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22.03.1996

Interview/"Wir haben grosses Vertrauen in Microsoft"

CW: Der SAP-Kurs fiel zuletzt. Womit haben Sie sich die Gunst der Anleger verscherzt?

Wahl: Wir haben ueber viele Monate eine stuermische Aufwaertsentwicklung erlebt. Uns war klar, dass sich hier ueber kurz oder lang etwas aendern wuerde. Daran ist nichts Beunruhigendes.

CW: Sie haben auf der CeBIT futuristisch klingende Internet- Ankuendigungen gemacht. Versuchen Sie, die Stimmung an der Boerse zu verbessern?

Wahl: Nein. Wir reagieren lediglich auf Fragen, die unsere Kunden mit uns diskutieren wollen. Es geht darum, betriebswirtschaftliche Informationen moeglichst ueberall zugaenglich zu machen. Das Internet bietet uns dabei eine fertige Infrastruktur, in die wir uns einfach einklinken koennen. Unser Konzept sieht vor, dass jeder, der einen Browser besitzt, sich bei einem Internet-Server anmelden und dort mit SAP-Software arbeiten kann.

CW: Sind diese Internet-faehigen Anwendungen als Ergaenzungen oder Ersatz zu bisherigen Funktionen gedacht?

Wahl: Sie sind im wesentlichen Erweiterungen. Das gilt fuer herkoemmliche Einsatzgebiete wie die reine Informations- Vermittlung, bei der das Internet als Schaufenster benutzt wird. Das gilt aber auch, wenn Kunden Daten elektronisch in ein SAP- System einspeisen, um zum Beispiel Ersatzteile zu bestellen. Groessere Anforderungen bestehen, wenn Geschaeftspartner ueber das Internet miteinander Handel treiben. Dafuer braucht man ein integriertes betriebswirtschaftliches System, das die Transaktionen sauber bilanzieren und Rechnungen verarbeiten kann. Auch hier geht es nur um Erweiterungen. Lediglich im firmeninternen Intranet kann es vorkommen, dass sich bisherige Geschaeftsanwendungen, etwa Workgroup-Programme, durch das Internet ersetzen lassen.

CW: Wenn man erst einmal im Web agiert, ist dann nicht die Verlagerung von Funktionalitaet in das Netz die notwendige Folge?

Wahl: Lassen Sie mich konkret werden: Zur Zeit ersetzen wir statische durch dynamische Web-Seiten. Das heisst, der Anwender erhaelt ein Formular, das er mit Daten fuellen kann. Als naechstes folgen sogenannte Smart Forms, die mit Verarbeitungsregeln gekoppelt sind. Das sind schon kleine Programme, denen aber durch die niedrigen Uebertragungsraten klare Grenzen gesetzt sind.

CW: Wenn man sich die Ankuendigungen etwa von Oracle und IBM zum Thema Netz-Computing ansieht, bekommt man den Eindruck, als wuerden schon morgen vollstaendige Geschaeftsanwendungen ueber das Internet laufen.

Wahl: Wie wollen Sie denn Transaktionsverarbeitung betreiben, wenn im Internet kein Monitor dafuer existiert - nicht einmal ein Transaktionsmodell? Auch zu einer akzeptablen Verfuegbarkeit von Internet-Servern ist es noch ein langer Weg. Da muss man realistisch sein.

CW: Was bleibt, ist also die von Ihnen beschriebene Entwicklung zu dynamischen Web-Seiten mit kleinen Programmen, wie bei den Smart Forms.

Wahl: Ja, eine Finanzbuchhaltung ist sicher zu umfangreich fuer den Internet-Einsatz. Ausserdem muessten staendig zusaetzliche Daten nachgeladen werden. Aber man kann ja nicht in einem fort Hunderte vertrauliche Kundeninformationen durch ein oeffentliches Netz jagen.

CW: Warum kooperieren Sie gerade mit Microsoft und nicht mit Sun oder IBM, die fuer das Netz der Netze weit mehr zu bieten haben?

Wahl: Nach unserem Einblick - auch in die noch geheimen Projekte von Microsoft - ist dort die Technologie-Infrastruktur am weitesten fortgeschritten. Das gilt fuer den Internet-Server ebenso wie fuer den Merchant-Server und die Authoring-Tools. Hinzu kommt die geplante Verzahnung der Office-Pakete mit dem Internet. Wichtig ist uns auch, dass der Anwender in naher Zukunft nicht mehr zu wissen braucht, ob er fuer eine Anwendung das lokale Netz oder das Web benutzt. Wir haben hier grosses Vertrauen in Microsoft.

CW: Wollen Sie sich einzig und allein auf Bill Gates verlassen?

Wahl: Wir haben andere Partner wie Business Web, Edify fuer Telefonanwendungen sowie Sun. Wir sprechen natuerlich auch mit IBM und experimentieren mit Lotus-Produkten. Wir duerfen uns aber bei der Produktentwicklung nicht verzetteln.

Mit Paul Wahl, US-Chef und Vorstandsmitglied der SAP AG, sprach CW-Redakteur Heinrich Vaske.