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19.05.1978

Investitionen der Mainframer

Im Mittelpunkt dieses Beitrags von Charles P. Lecht steht die Investitions- und Produktpolitik der großen Computer-Hersteller. Der Autor diskutiert die Chancen und Risiken verschiedener Strategien.

Wer die Wahl hat, hat die Qual - das gilt auch für die großen Computerhersteller, die heute in der Investitions- und Produktpolitik mit vielen Alternativen konfrontiert sind. Mit jeder Entscheidung werden schon heute die Weichen für die Zukunft gestellt werden, die Position auf den expansivsten Märkten der achtziger Jahre abgesteckt. Das Hauptproblem bei diesem komplizierten Entscheidungsprozeß ist jedoch nicht etwa der Mangel an Informationen über das Marktgeschehen - so fragwürdig der Informationsstand in bestimmten Fällen auch sein mag.

Es geht vielmehr für jeden Hersteller darum, sich für sein "ideales" Marktsegment zu entscheiden, seine Anstrengungen auf einen Marktbereich zu konzentrieren, der den eigenen Fähigkeiten optimal entspricht. Diese Festlegung bringt jedoch auch immer ein Risiko mit sich - die Gefahr nämlich, daß sich Kapazität und Ressourcen des einzelnen Herstellers angesichts der Marktanforderungen doch noch als unzureichend erweisen.

Abgesehen von IBM und AT&T dürfte es kaum Hersteller geben, die sich den Luxus leisten können, in mehreren Marktbereichen gleichzeitig engagiert zu sein. Ein derart flexibles und umfassendes Produktspektrum zur Absicherung gegen eventuelle Marktfluktuationen geht weit über die Kräfte der meisten Hersteller hinaus.

Chancen und Risiken

Bei den Universalrechnern im unteren und mittleren Leistungsbereich ist für die nächsten Jahre mit einer weltweiten Zuwachsrate von rund 15 Prozent zu rechnen. Die entsprechende Quote für programmierbare Universalterminals liegt dagegen zwischen 30 und 35 Prozent. Anwendungsspezifische POS-Terminals lassen sogar noch höhere Zuwachsraten erwarten: Hier wird mit jährlichen Steigerungsraten von zwischen 35 und 45 Prozent gerechnet.

Ähnlich expansiv sind die kleineren kommerziellen Computersysteme wie Univac BC/7, Burroughs B80, IBM System/34, Honeywell Level 6 oder vergleichbare Produkte von Konkurrenten wie DEC, Data General, Interdata, Hewlett-Packard und Olivetti. Auch hier liegen die projektierten Zuwachsraten noch über 35 Prozent.

Diese unterschiedliche Verteilung der Expansionsquoten läßt zumindest den Schluß zu daß sich einige Hersteller im falschen Marktbereich engagiert haben. Entweder werden zuviel Herstellerressourcen auf den relativ wenig expansiven Universalrechnermarkt konzentriert oder aber diese Ressourcen werden quasi nach dem Gießkannenprinzip auf die verschiedenen Marktsegmente verteilt - ohne daß eine klar formulierte Investitions- und Produktpolitik vorliegt.

Universell einsetzbare Terminals und anwendungsspezifische intelligente Terminals lassen heute berechtigterweise hohe Zuwachsraten erwarten. Gleichzeitig sind gerade diese Bereiche von verschärftem Wettbewerb und rapidem Preis- verfall gekennzeichnet. Das bedeutet, daß zwar auf diesen Märkten viel zu verdienen ist, daß hier aber auch ein scharfer Wind weht, in dem sich nur Hersteller behaupten können, die über die notwendigen finanziellen Ressourcen und die entsprechenden Forschungs- und Entwicklungskapazitäten verfügen.

Bei Minicomputern und kleinen kommerziellen Systemen sieht es ganz ähnlich aus: Auch hier auf der einen Seite hohe Zuwachsraten, auf der anderen Seite steigende Ausgaben für Kundenbetreuung, Marketing und Softwareentwicklung - ein Kostendruck also, dem nur ein kleiner Teil der Hersteller auf Dauer standhalten kann. In dieser Situation besteht für Erstbenutzer immer die Gefahr, an einen Hersteller zu geraten, der mit den "Fußangeln" dieses expansiven Marktes nicht ausreichend vertraut ist. Die Folgen, die sich für beide Seiten daraus ergeben, sind bekannt.

Im allgemeinen läßt sich aus den verschiedenen Forschungs -und Entwicklungs-Budgets eines Herstellers erkennen, in welchen Marktbereichen Schwerpunkte gesetzt werden. Das bedeutet jedoch beileibe nicht immer, daß sich diese verschiedenen Budget-Strategien harmonisch zum Wohle des Gesamtunternehmens ergänzen.

Im Gegenteil: Es besteht immer die Gefahr, daß egoistische Gruppeninteressen dominieren, daß ohne klare Zielsetzungen und unter Unkenntnis der tatsächlichen Marktgegebenheiten einfach aneinander vorber(...) wirtschaftet wird. Auch die vielen teuren Projekte, die dann irgendwann aus Kapitalmangel "austrocknen", sind ein warnendes Beispiel für eine mangelnde Investitionsplanung .

Nicht zu vergessen die Projekte, die aus Unsicherheit heraus einfach wieder abgebrochen werden, noch bevor sie überhaupt einen halbwegs meßbaren Reifegrad erreicht haben. Entscheidungen dieser Art sind gar nicht so selten wie vielfach angenommen - vielleicht deshalb, weil solche Fehlentscheidungen nur selten an die Öffentlichkeit gelangen.

Selbstverständlich kennen wir nicht die einzelnen internen Budgets der verschiedenen Hersteller, doch anhand von Neuankündigungen der letzten Zeit und anderen Informationen dürfte es möglich sein, gewisse Rückschlüsse auf die Ausgabenverteilung der Hersteller zu ziehen. Ein-/Ausgabeeinheiten, wie Laserdrucker, Massenspeichersubsysteme etc. haben bei IBM erste Priorität. An zweiter Stelle folgen Softwarepakete, wie Betriebssystemerweiterungen, Neuentwicklung von Betriebssystemen und Anwendungssoftware.

Wird fortgesetzt

-Charles P. Lecht ist Gründer und Vorsitzender der Advanced Computer Techniques Corporation (ACT).

Übersetzung: Reinhold Falkner.