden sind ein komplexes Thema. Dumme Anwender gibt es nicht. Nur dumme Produkte und dumme Anbieter. (jm)