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21.06.1996

Interview/Yahoo sieht sich als WWW-Medienunternehmen

CW: Der Börsengang von Yahoo war ähnlich spektakulär wie jener von Netscape. Viele halten die Aktie für überbewertet. Was erwarten die Anleger von einer kleinen Internet-Firma wie Yahoo?

Coogle: Ich glaube, daß viele Anleger dem Internet zutrauen, die gesellschaftliche Kommunikation grundlegend zu verändern. Dieser Wandel ist wahrscheinlich so fundamental wie jener, den das Fernsehen bewirkt hat. In diesem Prozeß gibt es führende Unternehmen, denen eine große Zukunft bevorsteht. Viele Anleger glauben dies von Yahoo.

CW: Für die kleinen Pionierunternehmen im Internet wird die Situation immer schwieriger, weil nun große Konzerne diesen Markt für sich beanspruchen. Haben Sie nicht Angst, von Großverlagen aus dem Geschäft gedrängt zu werden?

Coogle: Bis jetzt nicht. Es gibt in der Vergangenheit einige Beispiele dafür, daß kleine Unternehmen neue Technologien wesentlich schneller aufnehmen konn- ten als große. Ich glaube, daß es in fünf bis zehn Jahren im Inter- net-Umfeld große Firmen geben wird, die heute noch gar nicht existieren oder noch nicht bekannt sind. Natürlich haben wir bei Yahoo eine "gesunde Paranoia" und beobachten ständig die Internet-Aktivitäten großer Companies.

CW: Mit welchen Diensten wollen sie das Vertrauen der Anleger in Zukunft rechtfertigen? Suchmaschinen gibt es mittlerweile ja viele.

Coogle: Yahoo ist heute schon mehr als eine Suchmaschine. Neben den Suchmöglichkeiten bieten wir einen Dienst, den wir "Navigational Guide" nennen. Neben der Indexsuche, die es bei allen Suchmaschinen im Internet gibt, können Anwender in Verzeichnissen von Internet-Angeboten nachschlagen. Außerdem sind wir dabei, eigene Inhalte für verschiedene Zielgruppen zu erstellen. "Yahoologans" richtet sich an Kinder, wir haben derzeit ein Angebot für unsere japanischen Kunden und ein solches für computerbezogene Themen.

Und was die Pläne für die Zukunft betrifft, sehen wir Yahoo zunehmend als Medienunternehmen. Im Unterschied zu anderen in dieser Branche starten wie mit einem Web-basierten Modell. Aber wir werden den Content nicht ausschließlich selbst erstellen: Analog zu TV-Gesellschaften wollen wir Inhalte aller möglichen Anbieter "ausstrahlen". Schon heute gibt es auf den Yahoo-Seiten aktuelle Nachrichten, Börsenkurse oder Wetterberichte.

CW: Sie wollen nun auch Niederlassungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien gründen. In einem globalen Netz läßt sich aber die amerikanische Zentrale auch von Europa aus erreichen. Was ist der Hintergedanke dabei?

Coogle: Die Sprache des Internet ist Englisch. Da aber nicht alle Anwender Englisch sprechen, wollen wir die Inhalte in der jeweiligen Landessprache anbieten und zudem lokale Themen berücksichtigen.

CW: Es geht Ihnen wohl auch um die Sprache der Werbeanzeigen? Diese sind ja bis dato praktisch ihre einzige Einnahmequelle.

Coogle: Sicher sind wir auch am Werbeaufkommen in den europäischen Ländern interessiert.

CW: Welche neuen Einnahmequellen wollen Sie erschließen? Wollen Sie zukünftig auf Suchdienste Gebühren erheben oder wie Digital die Suchmaschine als Software vertreiben?

Coogle: Nein, das ist nicht geplant. Wir wollen auf allen Yahoo- Sites Verzeichnisdienste und Online-Medien anbieten. Dadurch können wir unsere Werbung besser auf Zielgruppen abstimmen.

CW: Welchen Status sollen die europäischen Ableger erhalten? Wollen Sie von den USA aus die übersetzten Inhalte herunterladen oder soll auch vor Ort produziert werden?

Coogle: Ich glaube, daß die lokalen Angebote sehr schnell ein Eigenleben entwickeln werden. Deshalb werden wir in allen Niederlassungen eine eigene Redaktion einrichten.

CW: Der Eigentümer von Ziff-Davis, Softbank, besitzt rund ein Drittel von Yahoo. Die neuen Niederlassungen werden in Kooperation mit Ziff eingerichtet. Welchen inhaltlichen Einfluß nimmt das Verlagshaus bei Yahoo?

Coogle: Ziff wird uns über seine Auslandsniederlassungen beim Aufbau der nötigen Infrastruktur helfen. Einflußnahme auf unsere Inhalte ist nicht vorgesehen. Wir arbeiten aber in den USA mit Ziff-Davis bei der Gründung von Web-Sites zusammen, deren Inhalte von beiden Firmen stammen.