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01.03.1996

Intranet-Versprechen noch nicht eingeloest

Christoph Witte

Nachdem sich das Geldverdienen im Massenmarkt Internet offenbar schwieriger gestaltet als erwartet, versuchen Software-Anbieter, ihre Internet-Produkte verstaerkt Anwenderunternehmen anzudienen. Ein unter TCP/IP laufendes Netz, Computer mit Web-Server-Software, die HTML-Dokumente speichern und die Verwaltung managen sowie Web- Browser fuer die PCs der Mitarbeiter sollen ausreichen fuer den Eintritt ins kommunikative Nirwana. Mit solchermassen gestalteten "Intranets" laesst sich nach Darstellung der einschlaegig bekannten Anbieter die gesamte elektronische Kommunikation einer Firma standort- und plattformuebergreifend realisieren.

Bisher druecken die Versuche amerikanischer Anwender allerdings eher Vorsicht als Euphorie im Umgang mit Intranets aus. General Electric beispielsweise informiert seine Mitarbeiter via Privatnetz ueber den aktuellen Geschaeftsbericht und bietet ihnen Online-Service zur Planung von Geschaeftsreisen an. Compaqs Angestellte erfragen den aktuellen Stand ihrer Boni-Zahlungen an einem Intranet-Kiosk. Der Automobilbauer Ford verbindet immerhin seine Designzentren in Asien, Europa und den USA ueber ein Intranet, um Konstruktionszeichnungen und technische Daten zu transportieren.

Es liessen sich leicht weitere Beispiele aus der Nice-to-have-Ecke anfuehren. Aber ein Anwender, der ein Intranet anstelle des unternehmensweiten E-Mail-Verbundes benutzt oder Groupware- Funktionalitaeten e la Notes damit realisiert, findet sich nicht. Dafuer fehlt es an wichtigen Voraussetzungen. So ist noch nicht klar, ob die Netzinfrastrukturen in den Unternehmen ueberhaupt ausreichen, um den stark ansteigenden multimedialen Datenverkehr zu bewaeltigen. Der Stau im Internet laesst gruessen. Tools zum Management von Intranets - etwa zum Aufbau von User-Directories oder Aktualisieren von Hyperlinks - fehlen bisher genauso wie Moeglichkeiten zur Replikation verteilter Datenbanken. Damit ist ein Intranet fuer typische Groupware-Aufgaben wie das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten noch nicht geeignet. Fragen der Sicherheit sind mit Firewalls, die die privaten Netze gegen die oeffentlichen abschirmen, erst ansatzweise beantwortet.

Trotz all dieser Unwaegbarkeiten sprechen Marktforscher bereits von einem starken Trend. So rechnet das kalifornische Internet- Beratungshaus Zona Research 1998 mit Ausgaben fuer Intranet- Projekte von 7,8 Milliarden Dollar - viermal mehr als Unternehmen dann fuer das Internet ausgeben sollen. Vielleicht wurden fuer diese Prognose der Einfachheit halber Hersteller nach ihren Absatzwuenschen und nicht Anwender nach ihren Beduerfnissen gefragt. Sonst haette sich womoeglich herausgestellt, dass die meisten Unternehmen abwarten, bis Produkte auf den Markt kommen, mit denen das Versprechen einer einfachen, plattformuebergreifenden Unternehmenskommunikation wirklich eingeloest werden kann. Keine Frage: Intranets haben das Potential zur Killerapplikation in Unternehmen - wenn die Anbieter sich selbst beim Wort nehmen und liefern.