Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

21.10.1994

Interview "Wir dachten, alle Probleme verstanden zu haben"

CW: Man redet viel ueber den Information Superhighway. Uns wuerde interessieren: Ist das vor allem Hype, oder halten Praesident Bill Clinton und Vizepraesident Al Gore das globale Kommunikationsdorf tatsaechlich fuer sehr wichtig? Etwa fuer die Entwicklung der Oekonomie?

McCracken: Ich glaube, dass beide der Meinung sind, hierbei handele es sich um eine ganz wesentliche Initiative fuer die USA und dass der Ausbau der Kommunikationsinfrastruktur in Zukunft ganz entscheidend die Wettbewerbsfaehigkeit sowohl von Unternehmen als auch von Individuen beeinflussen wird.

CW: In den USA spielt im Zusammenhang mit den neuen Technologien der Aspekt Unterhaltung, Entertainment, eine sehr grosse Rolle. Warum?

McCracken: Weil die Unternehmen hiermit die groessten Gewinne erzielen. Deshalb ist der Entertainment-Sektor eine der staerksten Triebfedern fuer Multimedia- und Video-on-demand-Produkte oder worunter Sie sonst die neuen Technologie-Entwicklungen subsummieren.

CW: Welche Probleme sehen Sie denn fuer den Information Superhighway?

McCracken: Zunaechst einmal fehlt es an Standards. Zudem brauchen wir ein tieferes Verstaendnis von den zugrundeliegenden Technologien. Ausserdem werden wir nicht um eine extensive Versuchsphase von mindestens zwei bis drei Jahren herumkommen. Wir muessen erst noch lernen, wie das alles funktioniert, und wir muessen Erfahrungen sammeln.

CW: Mit anderen Worten: Es wird noch eine Weile dauern, bis die Zusammenfuehrung von Telefon, TV, und PC zu einem einzigen umfassenden Kommunikations- und Informations-System Wirklichkeit wird?

McCracken: In der Tat. Bis wir so weit sind, diese Technologien in einem groesseren Umfang zu nutzen, werden wohl noch fuenf Jahre vergehen. Internet, America Online, Prodigy - das sind Dinge, die sich jetzt schon schnell ausbreiten. Im Bereich des interaktiven digitalen Fernsehens gibt es immer mehr Experimente - aber das ist fuer die allernaechste Zeit dann auch schon alles.

CW: Ueber welche Wege werden sich den die neuen Technologien durchsetzen?

McCracken: Das wird ueber zwei Wege vonstatten gehen: Da gibt es zunaechst die Leute, die etwa Internet nutzen, also die eigentlichen Computerbenutzer. Die machen aber nur einen relativ kleinen Teil der Bevoelkerung aus - vielleicht 15 Prozent. Wirklich wichtig sind die restlichen 85 Prozent, die Fernsehzuschauer. Hier liegt das mit Abstand groesste Marktpotential, allerdings wird es auch am laengsten dauern, diese Menschen fuer die neuen Technologien zu gewinnen.

CW: Wie kommen Sie darauf, dass es gerade das Fernsehen sein wird, das die neuen Technologien befluegeln wird?

McCracken: Weil das die kostenguenstigste Art sein wird, Menschen den Information Superhighway schmackhaft zu machen. Das Problem ist nur, ein Fernsehzuschauer will sich nicht mit den Problemen herumschlagen, die er beim Gang durch das Internet-Labyrinth erlebt. TV-Zuschauer wollen unmittelbare Antworten, eine einfache Handhabung - und sie wollen unterhalten werden. Sie wollen eine Fernbedienung und keine Tastatur, wenn sie auf der Couch sitzen.

CW: Sind denn die Unterschiede zwischen einem Computerbenutzer und einem Fernsehzuschauer so gross?

McCracken: Oh, ja. Wir bei Silicon Graphics fuehren Tests durch, bei denen wir Leute in einem als Wohnzimmer eingerichteten Raum vor ein interaktives Fernsehsystem setzen. Computerbenutzer sind es gewohnt, dass der PC erst einmal eine Eingabe, einen Befehl erwartet, bevor er ueberhaupt aktiv wird. Dieses Denken koennen wir bei einem Testaspiranten, der normalerweise nicht mit Computern arbeitet, nicht voraussetzen. Er ist es gewohnt, das der Fernseher etwas tut.

CW: Mit anderen Worten: Die Computerbranche muss sich vor allem auch mit Verhaltenstheorien beschaeftigen, damit die neuen Technologien ein Erfolg werden?

McCracken: Genau. Wir aus der Computerindustrie hatten geglaubt, dass wir alle Probleme verstehen. Aber die Menschen, die Computer benutzen, sind voellig anders als die Menschen, die mit PCs nichts am Hut haben. Darauf muessen wir uns einstellen, und da muessen wir noch eine Menge lernen.

Mit Ed McCracken, CEO von Silicon Graphics Inc. (SGI), sprach CW- Redakteur Jan-Bernd Meyer