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05.04.1996

Interwiev/Visionen beim Mittagessen

CW: Ein Markt explodiert, hoert und liest man derzeit in Sachen Videokonferenz. Nicht zum ersten Mal uebrigens, was manche Zeitgenossen schon veranlasst, von einer ewigen Zukunftsanwendung zu sprechen.

Kuhnert: Das ist Quatsch. Man kann dies mit nichts anderem besser belegen als mit einem Vergleich der drei letzten CeBIT-Messen. 1994 informierten sich die Leute erst einmal ueber die Technik. 1995 kamen die Firmen schon mit kompletten Organisations-Charts und wollten wissen, wie sich mit Hilfe von Videokonferenzen interne Ablaeufe optimieren lassen. Dieses Jahr waren viele dieser Unternehmen mit fertigen Plaenen bei uns auf dem Stand und fragten: Wir benoetigen die und die Stueckzahl, wann koennt ihr liefern?

CW: Dann haetten Marktforscher wie die Gartner Group also doch recht, wenn sie fuer die kommenden zwei Jahre eine Verdoppelung des weltweiten Marktvolumens fuer Videokonferenzsysteme von derzeit 700 Millionen Dollar auf fast 1,5 Milliarden Dollar prognostizieren?

Kuhnert: Die von Ihnen genannte Quelle hat bei Aussagen zu diesem Marktsegment bis dato immer richtig gelegen, und ich habe keinen Zweifel daran, dass dies in Zukunft auch so sein wird.

CW: Woher kommen denn die grossen Volumina, wenn andererseits vom Siegeszug der heute schon weniger als 4000 Mark kostenden Desktop- Loesungen die Rede ist?

Kuhnert: Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Die von der Investitionssumme her deutlich hoeher angesiedelten Raum- und Konferenzsysteme erfreuen sich nach wie vor grosser Beliebtheit - weil immer noch, oder besser gesagt erst recht, Gruppen mit Gruppen, Vorstaende mit Vorstaenden, Expertenteams mit Expertenteams kommunizieren wollen und muessen. Das alles hat nichts mehr mit den frueher belaechelten Breitbandstudios zu tun. Wenn wir indes von der Desktop-Videokonferenz sprechen, reden wir von spontaner Face-to- face-Kommunikation, bei der man den Schreibtisch nicht verlassen muss und die schon sehr bald das Telefon weitgehend ersetzen duerfte.

CW: Was macht Sie in diesem Punkt so optimistisch?

Kuhnert: Dass ich fuer die Zukunft nur noch zwei Grundtypen von Kommunikationseinrichtungen sehe - das mobile Handy und ein am Netz haengendes Endgeraet. Dabei ist es voellig egal, ob es sich um den klassischen PC, ein Videokonferenzsystem, den Internet-PC oder einen Fernseher handelt: Wir werden in jedem Fall alle mit Hilfe von Video, Audio und Data-Sharing kommunizieren.

CW: Und dabei Reisekosten sparen.

Kuhnert: Auch das ist ein unsinniges Vorurteil. Es geht vor allem um die Tatsache, dass fuer ein zweistuendiges Meeting durch die notwendige An- und Abreise in vielen Faellen ein ganzer Tag geopfert werden muss. Dies um so mehr, als die Unternehmen heute bekanntermassen immer staerker dezentral organisiert sind. Wer also behauptet, die Anzahl der Geschaeftsreisen ginge durch Videokonferenzen dramatisch zurueck, macht sich und anderen etwas vor. Allerdings bekommen Geschaeftsreisen eine andere Qualitaet. Man faehrt heute von Passau mit dem Auto oder Zug nach Muenchen, fliegt von dort nach Hamburg und faehrt dann nach Kiel weiter, um bei einem guten Mittagessen ueber gemeinsame Visionen und Strategien zu reden. Das operative Business hingegen laesst sich eindeutig besser via Videokonferenz erledigen.

CW: Apropos Visionen: Lange Zeit stand dem Traum vom Videokon- ferenz-Zeitalter ein fuer die Branche typischer Streit um Normen und Standards entgegen. Hat man hieraus mittlerweile gelernt?

Kuhnert: So koennte man es formulieren. Ich moechte allerdings noch hinzufuegen, dass der Markt foermlich nach einer Einigung geschrien hat. Fuer den Anwender bedeutet dies, dass es ueber den H.320- Standard (Videokommunikation, Anm. d. Red.) heute keinerlei Diskussion mehr gibt. Was die wichtige T.120-Norm (Data-Sharing im LAN, Anm. d. Red.) angeht, kann man ohne Zweifel behaupten, dass ein Lerneffekt eingetreten ist. Was beim H.320-Standard zwoelf Jahre gedauert hat, konnte in puncto T.120 in gut einem Jahr ueber die Buehne gebracht werden. Warten wir also bis zur CeBIT '97. Dort spaetestens wird man erleben, dass alle fuehrenden Hersteller T.120- kompatible Loesungen anbieten. Mit Werner Kuhnert, Geschaeftsfuehrer der Picturetel GmbH, Muenchen, sprach CW-Redakteur Gerhard Holzwart.