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12.01.1996

Interviw/"Java ist so neu, dass es noch keiner wirklich benutzt"

CW: Wenn Sie nichts bezahlen muessten und das US-Justizministerium Ihnen keine Steine in den Weg legen wuerde, welchen Software-Anbieter wuerden Sie uebernehmen, wer hat die interessanteste Technologie?

Gates: Das profitabelste Softwaregeschaeft aller Zeiten macht die IBM mit MVS. Sie verfuegt ueber eine Basis von 25000 Installationen mit einer jaehrlichen Wachstumsrate von null, damit erzielen sie per annum einen Umsatz von sechs Milliarden Dollar. Unsere installierte Basis waechst zwar um 60 Millionen Einheiten pro Jahr, aber wir machen nur einen Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar mit Betriebssystemen. Allerdings ist MVS technologisch nicht so interessant.

CW: Was interessiert Sie vom technischen Standpunkt her? Internet-Software?

Gates: Nein, Internet-Browser sind aus technischer Sicht triviale Softwareprodukte. Aber in den IBM-Labors koennten noch verwertbare Technologien vorhanden sein, aus denen die IBM aufgrund ihrer Management-Struktur keine Vorteile ziehen kann, wir aber schon.

CW: Netscape hat sich sehr gut entwickelt. Wie steht's damit?

Gates: Wie viele Software-Entwickler, glauben Sie, arbeiten fuer die?

CW: Sie scheinen von dem Unternehmen nicht beeindruckt zu sein.

Gates: Oh, die Leute sind sehr gut. Aber man darf das Phaenomen der Ueberreaktion hier nicht ausser acht lassen, das immer auftritt, wenn Goldgraeberstimmung herrscht. In ein paar Jahren werden die Ueberschriften lauten "Ueberreaktion jetzt erkannt", darauf wette ich.

CW: Was halten Sie von Suns Java? Wie gross war Ihr Widerwille, es in Lizenz zu nehmen, und was hat Sie dazu gebracht, es doch zu tun?

Gates: Wenn es Web-Seiten gibt, die Java nutzen, dann sollen sie auf unseren Browsern laufen. Wir standen vor der Alternative, uns die Runtime von Java lizenzieren zu lassen oder ein eigenes Produkt nach dem Vorbild dieser Sprache zu entwickeln. Sun verfuegt ueber gute Software-Entwickler - wahrscheinlich sind sie von allen Hardware-Anbietern, inklusive Apple, in Sachen Software-Entwicklung die besten, obwohl sie diese Produkte nur in relativ kleiner Stueckzahl verkaufen. Bisher hat aber noch niemand mit Programmiersprachen Geld verdient. Eine Sprache, besonders wenn es sich um ein Subset einer anderen handelt, ist keine so grosse Sache. Wir hatten zwar erst vor, Java nachzukonstruieren, aber schliesslich haben wir uns mit Sun auf ein Lizenzabkommen einigen koennen.

CW: Was halten Sie von der Aussage, mit der Lizenznahme von Java haetten Sie indirekt eingeraeumt, dass die Sprache besser ist als alles, was Sie dagegen aufbieten koennen?

Gates: Es existieren eine Menge verschiedene Programmiersprachen -alle sechs Monate taucht eine andere aufregende auf. Telescript wurde ein paarmal in Ueberschriften erwaehnt; Script X - vielleicht erinnern Sie sich nicht mehr, es ist erst vor ein paar Monaten zu den Akten gelegt worden; Smalltalk, you name it. Java ist so neu, dass es noch keiner wirklich benutzt. Es gibt viel Interesse daran, vor allem weil es mit besagtem Goldrausch in Verbindung gebracht wird, deshalb unterstuetzen wir es genauso wie die anderen genannten Sprachen. Wie auch immer, Java wird eine bestimmte Rolle spielen, genau wie die anderen Sprachen auch.

CW: Es ist fuer Microsoft ungewoehnlich, fuer Technologien anderer Hersteller Lizenzen zu erwerben oder Standards zu akzeptieren, die von anderen Anbietern gesetzt werden...

Gates: Jedes Jahr schliessen wir Dutzende Lizenzabkommen.

CW: Dennoch hat Microsoft den Ruf, eine Firma zu sein, die darauf erpicht ist, selbst Standards vorzugeben. Sind Sie heute eher bereit, sich Softwaretechnologie ueber Lizenzen zu verschaffen, als frueher?

Gates: Wir kaufen mehr Softwarelizenzen als irgendeine andere Firma. Fuer den Flugsimulator zahlen wir beispielsweise zig Millionen Dollar Royalties. Das ist das erfolgreichste Lizenzabkommen, seit es Consumer-Software gibt. Und wer hat zuerst Unix von AT&T in Lizenz genommen? Das war Microsoft. Wer war der groesste Lizenznehmer von Unix? Das war Microsoft! Manchmal erwerben wir Lizenzen, manchmal kaufen wir die Technologie. Wir sind im Geschaeft, um grossartige Software zu verkaufen. Dazu haben wir schon immer alle moeglichen Taktiken benutzt: Lizenzierung, Kauf und Entwicklung.

Mit Microsoft-Chef Bill Gates sprach Don Tennant, Chefredakteur der Computerworld Hongkong.